Einkauf und Gespräche: 60 Helfer engagieren sich für die Nachbarschaftshilfe „Wir haben noch Kapazitäten“

Enger/Spenge (WB). Als Nicole und Lutz Plöger Mitte März die Nachbarschaftshilfe Enger/Spenge ins Leben riefen, hatten sie mit einer solchen Welle der Hilfsbereitschaft nicht gerechnet. „Es ist der Wahnsinn. Mittlerweile haben wir 60 Helfer und es werden täglich mehr“, sagt Nicole Plöger.

Von Christina Bode
Carsten Freese hat für eine ältere Dame eingekauft und liefert ihr die Lebensmittel nach Hause. Er ist einer von 60 Helfern, die sich in der Nachbarschaftshilfe Enger/Spenge engagieren, um ihren Mitmenschen zu helfen.
Carsten Freese hat für eine ältere Dame eingekauft und liefert ihr die Lebensmittel nach Hause. Er ist einer von 60 Helfern, die sich in der Nachbarschaftshilfe Enger/Spenge engagieren, um ihren Mitmenschen zu helfen. Foto: Daniela Dembert

Täglich sind die Helfer unterwegs, um für Menschen aus den Risikogruppen einzukaufen, mit Hunden spazierenzugehen oder auch Medikamente aus der Apotheke abzuholen. Zu den Helfern gehören Menschen unterschiedlichster Gruppen – Vereine wie Asyl Spenge haben sich genauso angeschlossen wie die Fahrschule Kronsbein, Schüler, Studenten und Eltern, die derzeit zu Hause sind.

Paten-System

„Wir haben ein Paten-System eingeführt“, berichtet Nicole Plöger. Jede Familie, die sich meldet, bekommt einen Paten zugewiesen, der ab sofort für sie zuständig ist. „Man kennt sich dann, weiß, wo der Einkauf abgestellt werden soll und kann ein nettes Gespräch durch das Fenster führen“, sagt sie. Auf diese Weise seien sogar schon Freundschaften entstanden. „Eine Frau sagte neulich zu einer Helferin, dass sie sich so darauf freue, sie irgendwann einmal in den Arm nehmen zu dürfen. Da geht einem wirklich das Herz auf“, sagt Nicole Plöger.

Sie hoffe, dass die ein oder andere Freundschaft auch über die Corona-Zeit hinaus anhalte. „Die Menschen sind einfach so dankbar über die Hilfe. Da ist auch schon die eine oder andere Träne geflossen“, sagt die Spengerin. Immer wieder erleben die Plögers und die vielen Helfer tolle Geschichten. „Am Dienstag hat eine Frau aus Bremen ihre Mutter zum Geburtstag überrascht. Sie hat ein Geschenk bestellt, das wir dann ausgeliefert haben“, erzählt Plöger.

Kostenlose Hilfe in Anspruch nehmen

Sie appelliert vor allem an die älteren Menschen und Angehörige von Risikogruppen, die kostenlose Hilfe in Anspruch zu nehmen. Carsten Freese, der regelmäßig für die Nachbarschaftshilfe einkaufen fährt, trifft noch oft ältere Menschen in den Supermärkten. „Niemand sollte Scheu haben, sich bei uns zu melden“, sagt Nicole Plöger. Es seien noch Kapazitäten frei. Der Einkaufsservice gelte auch für Leute, die „an der Front arbeiten“ und es nicht schaffen, einzukaufen.

Unter Telefon 05225/873573 nehmen Lutz und Nicole Plöger Einkaufswünsche entgegen und koordinieren die Fahrten.

Gespräche am Telefon

Wer keine Hilfe beim Einkauf benötigt, aber einfach mal wieder ein Gespräch führen möchte, der kann sich auch an Pastor Daniel Naurath von der Landeskirchlichen Gemeinschaft wenden, der sich ebenfalls der Nachbarschaftshilfe Enger/Spenge angeschlossen hat. „Das Angebot besteht bereits seit einigen Wochen, aber bislang steht mein Telefon noch still“, sagt der Engeraner.

Er ist derzeit auch unterwegs, um für andere einzukaufen. Regelmäßig würde er zudem die älteren Gemeindemitglieder anrufen und sich nach ihnen erkundigen. „Die Menschen freuen sich, mal etwas anderes zu hören“, sagt Naurath. Er ist zu erreichen unter Telefon 05224/9298805.

Versicherungsschutz

„Mit dem Ausbruch des Coronavirus hat sich das Leben vieler Menschen gravierend verändert. Besonders ältere Mitmenschen und Risikopatienten brauchen deshalb einen besonderen Schutz“, sagt Ulrike Harder-Möller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Enger. Sie begrüßt deshalb die Gründung der Nachbarschaftshilfe Enger/Spenge, durch die ein Lebensmittelservice möglich geworden ist.

Die Städte Enger und Spenge sichern den Helfern, die für die Nachbarschaftshilfe Enger/Spenge unterwegs sind, über die kommunale Unfallkasse NRW Unfall-Versicherungsschutz zu. Dieser bezieht sich ausschließlich auf die Stadtgebiete und für die Personen, die bei der Nachbarschaftshilfe gelistet sind. Versichert ist jeweils der Weg zum Einkauf sowie zu den Hilfesuchenden und zurück.

Auskünfte seitens der Stadtverwaltung Enger erteilt Ulrike Harder-Möller, Telefon 05224/9800-40 oder per E-Mail unter u.harder-moeller@web.de, in der Spenger Stadtverwaltung ist Heidrun Hellmann unter Telefon 05225/8768400 Ansprechpartnerin in Sachen Versicherungsschutz.

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