Karl-Heinz Höffgen (94) stirbt an Corona – sein Sohn fordert, nach Infektion Familien im Kreis Herford mehr in den Blick zu nehmen
Und die Angehörigen?

Spenge/Herford (WB) -

Rolf Höffgen ist enttäuscht. Wenn der Herforder an die vergangenen Monate, in denen seine Eltern an Covid 19 erkrankten, zurückdenkt, mischt sich Wut mit einem Gefühl der Hilflosigkeit und des Alleingelassenwerdens. Er fordert, bei der Bekämpfung der Pandemie die pflegenden Angehörigen mehr in den Blick zu nehmen.

Montag, 01.03.2021, 05:06 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 08:38 Uhr
Die letzten Tage verbrachte Karl-Heinz Höffgen bei seiner Frau im Spenger Martins-Stift. „Das war noch mal eine schöne Zeit für ihn“, sagt sein Sohn Rolf. Foto: Ruth Matthes

Als seine im Spenger Seniorenheim Martins-Stift lebende Mutter beim Ausbruch des Virus‘ zum Jahreswechsel dort positiv getestet wurde, war der Verlauf nur von leichten Symptomen geprägt. Auch ihr nicht im Heim lebender pflegebedürftiger Mann wurde als Kontaktperson, da er sie regelmäßig besuchte, vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt. „Anders als im Pflegeheim setzen für Menschen in häuslicher Pflege alle Gesundheitsservices, die man sonst genossen hat, aus, sobald eine Quarantäne angeordnet wird. Nicht mal der Hausarzt kommt noch raus“, berichtet Rolf Höffgen.

Karl-Heinz Höffgen wurde weiterhin von seiner mit im Haus lebenden, polnischen Pflegekraft betreut. Sie war auch infiziert, ist aber wieder genesen. Die Familie kümmerte sich um den Einkauf und andere Besorgungen und hielt täglichen Telefonkontakt. „Wir hatten nicht als wahrscheinlich angenommen, dass mein Vater sich infiziert hat, trotzdem haben wir uns gefragt: Hat er sich angesteckt oder nicht?“ Aber er habe sich nicht mit dem möglicherweise Coronainfizierten ins Auto setzen und zum Testzentrum fahren wollen.

„Warum ist es in Bielefeld möglich, in solchen Fällen einen mobilen Testservice durch Hilfsorganisationen wie Johanniter oder Arbeiter-Samariter-Bund einzurichten, damit potenziell Infizierte das Haus nicht verlassen müssen, aber im Kreis Herford nicht?“, fragt Höffgen und gibt zu bedenken: „In Kliniken und Einrichtungen ist das Personal für den Umgang mit Infizierten geschult und ist entsprechend ausgerüstet. Pflegenden Angehörigen stehen weder Kleidung und Material zum Selbstschutz noch ein Kontingent an Schnelltests zur Verfügung.“

Neun Tage sei alles weitestgehend in Ordnung gewesen, dann sei sein Vater kollabiert und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Diagnose: Covid 19 mit schwerem Verlauf. Die Familie ist sich sicher: Hätte ein Arzt während dieser Zeit die Sauerstoffsättigung des Blutes gemessen, wäre schon eher aufgefallen, dass dringend medizinische Hilfe notwendig sei.

Als der 94-Jährige Laborwerten zufolge als genesen und nicht mehr ansteckend galt, bezog er ein gemeinsames Zimmer mit seiner Ehefrau im Spenger Pflegeheim. Das Paar war froh, nach fast einem Jahr sporadischen Kontakts wieder beisammen zu sein. Nach drei Tagen verstarb Karl-Heinz Höffgen am 30. Januar – laut Totenschein an einem durch Covid 19 geschwächten Herzen. „Wir glauben, bei seiner Frau hat er sich zuhause gefühlt und konnte nun loslassen“, sagt sein Sohn.

Im Pflegeheim hatte die Familie die Möglichkeit, sich in privater und würdevoller Atmosphäre von dem Verstorben zu verabschieden. „Das war schön und wäre im Krankenhaus in dieser Weise nicht möglich gewesen“, sagt Rolf Höffgen.

Familie Höffgen kann nicht verstehen, warum die medizinische Versorgung älterer Menschen in der Pandemie zwar in aller Munde sei, das aber nur für die in stationärer Pflege Befindlichen gelte. „Die Menschen, die zuhause gepflegt werden, sind in der Mehrzahl und das ist auch gut so. Aber ihre Angehörigen werden komplett alleingelassen und sind beim Impfen auch überhaupt nicht berücksichtigt“, moniert Rolf Höffgen.

Ob es für Angehörige eine Möglichkeit gibt, sich in solchen Infektionsfällen von mobilen Teams testen zu lassen, war auf Anfrage nicht zu erfahren.

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