Engers Bürgermeister Thomas Meyer im Interview
„WGE braucht mehr Platz“

Enger (WB) -

Ein turbulentes Jahr liegt hinter Thomas Meyer. In einer Stichwahl wurde er erneut zum Bürgermeister gewählt. Seit März hält Corona auch die Widukindstadt in Schach. Dennoch wurden viele Projekte angestoßen, die für Enger von Bedeutung sind. Im Interview mit WB-Redakteurin Christina Bode erzählt der Bürgermeister, was in diesem Jahr ansteht.

Montag, 11.01.2021, 05:20 Uhr
Der Barmeierplatz soll mit ISEK-Mitteln umgestaltet werden. Foto: Christina Bode

Herr Meyer, Corona hat das Jahr 2020 bestimmt und Sie als Bürgermeister in besonderem Maß gefordert. Aber es gab auch gute Momente. Was waren Ihre persönlichen Highlights?

Thomas Meyer: Wenn ich das vergangene Jahr Revue passieren lasse, das natürlich immer mit der Pandemie verbunden sein wird, dann bin ich zunächst einmal erleichtert, dass bisher niemand aus meiner Familie oder dem Freundeskreis infiziert oder gar schwer erkrankt ist. Jeder Erkrankte und erst Recht Verstorbene ist einer zu viel.Und ich bin dankbar, dass die Bürger unserer Stadt sich sehr verantwortungsvoll verhalten und alle Einschränkungen nicht nur hinnehmen, sondern auch mit kreativen Ideen versuchen, unser städtisches Leben in vielerlei Hinsicht aufrecht zu erhalten. Das ist toll.Persönlich habe ich mich sehr darüber gefreut, dass mir die Engeraner das Vertrauen geschenkt haben, weitere fünf Jahre ihr Bürgermeister zu sein. Und trotz Corona habe ich mit dem Stadtrat wichtige Entwicklungen für unsere Stadt auf den Weg bringen können.

Was hat 2020 der Stadt Enger gebracht?

Meyer: Wieviel Zeit haben Sie? Nein, im Ernst, da kann ich sehr viel benennen: Der Schulpavillon mit weiteren Klassenräumen an der Grundschule Enger-Mitte wurde errichtet, die Toilettenanlagen am WGE sowie an der Grundschule Westerenger werden zurzeit bzw. wurden erneuert und die Außensportanlagen am WGE und der Realschule auf Vordermann gebracht.Die Digitalisierung unserer Schulen ist weiter vorangeschritten. Die neue KiTa Emmaus an der Prof.-Vormfelde-Straße ist in Betrieb gegangen, eine weitere in Westerenger ist im Bau. Der Klimaschutzmanager hat seine Arbeit aufgenommen, der Klimaschutzbeirat ist besetzt. Der Lehrbienenstand im Vereinszentrum Westerenger konnte durch ehrenamtliches Engagement umgesetzt werden.Der Retentionsbodenfilter an der Niedermühlenstraße als Gewässerschutzmaßnahme ist fertiggestellt, ebenso das Feuerwehrgerätehaus Enger-Mitte größtenteils saniert. Ich freue mich, dass das Krankenhaus seine Geriatrie mit einem modernen Gebäude hat erweitern können.Die Meller Straße wurde auf ganzer Länge erneuert und im Ortsteil Dreyen ausgebaut. Der Bebauungsplan für die Wohnbau-, aber auch Gewerbefläche am Sieler Weg/Lambernweg wurde in die politische Beratung gegeben. Und wir haben natürlich unter großer Bürgerbeteiligung das Alltagsradwegekonzept beschlossen und vor allem unser Stadtentwicklungskonzept ISEK mit einem Förderantrag beim Land NRW auf den Weg gebracht.

Im vergangenen Jahr wurden – vor allem in Sachen Stadtgestaltung – politisch viele Dinge beschlossen, die nun angegangen werden können. Was steht 2021 als erstes auf dem Plan?

Meyer: Die Umgestaltung des Ortskerns ist Teil des umfänglichen Stadtentwicklungskonzeptes ISEK. Den Förderbescheid für dessen Umsetzung erhoffe ich mir für Mitte 2021. Für eine „Planung aus einem Guss“ wollen wir einen „Freiraum- und verkehrsplanerischen Realisierungswettbewerb“ durchführen. Vorab müssen wir mit dem politischen Raum, aber auch durch Bürgerbeteiligung, Vorgaben für die Planer erarbeiten wie: Wie soll die künftige Verkehrsführung aussehen? Bleibt es bei Einbahnstraßen-Regelungen? Wo werden Autos und Fahrräder Stellflächen finden? Die Umsetzung der Vorgaben ist dann Aufgabe der jeweiligen interessierten Planer. Diesen Planungswettbewerb werden wir 2021 vorbereiten, durchführen und in diesem Jahr auch zu einem Ergebnis kommen.

