Engeraner CDU und Grüne fürchten Flächenfraß – Fachausschuss soll erneut diskutieren
Sieler Weg: Projekt gerät ins Stocken

Mittwoch, 02.09.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 11:12 Uhr
Auf dieser Fläche am Sieler Weg sollen Wohnungen, Firmen und eine Kita gebaut werden. Foto: Bode

Grund sind ökologische Aspekte. CDU und Grüne fürchten den Flächenfraß. Auch aus der Bevölkerung waren Bedenken geäußert worden. In einem Bürgerantrag forderte Holger Stoppkotte, stellvertretender Kreissprecher des BUND, keine neuen Siedlungsflächen auszuweisen.

Siedlungsfläche um 13 Prozent gewachsen

In der jüngsten Ratssitzung meldete sich der Umweltschützer zu Wort. In den vergangenen 20 Jahren sei die Siedlungsfläche der Stadt Enger um 13 Prozent gewachsen, die Einwohnerzahl allerdings nur um 2,5 Prozent. „Fläche ist endlich“, gab Stoppkotte zu bedenken. Anfragen nach Gewerbe- und Wohnbauflächen seien nicht mit dem realen Bedarf gleichzusetzen, würden teilweise auch zeitgleich in verschiedenen Kommunen gestellt.

Ökologische Aspekte abwiegen

Ähnlich sieht das René Siekmann (CDU): Die Schaffung von Wohnraum müsse immer auch gegen ökologische Aspekte abgewogen und der Zersiedlung Einhalt geboten werden. Er beantragte, den Beschluss nochmals ausführlich unter Berücksichtigung des Bürgerantrags im nächsten Fachausschuss, der am 21. September tagt, diskutieren zu lassen.

„Nachhaltiges Baugebiet“

SPD-Fraktionschef Jörg Pultermann hat eine andere Perspektive auf das Projekt: „Enger ist eine wachsende Stadt. Wir müssen schauen, wie die Ökologie berücksichtigt werden kann und haben hier explizit an platzsparende Reihen- und Geschossbebauung gedacht.” Auch sei eine Kita direkt vor Ort Planungsbestandteil. „Ich glaube, in Enger wurde in der Vergangenheit nie ein ökologischeres und nachhaltigeres Baugebiet angestoßen.“

Flächenfraß einerseits – bezahlbarer Wohnraum und Sozialaspekte andererseits; die Fraktion der Grünen sieht sich in einem Interessenkonflikt. „Wir stimmen dem Antrag der CDU insofern zu, die Sachlage nochmal im Fachausschuss beraten zu lassen, allerdings sind wir nicht in allen inhaltlichen Punkten gleicher Meinung“, so die Fraktionsvorsitzende Regina Schlüter-Ruff.

„Stadt muss in Vorleistung gehen“

Auch die FDP will nichts übers Knie brechen und sieht neben dem Flächenfraß noch ganz andere Probleme im bisherigen Konzept: „Die Stadt müsste mit erheblichen Summen in Vorleistung gehen und will die Vermarktung ohne großartige Erfahrung selbst übernehmen. Der Erfolg ist noch fraglich. Das alles zu Zeiten von Corona und dem sich nähernden Ende der Haushaltssicherung, das halten wir für sehr riskant“, argumentierte Berthold Dessin.

In Punkto Vermarktung konnten die Grünen nicht zustimmen: „Die Wohnraummisere stammt maßgeblich daher, dass wir den Wohnungsbau zu sehr dem Markt überlassen haben“, meint Harald Wurm. Ohne einen Vorentwurf auf den Weg gebracht zu haben, könne man nicht in die Diskussion und Planung einsteigen, bedauert Pultermann.

Die Aufstellung des Bebauungsplans „Sieler Weg“ soll nun abermals im Ausschuss für Stadtplanung Infrastruktur und Umwelt diskutiert werden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7561830?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514624%2F
Bundespräsident macht Bevölkerung Mut
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier setzt sich einen Mund-Nasen-Schutz auf.
Nachrichten-Ticker