Mühlheimer Labor nimmt 20 Trinkwasser-Proben – Abkochgebot gilt weiterhin Stadtwerke suchen nach der Ursache des verschmutzten Trinkwassers

Herford (WB). Eine Nachtschicht haben die Stadtwerke eingelegt, um die Ursache für das verschmutzte Trinkwasser zu finden – ohne Ergebnis! Am Mittwoch wurden erneut an 20 Standorten Proben entnommen. Mit einer vorläufigen Auswertung wird noch am Donnerstag gerechnet.

Von Bärbel Hillebrenner

Dr. Ulrich Borchers ist Leiter des Labors IWW in Mühlheim und Lebensmittelchemiker. In diesen Tagen aber ist er als Detektiv unterwegs: »Das ist jetzt wie ein Räuber- und Gendarm-Spiel. Das ist flapsig formuliert, bringt unsere Suche aber auf den Punkt«, sagt Borchers. Und so abstrus es klingen mag: »Wir wären froh, wenn wir heute wieder Keime finden würden. Denn dann könnten wir die Quelle der Entstehung eingrenzen.« Ggenau das sei das dringlichste Ziel und der Grund, warum bisher nicht gechlort werde: »Wenn wir dem Trinkwasser jetzt Chlor zuführen würden, dann wären wir quasi blind. Wir könnten nicht mehr die Ursache der Verschmutzung finden«, sagt Christine Brinkmann, Sprecherin der Stadtwerke.

Die Folge: Die Herforder sollten bis auf Weiteres das Wasser abkochen.

Erst vor drei Wochen wurde nach der letzten Belastung Entwarnung gegeben – seither aber habe sich dennoch immer mal wieder ein Bakterium in den Proben gefunden. »Das ist nicht so ungewöhnlich und auch nicht schädlich. Die Dosis war so gering, dass keine Gefahr bestanden hat«, erklärt Borchers. Die Trinkwasserverordnung schreibe jedoch vor, dass auf 100 Milli-Liter keinerlei Belastung vorhanden sein dürfe. In zehn der letzten 16 Proben aber sei eine Kontaminierung mit Kolibakterien in einem zweistelligen Bereich festgestellt worden – und diese Menge sei eindeutig zu hoch.

Gemeinsam mit dem Kreisgesundheitsamt haben Stadtwerke und Labor IWW nun eine Untersuchungsstrategie erlassen. Christine Brinkmann: »In den Wasserwerken, Hochbehältern und anderen Ein- und Ausläufen werden nochmal 20 Proben entnommen, die nach 26 Stunden ein erstes, vorläufiges Ergebnis zeigen. Wir müssen unbedingt die Quelle finden, damit nicht in drei Wochen wieder eine Warnung herausgegeben werden muss.« Für die Versorgung der Herforder werden zwei Quellen, 45 Brunnen, drei Wasserwerke und vier Hochbehälter genutzt. »Der älteste Hochbehälter aus dem Jahr 1895 steht an der Vlothoer Straße. Er ist komplett saniert und, wie alle anderen Anlagen, hermetisch abgesichert«, berichtet Frank Klipker, bei den Stadtwerken verantwortlich für das Trinkwasser. Geschäftsführer Detlef Jeretzky macht Urlaub im Allgäu, hat sich aber nach der Nachricht von der erneuten Kontaminierung auf den Rückweg nach Herford gemacht.

Wie geht’s jetzt weiter? Christine Brinkmann: »Wir ziehen alle Möglichkeiten einer Verschmutzung in Betracht: Ist es bei einer Rückspülung passiert? Durch eine Baustelle? An einem Schieber? Durch einen Haar-Riss an einer Leitung? Hat starker Regen eine Quelle verdreckt? Wir werden alle Fragen analysieren.« Wenn dann die Keimquelle nicht gefunden werde, dann müsse man mit einer Kamera suchen. Selbst an privaten Hausbrunnen, die ans öffentliche Netz angeschlossen sind, könne die Ursache liegen; vorgekommen sei das bisher noch nie. Klar sei, so macht Chemiker Borchers nochmal deutlich, dass bei der Entnahme eine Infizierung nicht erfolgt ist: »Das Entnahmerohr wird mit einer Flamme desinfiziert. Probenflaschen sind genauso steril wie die Laborgeräte.«

Die Stadtwerke Herford informieren auch auf ihrer Homepage. Der Kundenservice sei rund um die Uhr erreichbar .

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