Mit welchen Problemen Grundschulen bei der Vorbereitung des Neustarts kämpfen
Wie verhindert man Durchmischung?

Enger (WB). Dass am Donnerstag und Freitag die Grundschulen für alle Viertklässler öffnen, steht fest. Dass es danach weiter geht, ebenfalls. Nur wie genau, das ist immer noch nicht ganz klar. Für die Leiterinnen der Grundschulen – nicht nur in Enger – keine einfache Situation.

Mittwoch, 06.05.2020, 10:08 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 10:30 Uhr
Einzeltische, die genügend Abstand gewährleisten, sind eine der Maßnahmen, mit denen sich die Grundschulen in Enger auf den Neustart des Unterrichts am Donnerstag vorbereitet haben. Foto: Peter Monke

„Wir versuchen, auf jedes Szenario vorbereitet zu sein“, sagt Martina Küper, Leiterin der Grundschule Oldinghausen-Pödinghausen. „Und natürlich tauschen wir uns intensiv untereinander aus, um möglichst identische Konzepte zu verfolgen.“

Derzeit gehe man davon aus, dass ab kommender Woche alle vier Jahrgänge in einem rollierenden Verfahren tageweise in die Schule kämen. „Das würde bedeuten, dass jeder Jahrgang bis zum Start der Sommerferien noch sieben oder acht Schultage hat“, sagt Martina Küper.

Die Vorbereitungen auf den Neustart laufen seit den Osterferien. Dabei wurden zum Beispiel alle Schulräume vermessen, um zu ermitteln, wie viele Schüler unter Wahrung der Abstandsregeln darin unterrichtet werden können.

Engpass bei den Toiletten

„Bei uns sind das maximal zehn, das heißt zum Beispiel für die Viertklässler mit einer Klassenstärke von 28 Kindern, dass die Gruppe gedrittelt werden muss, sagt Küper. Antje Thiele, Leiterin der Grundschule Westerenger hat es da etwas leichter: „Unsere Räume sind größer, wir kommen mit dem Halbieren der Klassen hin.“

Um auf den Fluren Begegnungen der Kinder zu vermeiden, mussten für alle Gruppen eigene Zugänge zu ihrem jeweiligen Raum geplant werden. Auf dem Pausenhof soll es entweder Markierungen geben, wer sich wo aufhalten darf, damit nicht alle durcheinander rennen, oder es wird mit unterschiedlichen Pausenzeiten gearbeitet. Ein Engpass sind die Toilettenanlagen: Sie dürfen immer nur von einem Kind benutzt werden, auch wenn es theoretisch drei Kabinen gäbe.

„Die Durchmischung der verschiedenen Gruppen wie vorgeschrieben zu verhindern, ist die größte Herausforderung“, sind sich die Schulleiterinnen einig. Denn neben den Schülern, die gerade Unterricht haben, gibt es weiter eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten oder alleinerziehend sind – mit maximal fünf Kindern pro Gruppe.

Und für die Schüler, die gerade Unterricht haben, ist an diesem Tag bei Bedarf auch die OGS-Betreuung zu gewährleisten. „Um das zu planen, ist es gerade echt hilfreich, wenn man was von Mengenlehre versteht“, sagt Antje Thiele und lacht.

Informiert wird per Elternbrief

Bei so viel Regeln und Verboten ist es den Schulleiterinnen wichtig, dass der Charakter der Grundschulen nicht zu sehr verloren geht: „Unsere Einrichtungen leben davon, dass sich die Kinder wohl und angenommen fühlen“, sagt Martina Küper.

Aus vielen Gesprächen mit Eltern wisse sie, dass sich die Kinder fast durchweg sehr auf die Schule freuen, wegen der Corona-Lage aber auch manche Ängste mit sich herumtragen, zum Beispiel, wenn Oma und Opa mit unter einem Dach wohnen. „An diesem Punkt müssen wir die Kinder erstmal abholen, bevor unterrichtet werden kann“, sagt Martina Küper.

Bis zu den Sommerferien werden sich die Grundschulen dabei auf die Kernfächer Deutsch, Mathe, Englisch und Sachunterricht konzentrieren. Pro Schultag sind vier Unterrichtsstunden geplant. Wo es keine Abhängigkeit vom Bustransfer gibt, soll mit dem Unterricht etwas später begonnen werden, um die Mitarbeiter des OGS-Bereiches – der die Zeit bis etwa 16.30 Uhr abdecken muss – etwas zu entlasten. Dort muss vielerorts übrigens vorerst wieder selbst ein Mittagessen gekocht werden. Denn solange der OGS-Bedarf nicht sicher feststeht, liefert auch kein Caterer.

Über die genauen Planungen jeder Schule wird per Elternbrief informiert. Für alle Kinder, die gerade keinen Unterricht haben, läuft der Unterricht wie in den vergangenen Wochen zu Hause weiter. Aufgaben gibt es über eine Digitalplattform oder über ein Materialpaket, das Eltern in der Schule abholen können.

Und hier gilt die Devise: Jeder macht das, was er schafft. „Wir wissen, dass viele Eltern Sorge haben, dass ihr Kind jetzt viel versäumt. Diese Sorge möchten wir nehmen. Niemand erwartet, dass Eltern 1:1 ersetzen, was bei regulärer Beschulung möglich gewesen wäre“, sagt Antje Thiele.

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