Turmspitzen von Jakobikirche und St. Johannis werden in Bad Salzuflen restauriert Bald leuchtet der Wetterhahn golden

Herford (WB). Vieles neu macht der Mai: Läuft alles nach Plan, könnte in dem Wonnemonat die Spitze des Johannis-Kirchturms in neuem Glanz erstrahlen. In den nächsten Tagen werden Kugeln und Hahn in der Spengler-Werkstatt von Holger Menke vergoldet.

Von Hartmut Horstmann
Spengler Holger Menke aus Bad Salzuflen kann über einen Mangel an Angeboten nicht klagen: »Der Bedarf ist da. Ich könnte noch drei Mitarbeiter gebrauchen.«
Spengler Holger Menke aus Bad Salzuflen kann über einen Mangel an Angeboten nicht klagen: »Der Bedarf ist da. Ich könnte noch drei Mitarbeiter gebrauchen.« Foto: Hartmut Horstmann

72 Meter über dem Erdboden

Es war eine spektakuläre Aktion, als im vergangenen Sommer die Spitze mit einem Kran vom Kirchturm entfernt wurde. Notwendig war dies, weil die Holzkonstruktion, auf der die Kirchturmspitze befestigt war, vermoderte. Immer wieder war Wasser in den so genannten Kaiserstiel gedrungen – und da die Metall-Konstruktion samt Kugeln eine halbe Tonne auf die Waage bringt, war schnelles Handeln in einer Höhe von immerhin 72 Metern über dem Erdboden geboten.

Kugel war undicht

An den Kaiserstiel gelangt war das Wasser, weil die große Kugel der Kirchturmspitze undicht war. Scharniere hätten die beiden Hälften, aus denen sie bestand, zusammengehalten, sagt Holger Menke, Chef des Spengler-Unternehmens in Bad Salzuflen. Um ein erneutes Eindringen des Wassers zu verhindern, ist jetzt an die Stelle der Scharniere Kupferblech getreten, das im Innern der Kugel fest angebracht und verlötet wird.

Stahlhülse angefertigt

Neben der restaurierten Turmspitze steht der vom Wasser in Mitleidenschaft gezogene Holzstumpf. Um auch hier zukünftig unerwünschte Kontakte zwischen Dachstuhl und Wasser zu vermeiden, fertigt die Spezialfirma eine Stahlhülse an, die über den Stamm gestülpt wird. Eine deutliche kleinere Konstruktion ist bereits fertig. Sie komme in Hausberge zum Einsatz, erklärt Menke.

Wie lange die neue Kirchturmspitze am Neuen Markt halten wird, lässt sich schwer voraussagen. Klar sei, so Dennis Hertel: »Ich muss da nicht mehr hoch.« Und da der Spengler gerade mal 25 Jahre alt ist und somit noch vier Jahrzehnte in seinem Beruf vor sich hat, gehen alle Beteiligten offenbar von einer langen Dauer aus. Das Gleiche gilt für die Kirchturmspitze der Jakobikirche, die in der Spenglerwerkstatt ebenfalls restauriert wird.

Blattgold hält bis zu 25 Jahre

Geringer fällt die Haltbarkeit aus, wenn es um das Blattgold geht. 20 bis 25 Jahre halte die Vergoldung, erklärt Dörte Holzmeier. Zur ihrem Job gehört es, die extrem feinen Blätter aufzutragen. Dabei wirkt ein spezielles Anlege-Öl wie Leim. Um deutlich zu machen, wie fein das Blattgold ist, nennt die Spenglerin zwei Zahlen. 8000 Blatt übereinander ergeben eine Stärke von lediglich einem Millimeter.

Weil sich da kleine Risse nicht gänzlich vermeiden lassen, ist der Untergrund, auf dem das Blattgold angebracht wird, gelb grundiert. »Da fallen die Risse schon in einem Abstand von zwei Metern nicht mehr auf«, so Holzmeier. Doch auch wenn die goldenen Kugeln schließlich in einer Höhe von mehr als 70 Metern zum Glänzen kommen, ist das Halbfertige ihre Sache nicht. Beim Blattgold-Foto hält sie die Luft an – beim kleinsten Atemzug könnte das Blatt davonwehen.

Zahlreiche Aufträge

Acht mal acht Zentimeter ist dessen normale Größe. Die Spenglerin geht davon aus, dass sie für Kugeln und Wetterhahn etwa 2300 Blatt benötigt. Eine filigrane Herausforderung – wobei Holger Menke betont: »Das Gold ist eine optische Sache. Entscheidender ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten bei der Anbindung der Kirchturmspitzen an die Dachkonstruktion oft geschludert worden ist.« Der Experte weiß, wovon er redet, denn als Spengler kennt er die Kirchen der Region. Entsprechend groß ist die Nachfrage – überhaupt kann sich Menke über Aufträge nicht beklagen: »Ich könnte noch drei Leute beschäftigen«, sagt er: »Aber es ist schwer, Fachpersonal zu bekommen.«

Etwa 60.000 Euro kostet die Restaurierung der Johannis-Turmspitze, wobei in dem Betrag auch das Anbringen in einer Höhe von 72 Metern berücksichtigt ist.

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