Städte Enger und Spenge bitten Anwohner kleinerer Straßen um Verständnis – Private Dienste räumen mit
Bauhofmitarbeiter im Dauereinsatz

Enger/Spenge (WB) -

Die Mitarbeiter der Bauhöfe in Enger und Spenge arbeiten seit Samstagabend auf Hochtouren – und das bei anhaltendem Schneefall und starken Windböen. „Kaum hat man eine Straße freigeschoben, da weht schon alles wieder zu“, schildert Birger Kemminer, Leiter des Engeraner Bauhofes, eines der Hauptprobleme der Räumtrupps.

Montag, 08.02.2021, 18:17 Uhr aktualisiert: 08.02.2021, 18:54 Uhr
Auf der Mittelstraße in Westerenger schiebt ein Mitarbeiter der Stadt den Schnee an den Straßenrand. 23 Männer des Engeraner Bauhofes sind seit Samstagabend im Dauereinsatz Foto: Daniela Dembert

Am Sieler Weg und auf die Markstraße in Oldinghausen müsse ein Großfahrzeug mehr oder weniger kontinuierlich hin und her fahren, um die Fahrbahn konstant freizuhalten. Insgesamt verfügt die Stadt Enger über einen Lkw und einen Unimog für die größeren Strecken sowie vier kleinere Fahrzeuge. „Wir haben zudem Unterstützung von Landwirten und Unternehmen aus dem Garten- und Landschaftsbau erhalten, die mit sechs weiteren Wagen im Einsatz sind“, erklärt Kemminer. So befreie das Unternehmen Unterbäumer zum Beispiel die Schulen vom Weiß. Den Unternehmen, die nicht mehr wüssten, wohin mit dem geräumten Schnee, hätten sie den Jahnplatz empfohlen.

Die Anwohner des Liliencronweges räumen ihre Anliegerstraße selbst frei.

Die Anwohner des Liliencronweges räumen ihre Anliegerstraße selbst frei. Foto: Daniela Dembert

23 Mitarbeiter zählt der Engeraner Bauhof – und die sind schichtweise kontinuierlich im Einsatz. „Wir räumen bis Montagabend um 22 Uhr und ein Fahrzeug sogar noch bis 1 Uhr am Dienstag. Danach geht es um 4 Uhr wieder weiter“, zählt der Bauhofleiter auf. „Wir müssen zunächst die Straßen mit höherer Priorität freiräumen. Doch wir tun, was möglich ist, auch die Stichstraßen zu erreichen. Das kann allerdings noch etwas dauern“, bittet Kemminer um Verständnis. Die Telefone stünden nicht still.

Einen Kollegen mussten wir in der Nacht zum Montag mit dem Bagger aus dem Graben ziehen.

Birger Kemminer, Leiter des Engeraner Bauhofes

Der Dienst sei sehr ermüdend. „Bisweilen ziehen die Räumfahrzeuge auf den Straßen in eine Richtung, sodass man stark gegensteuern muss“, berichtet er. „Einen Kollegen mussten wir in der Nacht zum Montag mit dem Bagger aus dem Graben ziehen.“ Hier und da hätte der Bauhof unterwegs auch einige Autos aus Schneeverwehungen herausgeholt.

Auch die Feuerwehr war im Einsatz: Die Löschgruppe Nord befreite am Sonntag das Glasdach des Impfzentrums vom Schnee. Kollegen aus Spenge mussten ein Räumfahrzeug befreien, das sich ausgerechnet vor der Rettungswache festgefahren hatte.

Beide Kommunen bitten die Einwohner um Verständnis, dass auch bei der Abfallentsorgung mit Einschränkungen zu rechnen ist. Zur Vermeidung von Unfällen und zum Schutz aller Verkehrsteilnehmer könne es vereinzelt zu Verzögerungen oder Ausfällen bei der Abfuhr kommen.

Auch die für heute geplante Sperrmüllabfuhr in Enger kann nicht stattfinden. Ausweich- oder Ersatztermine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Die Verantwortlichen der PreZero Service Westfalen bitten um Verständnis.

Auch in Spenge sind die Einsatzkräfte im Dauereinsatz. „Mittlerweile wissen die Bauhofmitarbeiter schon nicht mehr, wohin mit dem Schnee“, sagt Bürgermeister Bernd Dumcke. „Angesichts des anhaltenden Schneefalls mussten sie teilweise auch Parkplätze zuschieben, um die Mengen loszuwerden“, schildert er die Situation. Weil weiterhin Frost angesagt und kein Tauwetter in Sicht sei, bittet er die Bevölkerung geduldig, gelassen und rücksichtsvoll zu sein.

Private Unterstützung haben sich auch die Spenger, die mit zwei großen, zwei kleinen Fahrzeugen und als Handkolonnen unterwegs sind, geholt: Hier sind die Firmen Centro-Bau mit dem Radlader, Garten- und Landschaftsbau Rottmann und zahlreiche Landwirte in den einzelnen Ortsteilen unterwegs, um die Straßen wieder passierbar zu machen. Wenn ein Pflegedienst irgendwo nicht durchgekommen sei, habe man auch dort schnellstmöglich ein Fahrzeug hingeschickt.

Ordnungsamtsleiter Dirk Placke versichert, dass auch die Bürger, die ihre Anliegerstraßen aufgrund der Schneemassen nicht selbst räumen können, Hilfe erhalten: „Sie können voraussichtlich ab Dienstag durch die Fahrzeuge des Bauhofes geräumt werden.“

Am Limit laufen auch die privaten Anbieter von Räumdiensten. Garten- und Landschaftsgärtnermeister Friedrich Kamp hat derzeit „extrem viele Spontananfragen, die wir gar nicht alle bearbeiten können“.

Zuerst würden die Vertragskunden abgearbeitet, unter denen sich auch viele Privathaushalte von Senioren befänden. „Das ist dann viel manuelle Arbeit“, erklärt Kamp. Wo es möglich sei, beispielsweise auf Firmengeländen, seien seine Mitarbeiter mit großen Fahrzeugen unterwegs, um der Schneemassen Herr zu werden.

Allein Sonntag habe seine Belegschaft 16 Stunden gearbeitet, am Montag wurde im Schichtbetrieb weiter geräumt, für die vergangene Nacht war der Schichtbeginn auf 24 Uhr gelegt. „Mehr geht einfach nicht. Irgendwann sind die Mitarbeiter K.o. und arbeitsrechtlich bewegt man sich auch im roten Bereich“, sagt Kamp.

Wer keinen der begehrten Räumtermine bekommen hat und auch nicht den Landwirt seines Vertrauens mit einem Trecker engagieren konnte, legt selbst Hand an. So auch die Anwohner des Liliencronweges, einer Sackgasse in Westerenger. Per WhatsApp hatte sich die Nachbarschaft am Morgen zum Schneeschippen am Nachmittag verabredet – getreu dem Motto „Viele Hände, schnelles Ende“.

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