Sport in Corona-Zeiten: TVC-Vorsitzender Gerhard Feldmann im Interview
„Online-Training ist kein Ersatz“

Enger (WB) -

Kinder, die fröhlich an Geräten turnen, Handballturniere oder gar die Familiade, zu der jährlich viele Familien nach Enger kommen, um gemeinsam Sport und Spiele zu erleben – all das hat es 2020 nicht gegeben. Wie sich der Vereinssport in Corona-Zeiten verändert hat und vor welchen Herausforderungen der TV Concordia stand und steht, darüber hat Vorsitzender Gerhard Feldmann mit WB-Redakteurin Christina Bode gesprochen.

Montag, 25.01.2021, 05:50 Uhr aktualisiert: 25.01.2021, 10:02 Uhr
TVC-Vorsitzender Gerhard Feldmann hofft, seinen Mitgliedern bald wieder Sportangebote machen zu können. Foto: Christina Bode

 

Herr Feldmann, sportlich ging es 2020 anders zu. Wie ist Ihre Bilanz?

Gerhard Feldmann: Die Pandemie hat das Vereinsleben sehr stark getroffen. Gerade im ersten Lockdown ging von jetzt auf gleich für mehr als drei Monate nichts mehr. Und genau so plötzlich kamen die ersten Lockerungen, sodass es dann wieder eine Herausforderung war, die geforderten Maßnahmen in aller Kürze umzusetzen.

Als sich die Abläufe unter den besonderen Hygienebedingungen eingependelt hatten, kam der zweite Lockdown, der ja nun länger als gehofft andauern wird. Aber als gesellschaftliche Institutionen tragen der Sport und damit wir als Sportverein die Maßnahmen der Pandemie-Bekämpfung natürlich solidarisch mit, auch wenn diese für uns mit starken Einschränkungen verbunden sind.

Welche Angebote konnten stattfinden, welche nicht?

Feldmann: Von Mitte März bis Mitte Mai fand sportlich so gut wie nichts statt, da auch die kommunalen Sporthallen geschlossen waren. Dann konnten zunächst die Outdoor-Sportarten wieder beginnen, wie Tennis oder Laufen. Besonders lange mussten die Kampf- und Mannschaftssportarten, die Schwimmabteilung und der Kinderturnklub warten, da dort die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen besonders schwer umzusetzen waren.

Hier konnten wir erst nach den Sommerferien wieder einsteigen. Auch unsere Kooperationsangebote mit den Kindertagesstätten und Grundschulen mussten abgesagt werden. Darüber hinaus sind nahezu alle sozialen Aktivitäten weggefallen, die den Vereinssport so besonders machen. Einigen Gruppen, die seit vielen Jahren Sport treiben, ist es besonders schwer gefallen.

Wir sind sehr abhängig von den kommunalen Sporträumen.

Gerhard Feldman

Welche Alternativen konnten Sie Ihren Mitgliedern bieten?

Feldmann:Wir mussten aus der Not eine Tugend machen und haben einige Kurse im Sommer als Outdoor-Variante auf verschiedenen Grünflächen weitergeführt, weil wir die Hallen nicht nutzen konnten. Das kam sehr gut an, sodass wir dies auch in Zukunft im Sommer fortführen möchten. Aus diesem Grund sind wir gerade in der Diskussion mit der Stadt Enger, welche Flächen möglicherweise für vereinsgebundene, aber auch individuelle Sportaktivitäten bereitgestellt und gegebenenfalls auch verändert oder aufgewertet werden können.Gab es neue Ideen oder komplett neue Angebote?

Feldmann: Unsere Vereinsjugend war sehr aktiv und hat sich für Bewegungs- und Beschäftigungsanregungen für Kinder während der Lockdown-Phasen oder den Ferien eingesetzt. So sind unter anderem digitale Ferienspiele und zuletzt ein digitaler Adventskalender entstanden. Auch eine Bewegungsrallye in der Innenstadt wurde von vielen Vereinsmitgliedern genutzt. Es ist schön zu sehen, dass sich auch die jungen Leute für den Verein engagieren und etwas auf die Beine stellen.

Einige Sportkurse laufen online via Zoom. Wie wird das angenommen?

