120 Jahre alter Baum an der Mühlenstraße ist aber krank und muss gefällt werden
Buche wächst aus dem Wintergarten

Enger (WB). Viele Leute haben ein Haus mit einem Wintergarten. Einen Wintergarten, aus dem eine 120 Jahre alte Buche wächst, besitzen aber wohl die wenigsten. Doch auch das Ehepaar Marieluise und Hans-Ludwig Riepe muss bald von seinem mehr als 34 Meter hohen Mitbewohner Abschied nehmen. Ein Pilz hat die Wurzel des Baumes befallen. Er muss gefällt werden.

Sonntag, 06.09.2020, 05:29 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 12:48 Uhr
Gigantische Ausmaße hat der Stamm angenommen. Marieluise Riepe hat ihn dekoriert und mit einem Blumentopf versehen. Foto: Matthes

Doch wie kam die Buche überhaupt in das zweite Wohnzimmer der Riepes? „Den Baum hat höchstwahrscheinlich mein Großvater Arnold an einem Nebengebäude der Mühle gepflanzt, die einst auf unserem Grundstück an der Mühlenstraße stand“, erzählt Hans-Ludwig Riepe. Sein Urgroßvater, Müller Hartwig Riepe, hatte vom Stift die Mühle gekauft.

1942 sei das Gebäude abgebrannt. Marieluise und Hans-Ludwig Riepe bauten 1981 das alte Nebengebäude, das mittlerweile als Pferdestall und Getreidelager genutzt und mehrfach ausgebaut worden war, zu einem Wohnhaus um. Die Buche hatte die Wirren der Zeit gut überstanden und stand noch tapfer an ihrem Platz.

Fast 35 Meter hoch

„Weil wir auf dieser Seite aber eine Terrasse haben wollten, haben wir den Baum einfach darin integriert“, erzählt Hans-Ludwig Riepe. Mit der Zeit wurde die Terrasse zum Wintergarten. „Wir haben mehrfach die Fliesen neu verlegen müssen, so stark ist die Buche gewachsen“, erzählt der 83-Jährige.

Dem Boden des Hauses hätten die Wurzeln aber nicht geschadet: „Als ich im Zuge des Ausbaus den Keller erweitern wollte, habe ich festgestellt, dass nur eine Wurzel in Richtung des Hauses gewachsen war“, erzählt Riepe. Die habe er dann gekappt.

Mittlerweile hat die Buche einen Umfang von 3,80 Meter und ist fast 35 Meter hoch. Doch sie ist krank und hat in diesem Frühjahr nicht mehr getrieben. „Die heißen und trockenen Sommer haben ihr geschadet“, sagt Hans-Ludwig Riepe. „Durch den niedrigen Grundwasserspiegel hat sie zu wenig Wasser für ihre riesige Krone bekommen.“ Wie ein Sachverständiger festgestellt hat, sind die Wurzeln vom Riesenporling befallen. Die Rinde des Baumes löst sich bereits.

Reststamm bleibt stehen

Da die Standfestigkeit nicht mehr garantiert ist, muss der Baum nun gefällt werden. Die Stadt hat bereits ihr Okay dazu gegeben. Noch im Laufe des Septembers wird der Baumfäller kommen und mit Hilfe eine Autokrans zunächst die Äste entfernen und vor Ort zerkleinern.

So ganz will das Ehepaar jedoch nicht auf seinen Baumriesen verzichten. „Wir werden die Buche 20 Zentimeter oberhalb des Wintergartendaches absägen lassen“, sagt die 82-Jährige. Der Rest des Stammes soll ihnen auch künftig beim Kaffeetrinken im Wintergarten Gesellschaft leisten. „So ganz ohne Buche würde uns etwas fehlen“, sagt Marieluise Riepe.

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