35-jähriger Taxifahrer aus Herford liegt nach Angriff im Koma »Unser Leben ist zerstört«

Herford (WB). Sie waren eine glückliche Familie: Bis zu jener Nacht, als das Leid über sie hereinbrach. Ein Herforder Taxifahrer und Vater von drei Kindern wurde am 7. November 2015 Opfer eines Gewaltverbrechens. Seitdem liegt der 35-Jährige im Koma. Er wird wohl nie wieder aufwachen.

Von Moritz Winde
Die Ehefrau des Taxifahrers. Sie sagt: »Mein Mann war ein friedlicher Mensch, ein liebevoller Vater.«
Die Ehefrau des Taxifahrers. Sie sagt: »Mein Mann war ein friedlicher Mensch, ein liebevoller Vater.«

Ermittler finden Schlagring

Eigentlich sollte dem mutmaßlichen Täter – einem 23-jährigen Bad Oeynhausener – in der letzten Woche der Prozess vor dem Amtsgericht Herford gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Körperverletzung vor. Er soll den Taxifahrer am Bahnhof Herford nach einem Disco-Besuch zum Krüppel geschlagen haben, weil der sich geweigert haben soll, ihn und seinen Kumpel mitzunehmen. Am Tatort hatten die Ermittler einen Schlagring gefunden.

Rechtsanwalt Jan-Chrsitian Hochmann. Foto: Winde

Jan-Christian Hochmann, der Rechtsanwalt der Familie, stellte zu Beginn der Verhandlung den Antrag, den Fall ans Landgericht Bielefeld zu verweisen, da die Strafgewalt des Amtsgerichts nicht ausreiche. »Ich bin der Ansicht, dass es versuchte Tötung war. Bei dem Angeklagten soll es sich um einen ehemaligen Kick-Boxer handeln. Das wurde bei der Durchsuchung seiner Wohnung festgestellt«, sagt der Jurist. Das Gericht schloss sich ihm an.

Sozialarbeiterin musste Job aufgeben

Die Ehefrau des Opfers traf im Gerichtssaal zum ersten Mal auf den Mann, der »unser Leben zerstört hat«. Sie will wissen: »Warum hat er uns so etwas Schlimmes angetan? Mein Mann war ein friedlicher Mensch, ein liebevoller Vater. Wir waren doch eine ganz normale Familie.«

Ein Familienfoto aus glücklichen Tagen: Das seit acht Jahren verheiratete Paar mit den drei kleinen Kindern.

Wenn die 33-Jährige die Verletzungen auflistet, kommen ihr die Tränen. Manchmal, sagt die Sozialarbeiterin, könne sie vor lauter Trauer nicht mehr weinen. Doch sie will stark sein, müsse stark sein – schon alleine wegen ihrer drei Kinder, die zwölf, zehn und drei Jahre alt sind. Sie wachsen ohne Papa auf. Die junge Frau musste ihren Job aufgeben.

Massive Verletzungen des Gehirns

Die Gewalt gegen den Kopf ihres Mannes – das Paar ist seit acht Jahren verheiratet – muss erheblich gewesen sein. Der Taxifahrer erlitt einen zweifachen Schädelbruch, massive Hirnblutungen und ein Trauma dritten Grades. »Sein Gehirn war so sehr angeschwollen, dass die Ärzte ihm die Schädeldecke abnehmen mussten. Die Not-OP dauerte neun Stunden. Danach wurde er noch zweimal operiert. Er war an unzähligen Schläuchen angeschlossen, aus seinen Augen schien jegliches Leben gewichen zu sein. Diese schrecklichen Bilder bekomme ich nicht aus dem Kopf. Sie verfolgen mich – vor allem nachts.«

Seit fast anderthalb Jahren liegt der 35-Jährige im Koma. Er wird künstlich ernährt, muss rund um die Uhr betreut werden. Seine Prognose, sagt seine Frau, sei schlecht. Jeden zweiten Tag besucht sie ihn in der Spezialklinik im Ruhrgebiet. Doch schon bald will sie ihren Mann zu sich und den Kindern holen. »Er soll bei der Familie sein. Er braucht uns. Und wir brauchen ihn«, sagt sie. Derzeit wird ihr Mietshaus in Herford barrierefrei umgebaut – nach langem, kräftezehrenden Kampf mit der Berufsgenossenschaft. Nur den so sehr gewünschten Wintergarten habe man ihr verwehrt.

Angst vor der Zukunft

Die alleinerziehende Mutter hat große Angst vor der Zukunft, davor, dass sie irgendwann zusammenbreche. Die 33-Jährige träumt von Urlaub. Doch wer soll das bezahlen? Sie will Gerechtigkeit, fordert, dass der Täter hart bestraft wird. »Auch wenn dadurch mein Mann wohl nie wieder der Alte werden wird.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.