Wegen der Corona-Pandemie fällt der Unterricht beim Reitverein Westerenger aus – Kosten für Pferde laufen weiter
„Ewig können wir nicht durchhalten“

Enger (WB) -

Kein Reitunterricht, kein Voltigieren, keine Einnahmen – und doch müssen die sechs Schulpferde des Reitvereins Wittekind 02 in Westerenger täglich ihr Futter bekommen. Das kostet. „Ein ganzes Jahr können wir so nicht mehr durchhalten“, bringt es Geschäftsführerin Katrin Brockmann-Paust auf den Punkt.

Montag, 18.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 06:04 Uhr
Aktuell ist nur das Bewegen der Pferde erlaubt – echtes Dressurtraining oder Springen sind laut der Coronaverordnung verboten. Für Haflinger Sam bedeutet das, dass er entweder frei in der Halle laufen darf oder ganz „locker weg“ geritten wird.   Foto: Kathrin Weege

Wenn im Sommer neues Heu und Stroh gekauft werden müssen und der Betrieb nicht wieder läuft, sieht es finster für Sam, Nemo und Co. aus. Bisher kommt der kleine Verein klar, musste nicht etwa Pferde verkaufen. Zu Beginn der Pandemie erhielten auch die Engeraner die Soforthilfe vom Staat. „Die ist aber langsam aufgebraucht“, meint Vorsitzende Ute Westerheide. Zudem fielen 2020 beide Turniere aus – auch sie spülen Geld in die Vereinskasse.

Wo sonst 100 Kinder in der Woche ihr Hobby „Pferd“ leben, ist es ruhig geworden. Kein gemeinsames Pferdeputzen, Lachen, Kuscheln oder einfach Zuschauen: Reitunterricht auf Schulpferden und Voltigieren fallen komplett aus – coronabedingt. Doch die Tiere müssen natürlich bewegt werden. Das ist nach dem Tierschutzgesetz auch zwingend erforderlich, denn wenn das Wetter schlechter wird, kommen wie in vielen anderen Ställen die Pferde und Ponys auch in Enger nicht auf die Weide.

„Alle Schulpferde werden morgens schon einmal in der Halle laufen gelassen. Nachmittags kommen dann fest eingeteilte Schüler, die die Pferde reiten“, sagt Brockmann-Paust. Dann darf das Pferd nur Schritt, Trab, Galopp im Kreis laufen, Dressurlektionen oder Springen sind nicht gestattet. Ein Betreuer hat die Kinder und Jugendlichen dabei im Blick – Unterricht erteilt er aber keinen. „Unsere Halle hat die Maße 20 x 40 Meter. Bei dieser Größe dürften vier Reiter gleichzeitig die Tiere bewegen. Wir haben aber entschieden, dass wir immer nur zwei in die Halle und gleichzeitig auf die Stallgasse lassen. Schließlich wollen wir, dass nichts passiert und dass das, was wir jetzt noch dürfen, auch weiterhin erlaubt bleibt“, erklären die beiden Frauen.

Crowdfunding

Im ersten Lockdown hatte der Reitverein ein Crowdfunding-Projekt bei der Volksbank initiiert, um besser durch die Krise zu kommen. Noch bis Ende Januar läuft ein weiteres, um ein neues Voltigierpferd zu kaufen. Außerdem sucht der Verein Übungsleiter und jemanden, der beim Füttern hilft. Den Link zum Crowdfunding und Ansprechpartner gibt‘s hier.

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Dass für die Schulpferde Kinder kommen, die sie leicht bewegen, hat der Verein mit dem Ordnungsamt der Stadt Enger besprochen. „Wir sind in engem Kontakt“, sagt Brockmann-Paust.

Die kleinen Reiter – bis auf zwei Ausnahmen sind es ausschließlich Mädchen – brennen darauf, ihre Lieblinge wiederzusehen. „Unser Verein ermöglicht es Kindern, in den Pferdesport zu schnuppern. Zu erkennen, dass man sich um ein Tier kümmern muss und es kein Sportgerät ist, das man einfach wegstellen kann“, meint Ute Westerheide. Daher hofft sie, dass bald wieder Normalität und damit Kinderlachen auf den Stallgassen einkehrt.

Katrin Brockmann-Paust(links) und Ute Westerheide – hier mit dem einzigen Shetty-Pony des Schulbetriebs – hoffen, dass es bald weitergeht.

Katrin Brockmann-Paust(links) und Ute Westerheide – hier mit dem einzigen Shetty-Pony des Schulbetriebs – hoffen, dass es bald weitergeht. Foto: Kathrin Weege

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