Archäologische Grabung an der Komturstraße Das abgefackelte Haus

Herford (HK). Neues aus der Komturstraße: Auf der Suche nach Resten eines alten Steinhauses sind die Archäologen auf die Spuren weiterer Gebäude gestoßen. Dr. Sven Spiong vom Landschaftsverband geht mittlerweile von drei Bauphasen aus.

Von Hartmut Horstmann
Bei der dunklen Verfärbung handelt es sich um eine Brandschicht, die unter dem Lehmboden entdeckt wurde. Behutsam gehen Jessica Lücke, Mathias Polster und Tobias Ciesler vor.
Bei der dunklen Verfärbung handelt es sich um eine Brandschicht, die unter dem Lehmboden entdeckt wurde. Behutsam gehen Jessica Lücke, Mathias Polster und Tobias Ciesler vor. Foto: Hartmut Horstmann

Jeweils etwa 20 Zuhörer nahmen an seinen bisherigen zwei  Führungen zur Grabungsstelle teil. Am kommenden Montag informiert der Archäologe ab 17 Uhr ein letztes Mal über den aktuellen Sachstand. Und da sind die Experten in den vergangenen Tagen zu neuen Erkenntnissen gekommen. Ausgegangen waren sie von den  freigelegten Resten einer etwa 90 Zentimeter breiten Grundmauer. Das dazugehörige Haus mit vermutlich zwei Etagen und einem Giebelgeschoss soll im 14. Jahrhundert entstanden sein.

Als die Archäologen und ihre  Helfer jetzt Erdschicht für Erdschicht abtrugen, entdeckten sie Verfärbungen im Boden, die auf die Verwendung von Holzpfosten schließen lassen. Diese wiederum verweisen auf eine Holzbauweise, die aus der Zeit v o r dem Steinbau stammt. Überraschendes brachte zudem das Abtragen einer Lehmschicht zum Vorschein, die zu dem Steinhaus gehörte. »Darunter befand sich eine Brandschicht  vom Vorgängerhaus«, sagt Sven Spiong. Dies lässt sich aus der schwarzen Verfärbung entnehmen. Das Haus sei also abgefackelt, erklärt der Archäologe. Um den Zeitraum des Brandes einzugrenzen, wurden  Proben der Holzkohle genommen. In ein paar Monaten  sollen  die Auswertungen vorliegen.

Doch wer glaubt, damit sei klar, dass vor dem Steingebäude an der  Stelle einfach nur ein abgebranntes Haus gestanden habe, unterschätzt die Verzwicktheit eines archäologischen Puzzles. Denn die Experten entdeckten auch alte Pfostenlöcher, die keine Brandspuren aufwiesen. Diese müssen also zu einem Haus gehören, das nicht einem Feuer zum Opfer fiel.

Nach dem bisherigen Stand geht Sven Spiong somit von drei Bauphasen aus. Ein erstes eingeschossiges Haus in Pfostenbauweise ist vermutlich direkt nach 1224  (Beginnt der Neustadt) gebaut worden. Diese Gebäude hätten ein oder zwei Generationen gehalten, weiß der Archäologe. Dann sei offenbar ein zweites Haus gebaut worden. Dieses Haus, von dem unter anderem eine Herdstelle aus Ziegelbackstein erhalten ist, brannte ab – und hinterließ unter dem Lehm  die  Brandschicht.

Hinsichtlich der Bauweise  dieses Nachfolgehauses ist sich Spiong noch nicht schlüssig. Klar ist, dass an der Stelle später –  im 14. Jahrhundert – der Steinbau entstand. Wie lange dieser erhalten blieb, steht  nicht fest. »Es ist  keine Abbruchschicht erhalten, die  Aufschlüsse geben könnte«, erklärt   der Archäologe.  Er vermutet, dass es vor dem Bau des  anspruchsvollen Steinhauses einen Besitzerwechsel gegeben hat: »Vermutlich waren es reiche Bürger.«

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