Bürgermeisterkandidaten diskutieren über Kultur, Tourismus und Finanzen
„Enger als Marke etablieren“

Enger (WB). Das Kirschblütenfest zieht jedes Jahr Zehntausende in die Stadt, aber auch mit Veranstaltungen wie dem Curzweyl-Cabinett, Musica Sacra, dem Sommernachtskino und neuerdings den Kulturbad-Konzerten sowie mit den drei Museen ist Enger kulturell gut aufgestellt. Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf? Wie sollte sich Enger touristisch aufstellem? Und wie wird Kultur künftig finanziert? Den Fragen von Daniela Dembert, Vorsitzende des Kultur- und Verkehrsvereins (KuV), stellten sich am Dienstagabend die Bürgermeisterkandidaten Thomas Meyer (SPD), Philip Kleineberg (CDU) und Regina Schlüter-Ruff (Grüne) in der Aula der Realschule.

Donnerstag, 03.09.2020, 05:25 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 05:30 Uhr
Auf der Bühne der Aula des Widukindgymnasiums stellen sich (von rechts) Philip Kleineberg, Regina Schlüter-Ruff und Thomas Meyer den Fragen der Vorsitzenden des Kultur- und Verkehrsvereins, Daniela Dembert. Foto: Christina Bode

Kultur

„Wir kaufen keine Großveranstaltungen ein. Kultur wird vor Ort von vielen ehramtlichen Helfern gemacht“, sagte der amtierende Bürgermeister Thomas Meyer. Was fehle, seien geeignete Räume für bestimmte Formate wie zum Beispiel Open Air-Konzerte. Auch eine Kneipenkultur fehle Enger. Doch die könne nicht „angeordnet“ werden, sie müsse entstehen. Dem stimmte Regina Schlüter-Ruff zu.

„Das Konzert Anfang des Jahres in der Penne war ein guter Anfang. Vielleicht kann daraus mehr entstehen“, sagte sie. Auch niederschwellige, wiederkehrende Angebote für Kinder fehlten ihr. Philip Kleineberg schlug vor, Vereine, Gewerbetreibende und Kulturschaffende an einen Tisch zu bringen. „Da können tolle Ideen entstehen.“

Dass die Zusammenarbeit zwischen Kultur und Gewerbe schon gut funktioniere, zeigten zum Beispiel Kirschblütenfest und Adventsbummel, sagte Schlüter-Ruff. Und auch die Museen würden von Unternehmen unterstützt, ergänzte Thomas Meyer.

Tourismus

„Durch ihre Historie hat die Stadt Enger gute touristische Voraussetzungen“, sagte Kleinberg. Neben den drei Museen würden auch die vielfältigen Veranstaltungen Menschen nach Enger locken. „Aber Enger kann noch mehr“, sagte er. Durch die Corona-Pandemie hätte sich das Reiseverhalten der Menschen geändert. „Wenn wir Widukind als Marke etablieren, könnten wir Enger auf Tourismus ausrichten“, meinte er.

Thomas Meyer und Regina Schlüter-Ruff stimmten zu, dass der Tagestourismus weiter belebt werden müsse. „Dafür brauchen wir aber ein Marketingkonzept und einen Ansprechpartner in der Verwaltung“, sagte Schlüter-Ruff. Thomas Meyer erklärte, dass man gerade dabei sei, Aufgaben umzuverteilen und eine halbe Stelle für Tourismus und Stadtmarketing einzurichten. „Der KuV macht derzeit vieles ehrenamtlich. An dieser Stelle müssen wir unterstützten“, sagte Kleineberg.

Finanzen

18.600 Euro hat der KuV jährlich für das Imagekonzept zur Verfügung, eine Projektgruppe entscheidet über die Mittelvergabe und plant Events. „Wir dürfen das Ehrenamt nicht überfrachten“, sagte Regina Schlüter-Ruff. Die Finanzverwaltung habe bislang super funktioniert, gehöre aber zurück in die Verwaltung, meinte sie. Thomas Meyer und Philip Kleineberg hingegen sahen die Möglichkeiten schneller Entscheidungen positiv am Imagekonzept. Man müsse eher gucken, ob in der Projektgruppe noch die richtigen Partner zusammenarbeiten, meinte Meyer. „Ist mit mehr Geld zu rechnen?“, fragte Daniela Dembert. Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass die Mittel in der Regel gereicht hätten, sagte Meyer. „Wenn eine Erhöhung in Zukunft nötig sein sollte, müsse politisch darüber nachgedacht werden.“

Schwer zu durchblicken für Kulturschaffende sei die Förderlandschaft, sagte Regina Schlüter-Ruff. Hilfe könne vom Kulturbüro OWL kommen, das zu diesem Thema berät. Philip Kleineberg strebt an, einen Fördermittelmanager einzustellen, der die Förderlandschaft in allen Bereichen im Auge behält.

Einig waren sich die Kandidaten darin, dass man als Kommune Kulturschaffenden vor allem in der Corona-Zeit künstlerische Veranstaltungen, soweit es möglich ist, ermöglichen sollte. „Das Kulturbad ist ein tolles Beispiel dafür“, sagte Kleineberg. Wichtig sei es jetzt umso mehr, im Diaolg zu bleiben, sagte Thomas Meyer.

Kommentar

Harmonisch lief die Podiumsdiskussion des Kultur- und Verkehrsvereins am Dienstagabend ab. Bei den meisten Themen herrschte Einigkeit unter den drei Kandidaten, kontrovers diskutiert wurde an diesem Abend nicht. So mancher Besucher hätte sich vermutlich gewünscht, dass die Amtsanwärter mehr Profil zeigen.

Wünschenswert wäre aber auch eine größere Publikumsbeteiligung gewesen. So waren in den Besucherreihen – viele Plätze blieben in der Realschul-Aula unbesetzt – hauptsächlich Parteikollegen der Kandidaten, aber leider nur wenige Mitglieder aus ortsansässigen Vereinen, Musiker oder Künstler zu finden.Christina Bode

 

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