Klinikum Herford richtet erste Hygieneabteilung in OWL ein Neue Strategie im Kampf gegen Keime

Herford (WB). Die steigende Zahl der antibiotika-resistenten Keime stellt Krankenhäuser vor Herausforderungen. Um sie frühzeitig zu erkennen, hat das Klinikum Herford eine eigene Abteilung für Hygiene ins Leben gerufen.

Hygiene ist das A und O im Krankenhausalltag. Die Hygieneabteilung in Herford schult Mitarbeiter und berät.
Hygiene ist das A und O im Krankenhausalltag. Die Hygieneabteilung in Herford schult Mitarbeiter und berät. Foto: Maja Hitij/dpa

»Einen Großteil der Keime tragen die Patienten  in sich«, weiß Dr. Johannes Baltzer. Daher gehe es auch darum, diese Keime schnellstmöglich zu erfassen und die Behandlung daran anzupassen. Der Unfallchirurg ist seit 1991 im Klinikum Herford tätig und hat sich ab 2004  zum Hygieniker fortgebildet. Seit 2013 ist er hauptberuflicher Krankenhaushygieniker im Klinikum. 

Änderung im Infektionsschutzgesetz

Nun ist Baltzer ärztlicher Leiter des Hygieneabteilung, der drei weitere Hygienefachkräfte unterstellt sind. »Mit der Einrichtung dieser Abteilung ist das Klinikum Vorreiter in Ostwestfalen-Lippe«, weiß Baltzer. Grundlage ist eine Änderung im Infektionsschutzgesetz. Diese besagt, dass jedes Krankenhaus mit einer Größe von mehr als 400 Betten bis 2016 einen hauptberuflichen Krankenhaushygieniker eingestellt haben muss.

Kleinere Einrichtungen können demnach eine halbe Stelle in ihrem Haus aufwenden. »Hygiene und Krankenhausinfektionen sind ein großes Thema«, weiß Vorstandssprecher Martin Eversmeyer. Mit der Gründung der Abteilung sei das Klinikum aber sogar »ein, zwei Schritte weitergegangen«. Die Kosten belaufen sich laut Eversmeyer auf 30 000 Euro jährlich.

Neben der kontinuierlichen Schulung der Mitarbeiter berät die Abteilung etwa im Bauwesen. »Das fängt schon bei der Bauplanung an und geht weiter bis zur Abgrenzung der Baustelle vom Krankenhausbetrieb«, sagt Vorstandsmitglied Rudolf Küster, zuständig für die Bereiche Bau, IT und Technik.

Aktive Suche nach Keimen

Für den Kampf gegen multiresistente Keime hat das Klinikum nun das MRE-Gütesiegel für Qualität und Transparenz vom Landeszentrum für Gesundheit in NRW erhalten. Gefordert wird, dass das Krankenhaus aktiv nach Keimen sucht. So werden in Herford Screenings von Patienten mit erhöhtem Keim-Risiko vorgenommen. »Außerdem haben wir unsere Netzwerkarbeit ausgeweitet«, sagt Martin Eversmeyer.

Halten das Siegel in ihren Händen (von links): Dr. Arno Schäfer, Martin Eversmeyer, Johannes Baltzer, Prof. Dr. Klaus Weichert-Jacobsen und Rudolf Küster. Foto: Ann-Christin Lüke

Die Zusammenarbeit mit Pflegeheimen, niedergelassenen Ärzten und dem Gesundheitsamt soll intensiviert werden. »Die Zahl der Problemkeime nimmt zu«, stellt Johannes Baltzer fest. Er mahnt davor, Antibiotika zu schnell zu verschreiben. Hinzu komme, dass weitere resistente Keime aus dem Ausland nach Deutschland gelangten. Auch die  Flüchtlingsströme verschärfen die Situation. »Flüchtlinge müssen noch umsichtiger behandelt werden«, sagt der Mediziner.

Antibiotika in der Landwirtschaft

Ein größeres Problem sieht er allerdings in die Nutzung von Antibiotika in der Landwirtschaft. »Man muss nur das selbe Messer oder Brett fürs Fleisch und den Salat benutzen und schon können sich die Antibiotika  übertragen«, sagt Baltzer. Die Haltung von Kreislandwirt Werner Brüggemeier kritisiert er. Dieser habe einen Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und resistenten Krankenhauskeimen ausgeschlossen. Baltzer: »Das halte ich für naiv.«

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