Bärbel Plöger betreut in Enger beatmungspflichtige Patienten und ist auch bei Familienausflügen und Urlauben mit dabei
Die Intensivpflegerin

Enger/Bielefeld (WB) -

Für Bärbel Plöger ist ihr Job als Intensivpflegerin nicht nur ein Beruf – es ist eine Berufung. „Ich bekomme so viel zurück von den Patienten“, sagt sie.

Donnerstag, 04.02.2021, 05:50 Uhr
Intensivpflegerin Bärbel Plöger überprüft alle 15 Minuten die lebenswichtigen Werte von Mirco Weigand, der seit 2011 an ALS leidet. Auch wenn die Beatmung bei ihm grundsätzlich durch eine elektrische Maschine erfolgt, so ist für Notfallsituationen auch immer ein Beatmungsbeutel in greifbarer Nähe. Foto: Kathrin Weege

Leise sind die Beatmungsmaschine und das Strömen der Luft zu hören. Bärbel Plöger sitzt gerade am Tisch und protokolliert die Sauerstoffwerte ihres Patienten in einer Liste, als das Gerät plötzlich piept. Etwas stimmt nicht. Auch ihr Puls geht kurz hoch. Sofort steht die Intensivpflegerin auf und schaut nach.

„Nichts Schlimmes“, sagt sie und justiert nur etwas nach. Mirco Weigand blickt einmal nach unten, damit signalisiert der Engeraner, der seit 2011 an der Krankheit ALS leidet und nicht mehr sprechen kann, dass wirklich alles in Ordnung ist. Alle 15 Minuten checkt Plöger seine Werte. Auch nachts ist das erforderlich. Für eine 24-Stunden-Pflege wie bei dem Engeraner benötigt der Pflegedienst ein Team mit fünf Mitarbeitern, die sich die Schichten aufteilen.

Seit 1999 arbeitet die 58-Jährige als Intensivpflegerin beim Herforder Dienst Jasper. „Es klingt vielleicht etwas dick aufgetragen, aber für mich ist diese Arbeit nicht nur Beruf, sondern Berufung“, sagt sie. Viel Verantwortung, Zwölf-Stunden-Dienste, auch mal bis zu 60 Wochenstunden, schwere Schicksale: Dennoch liebt die Bielefelderin ihren Job, schätzt daran, dass sie extrem viel von den Menschen zurück bekommt. „Und mir gefällt, dass ich mich voll und ganz um nur eine Person kümmern kann. Ich helfe dabei, dass Menschen wie Herr Weigand in Enger trotz ihrer Einschränkungen noch möglichst viel Normalität erfahren“, meint Plöger. Sie arbeitet als Teamleitung bei Jasper, begleitet aber selber drei Personen.

Intensivpflege bedeutet in der Regel 24-Stunden-Betreuung, fast immer sind die Patienten beatmungspflichtig. Ursachen sind oft muskuläre oder neurologische Erkrankungen und chronische Lungenleiden. Als Intensivpfleger werde man schnell ein Teil der Familie. Zwar sind viele Tätigkeiten wie bei einer Krankenschwester – Puls messen, Sauerstoffwerte im Blut kontrollieren, Speichel oder Schleim absaugen – doch die Arbeit von Bärbel Plöger geht viel weiter.

Egal ob Ausflüge oder Urlaub: Die Geräte müssen dann natürlich mit, alle 15 Minuten müssen die Werte geprüft werden. Daher ist auch die Pflegekraft immer mit von der Partie. „Mirco Weigand ist BVB-Fan und da waren wir auch schon gemeinsam beim Fußballspiel BVB gegen Mainz 05. Das war ein toller Tag, nur das Spielergebnis passte nicht“, erinnert sich Plöger, die selber dem VfL Bochum die Daumen drückt. Auch als Weigands Sohn Finn (4) sein erstes größeres Bett bekam, war der Papa trotz seiner ALS-Erkrankung mitgekommen – und Bärbel Plöger eben auch. „Frau Weigand bindet ihren Mann in vieles ein. Das finde ich sehr schön“, meint die Bielefelderin, die zugibt, dass ihr die menschlichen Schicksale schon sehr nahe gehen.

Es sei wichtig, nicht zu vergessen, dass Patienten wie Mirco Weigand, der sich heute weder bewegen noch sprechen noch eigenständig atmen kann, einen eigenen Willen haben. Der 42-Jährige ist geistig fit, kommuniziert mit den Augen über einen Sprachcomputer. Aber er ist gefangen im eigenen Körper. „Wenn ich etwas für richtig halte, er es aber nicht möchte, akzeptiere ich das, es sei denn, es wäre ein medizinischer Notfall“, sagt sie.

Neben Weigand betreut die gelernte Krankenschwester, die an der Fachhochschule des Mittelstands zusätzlich ein Studium zur Pflegedienstleitung absolviert hat, seit 2012 eine ältere Frau in Enger und einen Professor in Osnabrück. „Noch bis März hält er seine Vorlesungen online ab – trotz der Erkrankung“, sagt Plöger und unterstützt ihn dabei.

Intensivpflegekräfte würden immer gesucht. „Unser Pflegedienst bildet auch aus“, sagt Plöger und wirbt für ihren Beruf. Für Mütter seien auch kürzere Dienste möglich, das Personal könne sehr individuell eingeteilt werden.

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