Etwa 200 Arten nutzen das Enger Bruch als Zwischenstopp auf ihren langen Reisen
Der Zugvogel-Hotspot

Enger (WB). „2020 war bis jetzt ein Wahnsinnsjahr“, sagt Thomas Weigel. Der Hobby-Ornithologe steht gerade auf dem Aussichtsturm im Enger Bruch und beobachtet eine Gruppe Temminckstrandläufer durch sein Spektiv.

Dienstag, 02.06.2020, 06:50 Uhr
Drei Rostgänse im Anflug aufs Enger Bruch: Die Tiere tragen ihren Namen wegen der rostbraunen Färbung großer Teile ihres Gefieders. Foto: Eckhard Lietzow

Dieser kleine Schnepfenvogel – er ist nur etwa so groß wie eine Bachstelze – ist gerade auf der Durchreise von seinen Winterquartieren im Mittelmeerraum zu seinen Brutgebieten in der arktischen Tundra Eurasiens. Das Enger Bruch mit seinen Feuchtwiesen ist da ein willkommener Zwischenstopp, um sich für den Weiterflug zu stärken.

Schlickkante bietet reichlich Nahrung

Wie der Temminckstrandläufer machen es auch bis zu 200 andere Zugvogelarten: Sie alle sind im Frühjahr und im Herbst immer wieder in der Widukindstadt zu beobachten. „Das Enger Bruch ist ein richtiger Zugvogel-Hotspot und deshalb aus meiner Sicht das bedeutendste Naturschutzgebiet im Kreis Herford“, sagt Thomas Weigel.

Mit Spektiv und Bestimmungsbuch ist Thomas Weigel (28) in Zeiten des Vogelzugs fast täglich am Aussichtsturm im Enger Bruch.

Mit Spektiv und Bestimmungsbuch ist Thomas Weigel (28) in Zeiten des Vogelzugs fast täglich am Aussichtsturm im Enger Bruch. Foto: Peter Monke

In diesem Frühjahr war er fast täglich vor Ort, um das Geschehen zu beobachten, denn die Bedingungen waren perfekt wie selten. „Die Kranichwiese ist über den Winter durch den Regen richtig vollgelaufen und bis März/April dann genau so weit abgetrocknet, dass sich eine schöne Schlickkante bilden konnte, in der die Vögel reichlich Nahrung finden“, erklärt Thomas Weigel.

Und wo der Tisch reich gedeckt ist, lassen sich auch viele verschiedene Gäste nieder. „Die Artenvielfalt war diesmal beeindruckend“, schwärmt der Hobby-Ornithologe.

60 Kampfläufer fressen sich voll

Vor allem zwei Beobachtungen ließen dabei sein „Birder-Herz höher schlagen“: Am 2. Mai erspähte er den sehr seltenen und in Deutschland vom Aussterben bedrohten Sandregenpfeifer. Und dann schauten 60 Kampfläufer auf ihren Weg von Westafrika in die nördliche Tundra vorbei. „Die waren nur ganz kurz da, haben sich vollgefressen und sind dann schnell weitergezogen“, erzählt Thomas Weigel.

Vor allem Gänse, Enten und Watvögel – vom Fachmann auch Limikolen genannt – gehören zu den Zugvögeln im Enger Bruch. Das Naturschutzgebiet ist aber auch für viele heimische Arten ein wichtiges Rückzugsgebiet: So brütet hier zum Beispiel noch der Kiebitz, der im Kreis Herford immer seltener wird. Auch andere Raritäten wie die Goldammer oder die Dorngrasmücke sind hier noch zu finden, denn viele Hecken bieten Nistmöglichkeiten.

Da man nicht jeden Vogel immer zu Gesicht bekommt, lauscht Thomas Weigel bei seinen Touren auch stets ganz genau hin. Denn er kennt die charakteristischen Rufe vieler Arten sehr genau. Das Ergebnis von 20 Jahren Übung.

Website sammelt Vogelbeobachtungen

„Als mich mein Opa das erste Mal zu einer Vogelbeobachtung mitgenommen hat, war ich etwa acht Jahre alt.“ Lernen könne man viele Vogelrufe aber sehr leicht. So klinge der Gesang der Goldammer zum Beispiel so: „Wie, wie, wie hab dich liiiiieb.“ Und die Dorngrasmücke rufe in etwa: „He da, sie da, gehen se weg!“

Was Thomas Weigel beobachtet und hört, teilt er über sein Smartphone mit der Welt. Die Website ornitho.de sammelt Infos von Vogelbeobachtungen und stellt sie allen Interessierten zur Verfügung. Eine Plakette mit dem passenden QR-Code für das Enger Bruch findet sich am Aussichtsturm.

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