Ahlers aus Herford sieht Branchenkrise noch nicht beendet – Shopausbau gestoppt Ahlers: »Rabattaktionen viel zu früh«

Düsseldorf/Herford (WB). Die Krise des stationären Modehandels führt jetzt auch bei der Ahlers AG zu Konsequenzen. Die Herforder stoppen vorübergehend den Ausbau der in eigener Regie betriebenen Markenfilialen.

Von Bernhard Hertlein
Stella Ahlers leitet das Unternehmen mit Sitz in Herford.
Stella Ahlers leitet das Unternehmen mit Sitz in Herford. Foto: Mike-Dennis Müller

Zwar soll in diesem Jahr noch ein Geschäft auf Sylt eröffnet werden. Gleichzeitig stehen aber, so sagte die Vorstandsvorsitzende Dr. Stella Ahlers am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf, drei defizitäre Geschäfte auf dem Prüfstand. Ob sie geschlossen werden, hänge beispielsweise davon ab, ob die hohen Mieten in Verhandlungen reduziert werden können.

Ahlers war – insbesondere im Vergleich zu Unternehmen wie Gerry Weber – von Anfang an bei den eigenen Handelsaktivitäten vorsichtig. Aktuell betreiben die Herforder in Deutschland 30 Markengeschäfte in Eigenregie.

Hausgemachte Probleme

Baldessarini, eine der drei Ahlers-Premiummarken, pflegt einen italienischen Stil.

Stella Ahlers bezweifelt, dass der heimische Bekleidungshandel im aktuellen Geschäftsjahr endlich wie andere Branchen von der guten Konjunktur und der Kauflaune der Verbraucher profitieren wird. Zur Konkurrenz durch das Internet kämen hausgemachte Probleme: »Es macht keinen Sinn, den Kunden im Februar Bermudas und im August Cordhosen anzubieten – um dann, wenn diese im Dezember noch unverkauft sind, in Panik die Preise zu senken.«

Nachhaltig gehe anders, meinte Ahlers, die sich auf diesem Hintergrund mit dem Verlauf des Geschäftsjahres 2015/16 zufrieden zeigte. Dass der Umsatz in Deutschland von 133 auf 130 Millionen zurückging, liege daran, dass die Marke Gin Tonic und das Geschäft mit Handelsmarken endgültig aufgegeben wurden und die Umsätze wegfielen.

Ohne diesen Aspekt hätte der Umsatz in Deutschland 1,2 und international 1,6 Prozent zugelegt. So aber musste Ahlers auch insgesamt einen Rückgang von 242 auf 239 Millionen Euro hinnehmen. Das Onlinegeschäft macht nach einem Plus von 16 Prozent jetzt vier Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Personalkosten um 1,3 Millionen zurückgegangen

International konnten die Herforder insbesondere in der Ukraine, Russland und Polen Umsätze zurückgewinnen, ohne aber schon das alte Niveau wieder erreicht zu haben. Obwohl die Mitarbeiterzahl stichtagsbedingt um 18 auf 2060 stieg, gingen die Personalkosten um 1,3 Millionen Euro zurück.

Am Standort Herford, wo das Unternehmen 459 (Vorjahr: 468) Beschäftigte zählt, wird der vor wenigen Tagen angekündigte Umzug von bis zu 16 Mitarbeitern im Baldessarini-Markenvertrieb aus München Investitionen in Höhe von etwa 600.000 Euro auslösen. 36 Prozent seiner Ware produziert Ahlers in eigenen Produktionsstätten in Sri Lanka und in Polen.

Verbessert hat sich die Gewinnsituation. Als Folge der 2015 eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen stieg der operative Gewinn (Ebit) von 2,4 auf 4,0 Millionen Euro. Nach Steuern erhöhte sich das Konzernergebnis von 1,4 auf 2,5 Millionen Euro.

Rücklagen in Anspruch genommen

Der Kurs der Vorzugsaktie gab im Jahresverlauf um sieben, der der Stammaktie sogar um elf Prozent nach. Trotz der verbesserten Ertragssituation wird die Dividende auf 0,15 (Vorjahr: 0,20) bzw. 0,20 (0,25) Euro zurückgehen. Das sind gleichwohl 100 Prozent des Jahresgewinns. Im vergangenen Jahr hatte die AG sogar Rücklagen für die Ausschüttung in Anspruch genommen. Die Eigenkapitalquote ist mit 57,2 Prozent weiter hoch.

Seit 25 Jahren ist Pierre Cardin die wichtigste Marke von Ahlers. 2016 profitierten die Herforder von der Ausdehnung auf Frankreich und vor allem Spanien. Aus Ahlers-Sicht fehlen jetzt vor allem noch Großbritannien und Italien.

Die anderen Marken im Portfolio sind Baldessarini, Otto Kern, Pionier und Jupiter. Akquisitionen schließt man weiter nicht aus, wobei der Sportswear-Bereich wohl an erster Stelle steht.

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