Gastronomen aus Enger und Spenge wollen es ruhig angehen lassen Vorsichtiger Neustart

Enger/Spenge (WB). Harte Wochen voller Unsicherheit und Zukunftsängsten liegen hinter den Gastronomen in Enger und Spenge. Am heutigen Montag dürfen sie wieder ihre Pforten öffnen – unter strengen Auflagen, denn das Corona-Virus ist noch immer eine Gefahr. So reagieren die meisten bei aller Erleichterung auch mit Zurückhaltung.

Von Ruth Matthes und Daniela Dembert
Die Crew der Moorranch freut sich schon auf ihre Gäste: (aufgeteilt nach Hausgemeinschaften, von links) Luk und Jay Andernacht, Carmen Stapel, Lea und Frank Andernacht, Danny Begemann-Frerk, Niclas Begemann und Christian Dopp. Mittwoch geht es los.
Die Crew der Moorranch freut sich schon auf ihre Gäste: (aufgeteilt nach Hausgemeinschaften, von links) Luk und Jay Andernacht, Carmen Stapel, Lea und Frank Andernacht, Danny Begemann-Frerk, Niclas Begemann und Christian Dopp. Mittwoch geht es los. Foto: Ruth Matthes

„Wir freuen uns natürlich, lassen es aber ruhig angehen“, sagt Maik Paulini, einer von drei Inhabern des Restaurants „Alter Hut“ in Spenge. Er sei etwas überrascht gewesen, wie schnell es jetzt wieder losgehe. Paulini spricht von einem „Soft-Opening“, das heißt, dass er mit seinen drei fest angestellten Mitarbeitern, die bisher in Kurzarbeit waren, wohl erst am kommenden Wochenende, allerfrühestens Mittwoch wieder öffnen wird.

Nur nicht überstürzen

„Wir müssen erst einmal alle Hygiene- und Abstandsvorschriften umsetzen und alles vorbereiten“, sagt der Inhaber. Einige Anschaffungen seien dafür noch nötig. „Keinem ist damit geholfen, wenn wir jetzt einfach öffnen, das wäre unverantwortlich“, betont er. Paulini geht davon aus, dass er im Inneren 30 bis 35 der 80 Plätze wird anbieten dürfen.

Gino Dibooglu von „Terra Mia“ in Lenzinghausen möchte zunächst einmal die Entwicklung abwarten. „Mein Restaurant ist klein, ich dürfte nur zehn von 30 Plätzen nutzen“, erklärt er. Da lohne es sich kaum zu öffnen. Schließlich habe er es mit verderblichen Lebensmitteln zu tun. „Die letzten Wochen haben uns mitgenommen, aber es macht auch keinen Sinn, es jetzt zu überstürzen“, ist seine Meinung. Er will zunächst seinen Außer-Haus-Verkauf nach Bestellung weiterführen und dann die Terrasse öffnen. „Lieber ein paar Tage warten und kein Risiko eingehen“, ist seine Devise.

Gäste am Eingang empfangen

Ganz andere Voraussetzungen hat Frank Andernacht: In seiner Moorranch ist reichlich Platz, die Gäste zu verteilen. „Wir werden am Mittwoch an den Start gehen und dann 150 von 300 Plätze anbieten – am liebsten draußen“, sagt er. Wer bei ihm essen möchte – am besten nach Voranmeldung –, wird am Eingang empfangen. Er muss Namen und Telefonnummer hinterlassen, die Finger desinfizieren und beim Kommen und Gehen und wenn er im Restaurant unterwegs ist, eine Maske tragen.

Das Personal trägt ebenfalls Mundschutz. Den haben Jolanda und Alice Frerk extra für die Mitarbeiter genäht. Tische und Stühle werden regelmäßig desinfiziert. „Die Gäste können das auf Wunsch auch selber machen.“

An den Tischen dürfen Personen aus je zwei Haushalten Platz nehmen, der Abstand zum Nachbartisch muss 1,50 Meter betragen. Der Beachbereich bleibt bewusst geschlossen, damit sich dort keine Gruppen bilden.

Zurückhaltende Freude

„Wir sind zurückhaltend froh, wieder öffnen zu können“, sagt Dimitrios Papadakis, Inhaber des griechischen Spezialitäten-Restaurants „Ambrosia“ am Barmeierplatz in Enger. Sein Lokal öffnet am Dienstag und wird nur jeden zweiten Tisch besetzen. Draußen sei es leichter, so Papadakis: „Da haben wir die Tische einfach im größeren Abstand aufgestellt.“

Jetzt sei die Frage, wie das Geschäft anliefe. „Einfach weiter geschlossen zu haben ist keine Option für uns“, sagt der Restaurantinhaber, der seinen Betrieb in den vergangenen Wochen mit einem Abholservice für Speisen über Wasser gehalten hat. „Aber wir müssen sehen, ob sich die Kosten decken lassen“, meint er und will versuchen, die Arbeitszeit weitestgehend mit seinen vier Vollzeitangestellten abzudecken.

Ein wenig haben sich die Öffnungszeiten verschoben. Das „Ambrosia“ öffnet bis auf Weiteres dienstags bis sonntags von 17 bis 22.30 Uhr.

Absprachen mit dem Ordnungsamt

Franco Nastri, Geschäftsführer der „Trattoria“ in Enger, spricht offen über seine Unsicherheit bezüglich der Wiederöffnung am Montagabend. „Ich warte jetzt auf das Ordnungsamt, das schaut und mir sagt, ob die Tische in meinem Außenbereich so stehenbleiben können.“

Auf der Terrasse des italienischen Restaurants an der Bielefelder Straße hat der Gastronom acht oder neun Tische aufgebaut. „Wenn ich davon jetzt noch die Hälfte wegräumen müsste, würde es echt schwierig, denn drinnen haben wir momentan maximal 30 Plätze und die meisten Gäste möchten im Sommer gern draußen sitzen“, erzählt Nastri.

Stress für den ganzen Berufsstand

Erste Reservierungswünsche, vor allem von Stammgästen, gingen bereits ein, „aber ich nehme keine Reservierungen an. Wer zuerst da ist, bekommt den Tisch und wenn voll, dann voll.“ Etwas näher zusammenrücken oder einen Wartebereich einrichten – das geht eben nicht. Zusätzlicher Aufwand: Jeder Gast muss sich im Eingangsbereich mit Namen und Kontaktdaten in eine Liste eintragen.

Sehr stressig sei die Situation für seinen gesamten Berufsstand. Die Lockerungen kämen unverhofft und stellten die Gastronomen vor das Problem, zwar Geld verdienen zu dürfen, ihre Kapazitäten aber nicht voll ausschöpfen zu können.

Wenn die Geschäfte nicht gut anliefen, wolle er lieber bis auf weiteres wieder schließen und nur den Abholservice, den er seit Beginn der Corona-Krise anbietet, weiterführen, meint Nastri.

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