Apotheker Jens Kosmiky aus Enger kann Informationspolitik von Bund und Land nicht nachvollziehen
Kritik an Selbsttest ohne Beratung

Enger (WB) -

In Medien und Politik ist ständig von kostenlosen Corona-Schnelltests und Millionen Selbsttests die Rede. Entsprechend häufig muss Apotheker Jens Kosmiky derzeit die Frage beantworten, ob und ab wann es denn nun die Selbsttests in seinen Apotheken zu kaufen gebe.

Samstag, 06.03.2021, 05:50 Uhr
Während Apotheker wie Jens Kosmiky hinter leeren Schubladen stehen, können Discounter in Kürze Corona-Selbsttests anbieten: „Ein Unding“. Foto: Ruth Matthes

„Ich kann leider nur sagen, ‚noch gar nicht‘ und hoffen, dass meine Bestellung Ende der kommenden Woche auch eintrifft“, sagt er.

Kosmiky und seine Kollegen verfolgten das Verhalten der Bundes- und Landesregierung mit Kopfschütteln: „Genauso unkoordiniert und planlos wie der Impfstart geht es jetzt mit den Schnell- und Selbsttests weiter“, beklagt er. „Es ist ein Unding, dass einige Discounter schneller und günstiger an Selbsttests kommen als wir, die wir Teil eines gut funktionierenden Netzes aus Apotheken und Praxen sind und im Gegensatz zu Aldi und Co. die Käufer auch fachlich beraten können, wie sie den Test anwenden, damit das Ergebnis auch aussagekräftig ist!“

Keiner der Apotheker in NRW wisse am Freitag schon, wie er sich am Montag verhalten dürfe, müsse oder könne. Wie das Prozedere für die kostenlosen Schnelltest sei , wisse auch noch keiner. „Aber das Ganze soll Montag starten!“ Auch die Sinnhaftigkeit erschließt sich dem Fachmann nicht. „Was hilft ein Schnelltest pro Woche?“, fragt er. „Das ist doch nur eine Momentaufnahme!“

Ob künftig auch Apotheken-Mitarbeiter zu Antigen-Schnelltests in Schulen hinzugezogen werden sollen, sei ebenso unklar. „Wir würden ja helfen, aber dafür brauchen wir auch realistische Vorgaben.“ In der Apotheke selbst fehle es ihm und den anderen Engeraner Kollegen einfach an Raum, um einen Schnelltest-Service anzubieten.

Die Einführung der Selbsttests begrüßt Kosmiky: „Damit kann ich zum Beispiel kurz vor dem Besuch bei meiner Oma noch sicherstellen, dass ich sie nicht gefährde. Das ist bei einem Schnelltest, der nur in Testzentren und Praxen von geschultem Personal vorgenommen werden darf, schon schwieriger. Denn bis ich danach bei der Oma bin, dauert es länger und ein Schnelltest ist eben nur eine Momentaufnahme.“

Auch für die Schulen kann sich der Apotheker die Selbsttestung als eine gute Lösung vorstellen: „Die Kinder können sich morgens selbst mit dem Wattestäbchen 30 Sekunden in der Nase bohren, dann kommt das Stäbchen in eine Lösung und nach 15 Minuten ist das Ergebnis da. Ist alles okay, können die Kinder die Maske abnehmen und unbeschwert lernen.“

Neben dieser Variante gibt es noch den Spuck- und den Gurgeltest. Der erste funktioniere wie ein Schwangerschaftstest, beim zweiten verfärbt sich die gegurgelte Lösung bei einer Infektion. Die Treffsicherheit sei bei der korrekten Anwendung mit 96 Prozent bei allen sechs zugelassenen Selbsttests sehr gut.

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