Kinder haben zwei Tage länger frei – Zweifel an Wirkung dieser Corona-Maßnahme
Schulleiter in Enger/Spenge sehen verlängerte Weihnachtsferien kritisch

Enger/Spenge (WB) -

Zur Reduzierung der Corona-Infektionen haben Bund und Länder am Mittwoch beschlossen, dass deutschlandweit die Weihnachtsferien bereits am Samstag, 19. Dezember, statt erst am Mittwoch, 23. Dezember, beginnen. Bei den Schulleitungen in Enger und Spenge trifft diese Idee auf wenig Gegenliebe.

Donnerstag, 26.11.2020, 19:53 Uhr aktualisiert: 26.11.2020, 20:00 Uhr
Die Stühle werden in den Schulen für die Weihnachtsferien in diesem Jahr wegen Corona schon vier Tage früher hochgestellt. Den Schulleitern in Enger und Spenge gefällt das gar nicht. Foto: dpa/Caroline Seidel

„Für uns ist dieser vorzeitige Ferienbeginn ein enormer organisatorischer Aufwand“, sagt Christiane Kuhlmann, kommissarische Leiterin der Grundschule Belke-Steinbeck/Besenkamp. Denn die Eltern hätten ein Recht darauf, ihre Kinder zu einer Notgruppe schicken zu können – und Kuhlmann geht davon aus, dass viele diese Möglichkeit nutzen werden.

Sie muss nun alle Eltern befragen und die Kinder je nach Wunsch betreuen – und das zu frei gewählten Zeiten. „Das zu planen macht viel mehr Arbeit, als wenn wir normal unterrichten würden. Und wir als Lehrer haben ja sowieso Dienstpflicht.“ Sie bezweifelt, dass die Maßnahme die Infektionen eindämmen wird. „Die Kinder dürften in den Notgruppen nämlich klassenübergreifend betreut werden und müssen dafür Maske tragen und Abstand halten“, erklärt sie.

Ihre Kollegin Sandra Loos von der Grundschule Spenge/Hücker-Aschen hat daher beschlossen, die Kinder, die kommen, in ihrem normalen Klassenverbund zu unterrichten. „Alles andere kann ich den Familien und Kollegen gegenüber nicht verantworten“, betont sie. Derzeit sind an der Schule zwei Klassen in Quarantäne, weil eine Lehrkraft erkrankt ist. „Wir brauchen angesichts des Unterrichtsausfalls sowieso eher mehr Schultage statt weniger“, sagt Loos.

Ulrich Henselmeyer, Direktor am Widukind-Gymnasium Enger, hat ein ganz anderes Problem: „Wir hatten ohne zu ahnen, was kommt, bereits geplant, dass wir zwei bewegliche Ferientage auf den 21. und 22. Dezember legen. Doch wenn die jetzt zu regulären Ferientagen werden, wissen wir nicht, ob wir sie später nachholen sollen oder nicht.“ Regelungen der Bezirksregierung dazu lägen noch nicht vor.

Ähnlich geht es Beatrix Diel von der Realschule Enger. Hier ist es allerdings nur ein beweglicher Ferientag. „Müssen wir nun trotzdem eine Notbetreuung anbieten?“, fragt sie sich. Diel ist das ständige Hin und Her ohnehin leid: „Zwischenzeitlich war von einer Woche Zusatzferien die Rede, dann von zwei Tagen – die Eltern fragen und wir können keine Auskunft geben.“

Während Henselmeyer und Diel an ihren Schulen bisher jeweils nur zwei Corona-Fälle hatten, sieht das an der Gesamtschule Spenge anders aus. Der kommissarische Schulleiter Rainer Lohrie bezweifelt, dass alle Schüler frei haben werden: „Angesichts der Infektionszahlen werden wir ausgefallene Klausuren nachholen müssen.“

Lohrie hat seit Oktober immer wieder Klassen in Quarantäne schicken müssen, weil sich mittlerweile 15 Schüler infiziert haben. Er plädiert daher im Gegensatz zu seinen Kollegen dafür, im Wechsel einen Teil der Klasse zuhause nach Wochenplan arbeiten zu lassen und den anderen in der Schule zu unterrichten. Bei den älteren Schülern, die derzeit mit drei Fällen betroffen sind, wäre dies technisch kein Problem.

 

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