Feldmann: Bei den Jugendlichen kam diese Möglichkeit, das Training weiterzuführen gut an, weil sie die gewohnten Gesichter sehen und Kontakt halten konnten. Aber natürlich ist Kraft- und Athletiktraining vor dem Bildschirm kein Ersatz für das gemeinsame Turnen, Basketball spielen oder das Judotraining.

Bei den Erwachsenen waren die Teilnehmer etwas zurückhaltend, aber je länger die Sportpause dauert, desto mehr nutzen sie Live-Fitnesskurse. Wir sind froh, dass sich unsere Übungsleitungen in diesem Bereich so engagiert zeigen, obwohl es auch für sie komplettes Neuland war. Möglicherweise werden wir dieses Angebot ausweiten, leider sind wir aufgrund der fehlenden Räumlichkeiten etwas eingeschränkt. Vereine mit eigenen Sporthallen und Gymnastikräumen sind da deutlich im Vorteil.

Sicher lief nicht immer alles rund. Mit welchen Schwierigkeiten wurden sie konfrontiert?

Feldmann:Wie gesagt, wir sind zum einen zurzeit sehr abhängig von den kommunalen Sporträumen. Das erschwert eine langfristige Planung, da die Stadt natürlich auch die entsprechenden Verordnungen auf Bundes- und Landesebene abwarten und sich mit den anderen Kommunen des Kreises abstimmen möchte. Die Sportvereine stehen angesichts der Problematiken in Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen dann nicht so weit oben auf der Prioritätenliste.

Zum anderen war die Umsetzung der Hygieneregelungen nicht immer eindeutig. Zwar gab es viele Leitfäden der Sportverbände, aber in der konkreten Umsetzung blieben dann doch Fragen offen: Wer ist für welche Maßnahmen zuständig? Wer sorgt für Beschilderungen, wer für Desinfektionsmittel? Wie viele Personen sind in welcher Halle zugelassen? Welche Dokumente gilt es auszufüllen? In diesem Bereich musste sehr viel kommuniziert werden, sowohl vereinsintern als auch mit der Stadt.

Viele Vereine befürchten Mitgliederschwund. Haben Sie Mitglieder aufgrund der Corona-Situation verloren?

Feldmann: Bei uns sind einige wenige Mitglieder verloren gegangen, aber erfreulicherweise hält sich das sehr in Grenzen. Die meisten sind geblieben und freuen sich, dass es hoffentlich bald in irgendeiner Form wieder losgehen kann. Tatsächlich haben wir auch mitten im Lockdown neue Anfragen zu unseren Sportangeboten erhalten. Da tut es uns natürlich leid, diese Interessierten zunächst vertrösten zu müssen.

Und wie sieht es mit Übungsleitern aus?

Feldmann: Die Übungsleitungen sind natürlich nicht begeistert von den gestiegenen Anforderungen, etwa mit der Teilnahmedokumentation und den Reinigungs- und Desinfektionsvorgaben, aber alle haben die Maßnahmen mitgetragen und umgesetzt. Viele haben gerade in der Vorweihnachtszeit alternative Wege gefunden, um telefonisch, postalisch oder digital Kontakt mit ihren Teilnehmern zu halten.

Einige junge Engagierte befanden sich gerade in der Übungsleitungsausbildung oder wollten jetzt starten. Diese Qualifizierungsmaßnahmen sind ausgefallen. Hier hoffen wir, dass sie schnell Ersatztermine wahrnehmen können, damit wir auch langfristig auf gut ausgebildete Ehrenamtliche setzen können.

Mit welchen Planungen starten Sie ins neue Jahr?

Feldmann: Zunächst mal beobachten wir genau die aktuellen Entwicklungen und entsprechenden gesetzlichen Vorgaben, damit wir zeitnah reagieren können. Leider sieht es aktuell nicht danach aus, dass bald wieder geregelter Sportbetrieb stattfinden kann. Daher versuchen wir, unseren Mitgliedern mit unserem Ersatzprogramm, digital oder irgendwann wieder outdoor, die Möglichkeit für Sport und Bewegung zu bieten, auch wenn es natürlich das reguläre Vereinsleben nicht ersetzt.

Zudem gilt es auch für andere verschobene Veranstaltungen, wie Mitgliederversammlung, alternative Wege zu finden, damit der Verein handlungsfähig bleibt.

 

 

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