Engeraner Markus Brakensiek hat Shop auf dem Bielefelder Blumengroßmarkt
Der Schleifendrucker

Enger/Bielefeld (WB) -

Ist der Name richtig geschrieben, sitzt die Schrift an der passenden Stelle? Beim Schleifendrucken ist Präzision gefragt. Die meisten Exemplare, die Markus Brakensiek in seinem Shop auf dem Bielefelder Blumengroßmarkt an der Oldentruper Straße fertigt, sind für Beerdigungen.

Mittwoch, 06.01.2021, 05:05 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 05:10 Uhr
Markus Brakensiek zieht die Schleife aus dem Drucker. Es gibt nicht nur klassische Farben wie Schwarz und Weiß, sondern jede Menge unterschiedliche, die er bedrucken kann – hier eine Rosafarbige.

Doch es gibt auch andere Aufträge: „Ich habe die Schleife für den Kranz beim Hermannslauf gefertigt oder aber eine Schärpe für die Pickertprinzessin aus Lippe“, sagt der 43-jährige Engeraner. Und bei einer Prinzessin muss die Schleife dann auch farblich zum Kleid abgestimmt sein.

Vor zwei Jahren hat Brakensiek das Geschäft übernommen und sich selbstständig gemacht. Schleifendrucken – das kannte er schon seit seiner Jugend, denn sein Vater Werner Brakensiek hatte 40 Jahre das Blumengeschäft Brakensiek an der Meller Straße. „Mein Vater hat seine Schleifen für Kränze oder Gestecke immer selber gedruckt. Heute machen das längst nicht mehr alle Blumenläden. Die wenden sich dann an mich“, berichtet Brakensiek, der eigentlich Ingenieur für Seeverkehr ist. In dem Beruf hat er zehn Jahre gearbeitet – zuletzt als Kapitän.

Inzwischen hat er rund 100 Kunden aus einem Umkreis von 50 Kilometern und beschäftigt eine Mitarbeiterin. Das Geschäft „Kube“ hat Brakensiek vom Vorgänger übernommen. „Wir kannten uns über meinen Vater“, erzählt er.

Neben einem speziellen Schleifendrucker – er bringt die Goldfarbe besonders edel auf den Stoff – arbeitet der Engeraner mit normalen Schwarzdruckern, wie man sie auch für Papier nutzt. „Alle acht bis zehn Wochen muss ich allerdings neue kaufen, länger machen sie nicht mit. Ein Problem sind die kleinen Flusen von den Stoffen“, erklärt er.

Die Kunden teilen ihm mit, was auf die Schleife soll. Am Computer gibt Brakensiek den Text ein und setzt ihn an die passende Stelle. Auch Bilder sind möglich. So hat schon ein Kunde seinen Hund auf die Schleife drucken lassen und sie mit einem Kranz auf dessen Grab platziert. Ein anderer wünschte sich das Arminia-Logo. „Das ist alles möglich“, so der Experte.

„Waren es früher nur schwarze Stoffe, die für Trauerkränze gefertigt wurden, sind sie heute bunter“, weiß Markus Brakensiek. 18 Farben und weitere Nationalbänder hat er in seinem Laden stets vorrätig – zwischen zehn und zwanzig Zentimeter Breite.

Damit sie am Ende schön glatt sind, greift Brakensiek zum Bügeleisen. Viele Schleifen haben Fransen an den Enden, sie werden angeklebt. Wind und Regen machen dem Druck nichts aus – er hält das aus.

Das Schleifendruck-Geschäft ist ein sicheres. Bisher habe es keinen Tag ohne Beerdigungen gegeben. „Dass es mehr Nachfrage wegen der Corona-Pandemie gibt, kann ich allerdings nicht bestätigen“, sagt der 43-Jährige, der in der Regel ab 8 Uhr auf dem Blumengroßmarkt sein Geschäft öffnet.

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