Spektakuläre Arbeit aus den Niederlanden beim Marta-Recyclingpreis Gemütliches Sitzen auf Rotorblättern

Herford (WB). Wollten Sie immer schon mal auf den Rotorblättern einer Windkraftanlage sitzen? Falls ja, dann haben Sie bis zum 1. November vor dem Marta Zeit,  diese Erfahrung zu machen. Die dortige Sitz-Installation ist Teil der neuen Ausstellung zum Design-Recyclingpreis. 

Von Hartmut Horstmann
Udo Holtkamp (Recyclingbörse) und Marta-Direktor Roland Nachtigäller (rechts) nehmen auf den Rotorblättern Platz. Für die weitere Verwendung wird noch ein Interessent gesucht.
Udo Holtkamp (Recyclingbörse) und Marta-Direktor Roland Nachtigäller (rechts) nehmen auf den Rotorblättern Platz. Für die weitere Verwendung wird noch ein Interessent gesucht. Foto: Hartmut Horstmann

Die Idee, ausgediente Rotorblätter zu benutzen, stammt von dem niederländischen Designer Césare Peeren. In Holland fänden sich derartige Arbeiten häufiger im öffentlichen Raum, sagt Udo Holtkamp (Recyclingbörse), der der Jury zum Designpreis angehört. Unter anderem würden Rotorblätter für Spielgeräte verwendet.

Für seine Idee bekam Peeren in diesem Jahr den zweiten Preis. Zwei Monate haben die Herforder Bürger jetzt Zeit, die ungewöhnlichen Sitzmöbel zu testen. Falls jemand dann für die Rotorblätter eine weitere Verwendung hätte, wäre Holtkamp dankbar: »Denn in der Recyclingbörse können wir sie nicht lagern.« Wenn Interesse besteht, stellt er einen Kontakt zu dem Designer aus Rotterdam her.
Der niederländische Beitrag ist einer von mehr als 500, die der Jury zur Bewertung vorlagen. Die meisten kamen aus Deutschland – aber auch aus Argentinien, Frankreich oder Italien bewarben sich Designer übers Internet.

Sonderpreis für 26-Jährige aus Bielefeld

»Es ist der international bedeutendste Preis in dieser Richtung«, betont Udo Holtkamp. Wichtig sei, so Marta-Direktor Roland Nachtigäller, dass die Objekte tatsächlich existierten. So versuchte ein Designer die Jury mit einer 3D-Animation zu täuschen – ohne Erfolg.

Eine große Rolle spielen in diesem Jahr die Sitzmöbel – und zwar im Zusammenhang mit einer Arbeit aus der JVA Herford gleich in einem doppeldeutigen Sinne. Das Sofa, das der Absolvent einer Ausbildungsklasse angefertigt hat, besteht unter anderem aus der Tür einer Gefängniszelle und Wärterkleidung. Zu den Fragen, die die Initiatoren derzeit beschäftigen, zählt: Darf der »sitzende« JVA-Insasse als Preisträger des Schülerwettbewerbs an der Verleihung teilnehmen? Diese findet am Sonntag ab 11.30 Uhr im Marta statt.

Einen Sonderpreis bei den Schulen erhält die 26-jährige Esther Althoff, die das Westfalen-Kolleg in Bielefeld besucht. Weil sie alte Bücher liebt, aber mit dem Inhalt der Abhandlung »Naturwissenschaft und Evangelium« Probleme hatte, bearbeitete sie den Text, indem sie Passagen ausschnitt.

Einige spektakuläre Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen – nicht jedoch der mit 2500 Euro dotierte erste Preis. Er geht an Emmy Galle und Bruno Winter, die aussortiertes Essbesteck mit einem Emaille-Überzug für den weiteren Gebrauch bearbeiten beziehungsweise neu veredeln. In diesem Fall setzten die Designer auf den Zauber der schlichten Eleganz. Der dritte Preis geht an die Italienerin Camilla Carrara, die für ihre Kleidung Wollreststoffe benutzt.

Die Ausstellung ist bis zum 1. November in der Lippold-Galerie zu sehen.

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