400 Herforder nehmen in der Christuskirche an Informationsabend zum Flüchtlingslager teil Sachliche Debatte zur Notunterkunft

Herford (WB). Miteinander statt übereinander reden lautet das Credo von Bürgermeister Tim Kähler, wenn es um Flüchtlingsfragen in Herford geht. Und so hatte die Stadt gestern in die Christuskirche eingeladen, um über die Notunterkunft zu informieren, die am Montag in Betrieb genommen worden ist.

Von Ralf Meistes
Etwa 400 Herforderinnen und Herforder informierten sich gestern Abend in der Christuskirche über die Notunterkunft an der Mindener Straße.
Etwa 400 Herforderinnen und Herforder informierten sich gestern Abend in der Christuskirche über die Notunterkunft an der Mindener Straße. Foto: Mike-Dennis Müller

400 Herforder waren der Einladung gefolgt. Die Emmausgemeinde hatte die Kirche für sie geöffnet. Die Diskussion verlief weitaus unaufgeregter als noch Mitte Juni, als die Stadt Herford erstmals darüber informierte, dass das Land in der Harewood-Kaserne eine Flüchtlingsunterkunft einrichten möchte.

»Es hat seitdem einige Gespräche gegeben und wir fühlen uns jetzt auch ernst genommen«, sagte Michael Wollgramm von der Bürgerinitiative »Anwohner der Harewood-Kaserne«. Und so war der gestrige Abend nur der Auftakt für weitere Gespräche, an denen auch die Anwohner beteiligt werden sollen. Bereits am Dienstag wird es einen Runden Tisch zum Thema Notunterkunft im Mehrgenerationenhaus Ottelau geben. Darüber hinaus hat die Stadt eine Ansprechpartnerin für Fragen zur Notunterkunft benannt. Diese Aufgabe wird übergangsweise von Petra Stender aus dem Büro des Bürgermeisters übernommen.

7000 Flüchtlinge pro Woche

178 Flüchtlinge sind derzeit in drei Gebäudekomplexen der ehemaligen Briten-Kasernen an der Mindener Straße untergebracht. Bis zu 400 werden es in den kommenden Wochen wohl noch werden. »Derzeit erreichen 7000 Flüchtlinge pro Woche Nordrhein-Westfalen. Sie können sich vorstellen, vor welchen Herausforderungen wir stehen«, sagte Rüdiger Most von der Bezirksregierung Detmold.

Erst seit Februar ist auch die Bezirksregierung in Detmold überhaupt für die Flüchtlingsunterbringung zuständig. Zuvor wurde dies zentral aus Arnsberg geregelt. »Wir haben 40 Leute aus unserer Behörde, unter anderem Vermesser, die sich jetzt um die Flüchtlingsunterbringung kümmern«, beschreibt Most die Lage.

Harewood-Kaserne

Er bestätigte, dass weiterhin der Plan besteht, aus der Notunterkunft in der Harewood-Kaserne eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Flüchtlinge zu schaffen. Dies erfordere jedoch etliche Umbauten, weshalb erst 2016 mit einer ZUE zu rechnen sei. Dann könnten bis zu 800 Asylbewerber an der Mindener Straße untergebracht werden. In der Notunterkunft werden die Flüchtlinge nur zwei bis drei Wochen bleiben. In einer ZUE können es bis zu drei Monate sein, ehe sie auf die Kommunen verteilt werden.

Most bedankte sich bei Bürgermeister Kähler für die schnelle Hilfe. Erst am vergangenen Donnerstag hatte die Bezirksregierung der Stadt Herford mitgeteilt, dass die für Mitte September angekündigten Flüchtlinge nun schon in diesen Tagen untergebracht werden müssten. Kähler gab den Dank weiter an die ehrenamtlichen Kräfte des DRK sowie die eigenen Mitarbeiter in der Verwaltung, die am vergangenen Wochenende die Notunterkunft aufgebaut haben.

Sicherheitskonzept

»Der Ablauf innerhalb der Einrichtung funktioniert reibungslos«, sagte Maximilian Nitschmann vom DRK-Betreuungsdienst, der kommissarisch die Notunterkunft leitet. Die ersten Fragen der Anwohner bezogen sich auf das Thema Sicherheit. Rainer Koch von der Kreispolizeibehörde erklärte, die Polizei habe für die Flüchtlingseinrichtung ein Sicherheitskonzept erarbeitet.

»Verlangen Sie aber nicht von mir, dass ich Ihnen Details nenne, denn dann wäre das ganze Konzept schon wieder hinfällig«, betonte Koch. Die Polizei sei zum Schutz da, sowohl zum Schutz der Flüchtlinge als auch zum Schutz der Anwohner. »Wir werden keine Rechtsbrüche, weder außerhalb des Kasernengeländes noch innerhalb dulden«, betonte Koch.

Bürgermeister Kähler wies darauf hin, dass auf Wunsch der Anwohner in der Ottelau nachts wieder die Straßenlaternen brennen. »Das bleibt auch so, allerdings nur in der Ottelau«, so Kähler. Über die Adresse »notunterkunft@herford.de« können sich Bürger mit Fragen zur Notunterkunft direkt an die Stadt wenden.

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