„Schlachter-Tango“ wird im Haus der Kulturen in Enger gezeigt
Vom Mut zum eigenen Leben

Enger (WB). „Schlachter-Tango“: So lautet der roh anmutende Titel des Ein-Mann-Theaterstücks, das am Donnerstag, 29. Oktober um 19 Uhr im Haus der Kulturen (HdK) aufgeführt wird.

Mittwoch, 07.10.2020, 05:05 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 05:20 Uhr
Trotz aller Tragik gibt es im „Schlachter-Tango“ auch heitere und lebensfrohe Aspekte, versichert Michael Grunert.

Jahrelang hat Ludwig Meyer für die Anerkennung als Opfer des Naziregimes gekämpft, insgesamt sechseinhalb Jahre seines Lebens hatte er in Konzentrationslagern verbracht. Der gebürtige Bielefelder war Jude und homosexuell. Meyer ist einer von Millionen Menschen, die nicht der Arier-Ideologie entsprachen. Wer aber war dieser Mann, der sich seiner Würde nicht hat berauben lassen und der in der noch jungen Bundesrepublik sogar die erste Schwulenbar Hannovers eröffnet hat?

Der Schauspieler Michael Grunert hat, inspiriert durch einen Zeitungsartikel, vor Jahren Interesse an der Geschichte des schwulen jüdischen Fleischersohns gefunden und dessen Leben vor zehn Jahren für die Bühne inszeniert.

Im Stadtarchiv recherchiert

„Als Künstler finde ich interessant, aufzuzeigen, wie Biografien und Zeitgeschichte einander bedingen“, sagt das Mitglied des Bielefelder Theaterlabors. Unumstritten sei, dass das Zeitgeschehen Auswirkungen habe auf Biografien, umgekehrt sei es aber ebenso. So gehörte Ludwig Meyer zu jenen Menschen, die nicht versucht haben, sich aufgrund ihrer Veranlagung unsichtbar zu verhalten, sondern stellte Forderungen zur Wiedergutmachung und ging mit seiner Homosexualität insofern progressiv um, dass er mit seiner Kneipe Wielandseck einen Treffpunkt für Gleichgesinnte schuf.

Grunert hatte im Stadtarchiv recherchiert und ein „Konvolut verschiedener Akten und Aufzeichnungen“ über Meyer gefunden, die ihm halfen, mehr über die Lebensgeschichte des Schlachters zu erfahren. „Ich habe auch jemanden interviewt, der als junger Mann in seiner Bar gearbeitet hat“, berichtet der Schauspieler von seinen Vorarbeiten.

In seiner Inszenierung vollzieht Grunert die Lebensstationen des Juden nach, indem er Personen zu Wort kommen lässt, die ihm vielleicht oder tatsächlich begegnet sind, nicht aber Meyer selbst darstellt.

1975 ist Ludwig Meyer in seiner Wohnung erschlagen aufgefunden worden.

Auch lebensfrohe Aspekte

Der Schauspieler hat mit dem „Schlachter-Tango“ 2010 sein erstes Solostück herausgebracht, das er nach eigenen Angaben sehr häufig aufgeführt hat.

Trotz aller Tragik ist das Ein-Mann-Theaterstück gespickt mit „heiteren und lebensfrohen Aspekten“, versichert der Mime. „Und genau deshalb passt es in unser Haus“, findet Integrationskoordinatorin Kordula Schimke vom HdK. „Wir haben hier auch Menschen mit den unterschiedlichsten Schicksalen, die trotzdem Schönes erlebt und Mut gefasst haben.“

Der Eintritt zum Theaterstück ist kostenlos. „Wir möchten damit einen niederschwelligen Zugang zur Theaterkunst schaffen“, sagt Schimke. 50 Plätze sind insgesamt zu vergeben, Karten sind ausschließlich im HdK erhältlich. Eine sitzplatzgenaue Registrierung wird vorgenommen, das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes wird empfohlen.

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