400 Menschen erweisen dem bekannten Herforder Schausteller die letzte Ehre Abschied von »Onkel Josef«

Herford(WB). Schausteller-Urgestein Josef Weber aus Herford ist am Dienstag auf dem Friedhof Ewiger Frieden beerdigt worden. 400 Menschen geleiteten ihn zur letzten Ruhe. Weber war am Mittwoch nach langer Krebserkrankung gestorben. Er wurde 88 Jahre alt.

Von Moritz Winde
»Onkel Josefs« Asche wird in der Urne zum Grab getragen. Hinter Pfarrer Reinmuth folgen Webers Ehefrau Elfriede, Tochter Petra und Sohn Thomas.
»Onkel Josefs« Asche wird in der Urne zum Grab getragen. Hinter Pfarrer Reinmuth folgen Webers Ehefrau Elfriede, Tochter Petra und Sohn Thomas. Foto: Moritz Winde

»Onkel Jupp, das war ein feiner Kerl«

Als Andrea Bocellis »Time to say goodbye« erklingt, wischt sich ein Mann im schwarzen Anzug eine Träne aus dem Augenwinkel. »Onkel Jupp, das war ein feiner Kerl«, sagt der Schausteller, der für die Beerdigung extra aus dem Rheinland angereist ist. Wie viele andere verfolgt er die Trauerfeier an der freien Luft vor der Kapelle – zwangsläufig. Das kleine Gotteshaus hat gerade mal Platz für 200 Besucher. Die Bänke sind schnell belegt.

Gesellschaftliches Ereignis

»Uns war klar, dass wir improvisieren müssen. Darum haben wir ja auch die Lautsprecherboxen draußen aufgebaut. So bekommt jeder etwas mit«, sagt Bestatter Heinrich Stranghöner (66). Es sei ja schließlich auch eine ganz besondere Beerdigung, ein gesellschaftliches Ereignis. »Diese Aufgabe zu übernehmen, ist eine große Ehre. Josef Weber war ein sehr bekannter, hoch geschätzter Mann.«

Seine Energie ließ im letzten Jahr nach

Wohl fast alle Herforder werden schon einmal eine Runde in »Onkel Josefs« »Biene Maja« gedreht haben. Bis ins hohe Alter stand der leidenschaftliche Marktmeister noch selbst am Karussell und erfreute sich daran, Kinderaugen strahlen zu lassen. Im letzten Jahr ging es dann nicht mehr – die Krankheit forderte ihren Tribut. Seine Energie ließ nach.

Ex-Bürgermeister Bruno Wollbrink unter den Trauergästen

Viele Weggefährten haben am Dienstag einen weiten Weg auf sich genommen, um sich von einem ihrer dienstältesten Kollegen zu verabschieden. Mit dabei ein Dutzend Standartenträger befreundeter Schausteller- und Kirmesvereine. Natürlich haben sich auch zahlreiche Beschicker aus der Region den Nachmittag freigeräumt, um Josef Weber zu Grabe zu tragen. Auch Vertreter aus Verwaltung und Politik sind gekommen, unter anderem Ex-Bürgermeister Bruno Wollbrink und sein Nachfolger Tim Kähler. Schon lange bevor die Zeremonie beginnt, ist der Friedhofsparkplatz voll. Ebenso die Straße.

Unzählige Gestecke

In der Kapelle ist die Urne – sie ist weiß mit einem goldenen Kreuz – mit Josef Webers sterblichen Überresten aufgebahrt. Davor liegen unzählige Gestecke, manche in Herzform. Vor dem Eingang liegt ein großer Kranz mit Dutzenden roter Gerbera. »Unserem lieben Onkel als letzten Gruß – Mitteldeutscher Schaustellerverein«, steht auf der Schleife.

Grab neben der Tochter

Pfarrer Dr. Olaf Reinmuth hält die Trauerpredigt. Der evangelische Geistliche würdigt Weber als Visionär. Er habe technische Neuentwicklungen bei Karussells angestoßen, das Herforder Weihnachtsmarkt-Konzept erarbeitet und die Osterkirmes in die Innenstadt geholt. Auch das Springolino sei seiner Experimentierfreudigkeit entsprungen. Er sei bescheiden und zurückhaltend gewesen – offen, freundlich, unverkennbar. »Josef Weber war kein Mensch der vielen Worte, aber ein Freund des richtigen Wortes zur rechten Zeit.« Und Willi Parpalioni vom Deutschen Schaustellerverband sagt: »Auf Onkel Josef konnte man sich immer verlassen. Er hat mit Leidenschaft für unseren Berufsstand gekämpft. Uns hat ein echtes Unikat verlassen.«

Josef Weber hinterlässt Ehefrau Elfriede, Tochter Petra, Sohn Thomas sowie fünf Enkel und fünf Urenkel. Seine letzte Ruhe findet er neben seiner erstgeborenen Tochter Bärbel, die im Jahr 2008 gestorben war.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.