Am Sieler Weg soll ein Neubaugebiet entstehen. Wann können dort die ersten Häuser gebaut werden?

Meyer: In diesem Jahr noch nicht. Momentan liegt erst der Vorentwurf für einen Bebauungsplan vor. Der Planungsprozess und auch die allen Beteiligten wichtige Bürgerbeteiligung werden noch Zeit in Anspruch nehmen, die man sich auch nehmen muss. Geklärt werden muss noch, wer die Erschließung des Geländes übernimmt. Ich gehe davon aus, dass ab 2022 die ersten Häuser dort entstehen könnten.

Die Stadt Enger hat eine Förderzusage bekommen, um Mieter von leeren Ladenlokalen in der Innenstadt zu unterstützen. Gibt es schon Interessenten?

Meyer: Mit den Mitteln aus dem „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte“, auf die sich die Stadt Enger beworben hat, haben wir jetzt die Möglichkeit, leer stehende Ladenlokale anzumieten und zu günstigen Konditionen für Nutzungen wie Einzelhandel-Startups, Bildungs- oder Kulturangebote, aber auch Gastronomie weiterzuvermieten. Ich habe mich dazu bereits mit dem Vorstand der Kaufmannschaft ausgetauscht und wir haben erste Objekte im Blick. Wir werden die Möglichkeiten der Förderung jetzt bekannt machen und zum Beispiel auf Eigentümer zugehen. Jeder, ob Besitzer oder möglicher Nutzer, sollte sich bei Interesse aber auch einfach bei der Stadt melden.

Die Grundschule Enger-Mitte braucht mehr Platz und auch am Gymnasium wird es zunehmend enger. Wie kann dem Platzmangel entgegengewirkt werden?

Meyer: Der akute Raumbedarf an der Grundschule Enger-Mitte konnte bereits mit dem Schulpavillon, den wir zu diesem Schuljahr in Betrieb genommen haben, aufgefangen werden. Dennoch wird im Zuge des Stadtentwicklungsprozesses über das ISEK eine zukunftsfähige Lösung für die Grundschule gesucht – entweder am vorhandenen Standort oder an anderer Stelle im Ortskern. Wir müssen dazu Fragen beantworten: Wo ist das größte Potenzial für weitere schulische Entwicklungsmöglichkeiten? Wie ist die Verkehrssituation an einem Standort? Mit welchen Folgekosten hat man bei einer Variante zu rechnen? Man muss das sorgfältig abwägen, denn am Ende geht es um eine Entscheidung für die nächsten Generationen.Das Gymnasium muss erweitert werden, denn wir brauchen mehr Platz, weil wir die Umstellung auf G9 auch räumlich umsetzen müssen. Um mindestens fünf zusätzliche Unterrichtsräume zu schaffen, wären ein Anbau oder eine Aufstockung denkbar. In diesem Jahr werden wir die Planung für eine Erweiterung voranbringen.

Ein Thema im Wahlkampf war die Gestaltung des Heckewerth-Geländes. Wird sich dort in diesem Jahr etwas verändern?

Meyer: Ich bin mit dem Eigentümer der Fläche im regelmäßigen Kontakt, der ebenso an einer für die Stadt vorteilhaften Nutzung interessiert ist, das Gelände aber auch weiterhin in den eigenen Händen behalten möchte. Es gibt immer mal wieder Anfragen und Interesse Dritter an einer Entwicklung, die ich an den Eigentümer weitergebe und mit ihm austausche. Corona erschwert aber auch hier die Kommunikation und eine Entwicklung. Dennoch ist immer auch eine konkrete und zeitnahe Veränderung möglich.

Was wünschen Sie sich 2021 für „ihre“ Stadt?

Meyer: Zuvorderst wünsche ich uns allen das, was sich wohl jeder wünscht: Dass wir gemeinsam die Pandemie soweit in den Griff bekommen, dass für uns alle wieder ein gewohnteres Leben ohne wesentliche Einschränkungen möglich sein wird. Das würde das Leben eines jeden Einzelnen aufhellen und erleichtern, aber auch in unserem gesellschaftlichen Zusammensein wieder neue Perspektiven und Normalität ermöglichen.Daneben wünsche ich, dass wir in unserer Stadt vieles von dem, was wir in der letzten Zeit auf den Weg gebracht haben, beginnen können umzusetzen. Vor allem in der Stadtentwicklung mit dem ISEK als dem größten Vorhaben, und in der Wohn- und Gewerbeentwicklung, im Klimaschutz, in der Mobilität, in und an den Schulen. Allesamt wichtige Themen für unsere Stadt, auf deren Entwicklung und Entstehung ich mich sehr freue.

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