Westfälischer Landwirtschaftsverband nimmt das Gesprächsangebot von Aldi an
Bauern beklagen hohen Preisdruck

Enger (WB) -

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) ruft niemanden auf, vor den Auslieferungslagern von Aldi, Lidl oder Edeka zu demonstrieren. Doch das Anliegen der dort protestierenden Landwirte unterstütze er zu 100 Prozent und das daraus resultierende Gesprächsangebot Aldis nehme er gerne an.

Donnerstag, 10.12.2020, 04:18 Uhr aktualisiert: 10.12.2020, 04:20 Uhr
Foto: Harald Iding

Auf der Deele des Hofes Brüggemeier in Enger wirft Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe, dem Lebensmittelhandel vor, gesellschaftlich zu versagen. Mit Lockangeboten und viel zu geringen Preisen für Milch, Fleisch, Brot und Gemüse unterlaufe er alle Bemühungen, zu einer nachhaltigen, dem Tierwohl verpflichteten Landwirtschaft zu kommen

Das Versagen sei auch in OWL erkennbar. Zwischen 2010 und 2016 sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 7788 auf 7242 um 546 (sieben Prozent). Gleichzeitig wuchs die von ihnen bewirtschaftete Fläche von 41,5 auf 43,6 Hektar. Tillmann: „Weniger Betriebe bewirtschaften mehr Fläche. Das tun sie, um die Einkommensverluste im Einzelhandel durch höhere Stückzahlen zu kompensieren. Das ist der Zyklus, in dem wir stecken.“

Besonders schlimm seien derzeit die 2011 Schweinehalter in der Region dran. Zu dem durch Corona verursachten Produktionsstopp bei Tönnies sei im Herbst noch die Afrikanische Schweinepest gekommen. Die wirke sich vor allem durch ein Exportverbot außerhalb der EU aus. Tillmann: „Wenn in Brandenburg oder Sachsen ein infiziertes Schwein gefunden wird, gilt der daraus folgende Auslieferungsstopp auch für uns.“ Die Forderung, diese Handelssanktion endlich regional einzugrenzen, werde Jahr für Jahr überhört. Folge: Preisabsturz und Schweinestau in den Ställen.

Statt dessen hätten Umwelt- und Tierschutzverbände den Schaden bei Tönnies auch noch zum Anlass genommen, die Systemfrage zu stellen: „Auch wir fordern unser Handelspartner auf, seinen Mitarbeitern faire Löhne zu zahlen und gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Deswegen stellen wir aber nicht gleich eine ganze Branche in Frage.“

Der Klimawandel habe die Region in diesem Jahr unterschiedlich hart getroffen. Auf den wasseraufnahmefähigen Böden der Warburger Börde seien Rekordernten erzielt worden, hinterm Eggegebirge aber sei es überwiegend trocken und ertragsarm geblieben. Rainer Meyer, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes, fordert aus diesem Grund, die wertvollen Böden in der Region besser zu schützen: „Die von der Deutschen Bahn geplanten ICE-Trassen würden ausgerechnet diese wertvollen Böden zerstören.“ Gegen Trockenheit und Käferbefall im Wald sei bisher keine Lösung in Sicht.

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