Stellenausschreibungen von European Homecare sorgen für Irritationen Erste Jobs für Notunterkunft?

Herford (WB). Werden Flüchtlinge nun doch früher als angekündigt in der Harewood-Kaserne untergebracht? Für erhebliche Irritationen haben am Wochenende Stellenangebote der Firma »European Homecare GmbH« gesorgt: Das Unternehmen sucht über die Internet-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit Mitarbeiter »für eine Notunterkunft für Asylbewerber in Herford«.

Von Peter Schelberg
Die Briten haben die Kaserne verlassen, das Tor ist geschlossen,  die Gebäude an der Saarstraße stehen leer. Das soll sich aber bald ändern: Am Freitag hat die Bezirksregierung Detmold die Anlage von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übernommen.
Die Briten haben die Kaserne verlassen, das Tor ist geschlossen, die Gebäude an der Saarstraße stehen leer. Das soll sich aber bald ändern: Am Freitag hat die Bezirksregierung Detmold die Anlage von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übernommen. Foto: Peter Schelberg

Damit verdichten sich Hinweise darauf, dass eine Notunterkunft vorgesehen ist. Oberste Priorität hat nach Angaben der Bezirksregierung Detmold, »die kurzfristig in OWL ankommenden Menschen vor der drohenden Obdachlosigkeit zu bewahren«. Das sei teilweise nur durch kurzfristige Entscheidungen und Maßnahmen zu gewährleisten. Demgegenüber hatte die Bezirksregierung Arnsberg nur Pläne für eine Zentrale Unterbringungseinrichtung bestätigt.

Dieser Screenshot der Jobbörse zeigt eines der fünf Stellenangebote von European Homecare vom 27. Juli für eine Notunterkunft in Herford.

Fünf Stellenangebote

Insgesamt fünf Stellenangebote von European Homecare (EH) für den Arbeitsort Herford finden sich auf der Internetseite der Arbeitsagentur. An erster Position steht »eine Einrichtungsleitung (m/w) im Flüchtlingswesen«. Im Text heißt es: »Zur Leitung der Einrichtung und des Teams am Standort Herford suchen wir eine kommunikative und stressresistente Persönlichkeit, die die zielgruppenspezifischen Aufgaben erfüllt.« Weitere Angebote richten sich an Sozialbetreuer, Hausmeister, Küchen- und Reinigungskräfte. Betriebsgröße: »zwischen 51 und 500«.

»Mich haben am Freitag bereits Anfragen erreicht, ob in Herford eine Notunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet wird«, berichtete CDU-Ratsmitglied Sebastian Kunst über Reaktionen auf die Stellenangebote. Auch in sozialen Netzwerken werde eingehend spekuliert. »Die Verunsicherung ist groß«, mailte Kunst dem Leiter der städtischen Ordnungsabteilung, Lothar Sobek, und bat um Auskunft. Sobek antwortete: »Die Stellenanzeige irritiert mich ebenfalls, denn ich habe keine Kenntnis davon, dass in Herford eine Notunterkunft für Asylsuchende konkret geplant ist.« Kunst verweist darauf, dass EH große Erfahrung in der Betreuung von Flüchtlingen habe: »Daher wird die Firma den Unterschied zwischen Notunterkunft und ZUE genau kennen. Die wissen, wofür sie die Mitarbeiter suchen.« Sein Fazit: »Diese Informationspolitik ist eine Katastrophe und alles andere als transparent. So etwas führt zu totaler Verwirrung bei den Bürgern.«

Das sagen Regierungspräsidentin und Bürgermeister

Die Frage, ob noch im August eine Notunterkunft in Herford eingerichtet werde, könne sie derzeit nicht beantworten, sagte Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl am Sonntag. Allerdings verwies sie darauf, dass beispielsweise in Minden und Gütersloh innerhalb von drei Tagen Notunterkünfte geöffnet worden seien. Auch in Paderborn hat die Bezirksregierung die Stadt gebeten, kurzfristig eine Notunterkunft bereitzustellen. Zu Herford könne sie aber aktuell nichts Genaueres sagen, so Thomann-Stahl: »Wir werden uns in der nächsten Woche zusammensetzen und klären, in welchen Schritten wir weiter vorgehen.«

Für den Fall, dass die Bezirksregierung eine Notunterkunft einrichtet, fordert Bürgermeister Tim Kähler Transparenz: »Die Bezirksregierung sollte die Bürger und die örtliche Politik frühzeitig informieren.« Zudem müsse die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge gewährleistet sein und ein Sicherheitskonzept vorgelegt werden.

Von European Homecare war keine Stellungnahme zu erhalten.

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