Viele Fragen beim Informationsabend zur Notunterkunft für Asylsuchende »Die Flüchtlinge brauchen jetzt erst einmal Ruhe«

Von Peter Schelberg

Herford (HK). Viele Fragen bewegen die Anwohner, nachdem  178 Flüchtlinge in  der Notunterkunft in der ehemaligen Harewood-Kaserne angekommen sind. Während der Informationsveranstaltung in der Christuskirche am Mittwoch haben Vertreter der Stadt, der Bezirksregierung, der Polizei und des DRK Antworten gegeben.

Groß war das Interesse der Anwohner bei der Informationsveranstaltung, zu der die Stadt Herford   eingeladen hatte. Etwa 400 Bürger waren in die Christuskirche gekommen.
Groß war das Interesse der Anwohner bei der Informationsveranstaltung, zu der die Stadt Herford eingeladen hatte. Etwa 400 Bürger waren in die Christuskirche gekommen. Foto: Mike-Dennis Müller

Sicherheit ist ein Thema, das  viele Bürger beschäftigt:  »Es gibt ein Sicherheitskonzept und es werden vermehrt Streifenwagen unterwegs sein. Sie können die Beamten jederzeit ansprechen«, sagte Rainer Koch, Leiter der Polizeiwache Hansastraße.  Die Zahl der Polizisten sei deutlich erhöht worden. »Wir haben 70 hochmotivierte Kollegen im Einsatz.« Koch stellte  klar: »Ich werde jeden Rechtsbruch  – ob innerhalb oder außerhalb der Unterkunft – verfolgen.« Aufgrund der Nähe der Wache  zur Harewood-Kaserne gehe er von einer sehr schnellen Einsatzreaktionszeit aus: »Bei Bedarf wäre innerhalb einer Minute  der erste Streifenwagen da.« Positive Reaktionen habe es aus der Bürgerschaft zur  Wiedereinschaltung der nächtlichen Straßenbeleuchtung gegeben. Zu Aktivitäten von Neonazis befragt, sagte Koch:  »Sie können sicher sein, dass wir das beobachten und  unsere braunen Socken kennen. Wir haben hier eine völlig sichere Lage.«

Verzögerung bei Registrierung

Die Bezirksregierung Detmold plane weiterhin, die Anlage zu einer Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE)  mit einer Maximalkapazität von 800 Personen umzubauen, sagte Dezernent Rüdiger Most.   Er hofft, 2015 mit den Arbeiten beginnen und diese 2016 fertigstellen zu können. Auf die Frage, ob Bürger mit den Flüchtlingen Kontakt aufnehmen oder helfen könnten, verwies er auf das Problem, dass diese üblicherweise nur wenige Tage in den Notunterkünften bleiben. Wegen  stark gestiegener Aufnahmezahlen könnten  Registrierung  und weitere Verteilung zurzeit aber einige Wochen dauern. Hilfsangebote seien zwar erfreulich, sagte Baudezernent Dr. Böhm: »Wir müssen aber zurzeit darauf verzichten. Die Flüchtlinge brauchen jetzt vor allem erst einmal Ruhe. Wenn der Betrieb normal läuft, können wir gern über Angebote und Hilfen sprechen.«   Über das weitere Vorgehen soll auch ein Runder Tisch am  nächsten Dienstag beraten.

 Die Stadtverwaltung nimmt Vorschläge und Fragen   über die E-Mail-Adresse ›notunterkunft@herford.de‹ oder  das Bürgermeisterbüro entgegen.  Für  Notfälle stehe die Notrufnummer 110 zur Verfügung. Bei weniger dringenden Anliegen, die die Polizei klären kann, ist diese unter 888-0 zu erreichen.

Hygiene und Gesundheit

Auch für   Sauberkeit ist gesorgt:  »Die SWK wird öfter durch das Quartier fahren. Wenn da ein Problem ist, wird es weggeräumt«, sagte Bürgermeister Kähler.  Ihre  Wäsche reinigen die Flüchtlinge selbst, sie helfen auch  beim Müllsammeln   auf dem Außengelände. Die Reinigung der Räume und der Küche unterliege Hygienevorschriften und werde daher von externen Kräften übernommen, sagte Baudezernent Dr. Peter Böhm.

Bürgermeister Kähler verwies darauf, dass alle Flüchtlinge  einem Gesundheitscheck unterzogen werden. Besonders betreut würden einige Schwangere unter ihnen. Bei Handlungsbedarf helfen im übrigen Hausärzte, Kliniken und Apotheker.  Tim Kähler: »Niemand läuft krank durch die Gegend, wir haben keine ansteckenden Krankheiten festgestellt.«

Unter den Flüchtlingen in der Notunterkunft sind  zehn Kinder, davon drei unbegleitete Minderjährige. Um sie kümmert sich das Jugendamt. »Wir versuchen, Verwandte zu finden, die  diese oft traumatisierten Kinder aufnehmen können«, sagte der Bürgermeister: »Das ist eine detektivische Arbeit.« Geprüft werde auch die Möglichkeit, die Kinder in Pflegefamilien unterzubringen.

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