Désirée Hendel aus Enger arbeitet für einen Literaturverlag in Tansania
„Wir sind nicht der Nabel der Welt“

Enger (WB). Viele ihrer ehemaligen Mitschüler brachen nach der Schulzeit in die weite Welt auf. Désirée Hendel machte zunächst eine Ausbildung und arbeitete in einer Agentur als Anwendungsentwicklerin. „Ich hatte das Gefühl, etwas verpasst zu haben“, sagt sie. Darum brach sie nach Tansania auf.

Donnerstag, 04.06.2020, 15:00 Uhr
Dankbar, diszipliniert, höflich und respektvoll beschreibt Désirée Hendel die afrikanischen Kinder. Im Rahmen der Aidspräventionsprojekte traf sie viele verschiedene Jungen und Mädchen, die in den Camps viel Spaß hatten.

In einem sogenannten Experteneinsatz arbeitete die 24-jährige Engeranerin ein knappes Jahr in der Hauptstadt Dodoma für einen christlichen Literaturverlag und eine Fernbibelschule und überarbeitete deren Internetpräsenz. Organisiert wurde ihr Aufenthalt von der Kölner Organisation „Forum Wiedenest“.

Als Weiße in den „Stamm“ aufgenommen

Auch wenn sie in relativ „europäischen Verhältnissen“ bei einer Deutschen lebte, die vor mehr als 30 Jahren nach Tansania ausgewandert war, erfuhr Désirée Hendel viel von der afrikanischen Lebensweise. „Die Menschen sind einfach arm“, erzählt sie.

„Während sogar in der Hauptstadt auf der einen Straßenseite Menschen fast verhungern, wohnen direkt gegenüber solche, die wahnsinnig reich sind und sich alles leisten können.“ Doch auch wenn die meisten Menschen nicht viel Geld haben: „Sie sind wahnsinnig gastfreundlich und würden einem Gast all ihr Essen geben, auch wenn sie dafür die nächsten Tage hungern müssten.“ Schon nach kurzer Zeit sei sie als einzige Weiße herzlich in ihrem „Stamm“ aufgenommen worden. „Ich war direkt eine von ihnen“, erzählt die 24-Jährige.

Aidsprävention in kleinen Dörfern

Während sie unter der Woche ihrer Arbeit nachging, unterstützte die Engeranerin an vielen Wochenenden ein Missionarsehepaar bei einem Aidspräventionsprojekt. Ausgestattet mit Zelten ging es immer wieder in andere Dörfer, wo für Kinder und Jugendliche Aufklärungsarbeit geleistet wurde. „Es war schon eine besondere Erfahrung, ohne fließendes Wasser und sanitäre Anlagen zu leben“, erinnert sich Désirée Hendel.

Vorzeitige Abreise

Ihre Abreise hatte sich die Engeranerin dann allerdings anders vorgestellt. Geplant war es, bis Juli zu bleiben. Doch dann kam die Corona-Pandemie. „Am 13. März rief mich die Organisation an, dass ich das Land verlassen muss“, erinnert sich Désirée Hendel an den Freitagmittag. Alles ging dann ganz schnell. Schon am Sonntag musste sie die Rückreise antreten, am Montag ging ihr Flieger in Richtung Frankfurt. „Die Rückreise lief ganz entspannt ab. Ohne großartige Verzögerungen, allerdings auch ohne jegliche Corona-Kontrollen“, wundert sich Hendel.

Was die 24-Jährige aus ihrer Zeit in Afrika mitgenommen hat? „Wir Deutschen sind nicht der Nabel der Welt! Wir machen vieles anders als Afrikaner, das heißt aber nicht, dass nur dieses richtig ist.“

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