Publikum genießt Lieder und Lyrik aus den 1920er Jahren auf Hof Grabbe in Dreyen
Das Beste aus der Kroko-Bar

Enger (WB/dd). Wera Kiesewalter, Holger Grabbe, Tobin Wittemeier und Martin Kottkamp haben am Sonntag zu zwei „Best of“-Veranstaltungen ihrer beliebten Kroko-Bar-Reihe auf Hof Grabbe eingeladen. Geboten wurde ein Mix aus vier Programmen der „Bar zum Krokodil“, sozusagen ein „mad Medley“ aus Liedern und Lyrik, vornehmlich der 1920er Jahre.

Dienstag, 06.10.2020, 16:53 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 16:56 Uhr
Geboten wurde auf Hof Grabbe ein wilder, kontrastreicher Ausflug – vornehmlich in die 1920er Jahre. Foto: Daniela Dembert

Coronabedingt wurde das „verrückte Medley“ allerdings nicht in spelunkigem Bar-Flair mit Rotwein, Bier und Knabbereien geboten, sondern mit Glühwein zwischen Teich und Staudenbeeten im Garten. Das Quartett nahm sich der Werke einiger, hauptsächlich jüdischer, Größen der Lyrik, des Kabaretts und Chansons an. Den Startschuss gab Kottkamp mit seiner Rede „An das Publikum“, einer sarkastischen Ansprache Kurt Tucholskys an allzu indifferente und unkritische Leser und Zuhörer.

Chanson von Friedrich Hollaender

Weiter ging es mit der von Wera Kiesewalter interpretierten „zersägten Dame“ und „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ vom Kabarettisten und Komponisten Friedrich Hollaender – ein Chanson, der vom Zeitgeist der modernen, emanzipierten Frauen der 20er Jahre erzählt. Und apropos „Geist“: Da wäre ja auch noch „das kleine Nachtgespenst“ alias Regierungsrat Erich Planke, das Holger Grabbe verkörperte. Er geisterte durch den Garten, um nach Damen Ausschau zu halten, denen er sich zur Nachtzeit in voyeuristischen Absichten nähern könnte.

Von laut Kottkamp „ganz beachtlicher Flexibilität“ zeugt Fritzi Massarys „Warum soll denn eine Frau kein Verhältnis haben“, das Wera Kiesewalter nach der zweideutigen Aufforderung an Pianist Wittemeier, ihr „ein geiles Vorspiel“ zu machen, als kokette Femme fatale intonierte.

Die Kuh im Propeller

Michail Soschtschenko war nicht gerade einer von Stalins Lieblingen. Mit einem Schreib- und Druckverbot belegt, flog der russische Autor sogar aus dem Schriftstellerverband, wie Conférencier Kottkamp informierte. Mit „Die Kuh im Propeller“ lieferte er ein satirisches Stück, das später von Manfred Krug aufgegriffen und dem ostdeutschen Publikum bekannt wurde.

Rassig, rasant und russisch, „ja, echt russisch“ gab Kiesewalter Hollaenders „Stroganoff“ zum Besten und galoppierte, getrieben vom flinken Pianisten Wittemeier, durch die wortreichen Strophen. Das war dem Publikum reichlich Applaus und bewundernde Pfiffe wert. Entstanden ist das Lied 1958. „Da spielt Hollaender so ordentlich mit Klischees, dass man annehmen darf, er hat die Vorurteile seiner deutschen Landsleute, die zur Zeit des eisernen Vorhangs herrschten, nicht ganz ernst genommen. Ob die das allerdings erkannt haben, bleibt fragwürdig“, kommentierte Kottkamp.

Die Rinnsteinprinzessin

Ein Stück neueren Datums ist „Die Rinnsteinprinzessin“, gesungen vom Chansonier Tim Fischer. Mit ihrer Interpretation sorgten Kiesewalter und Wittemeier für einen echten Gänsehautmoment.

Eigentlich hätte die Bar zum Krokodil im Frühjahr bereits ihr neues Programm präsentieren wollen. Das musste abgesagt werden. Fans müssen darum weiter abwarten.

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