Gerberei-Museum kooperiert mit Schuhmacherwerkstatt und Unternehmen – 5000 Infoflyer
Vom Leder zum Schuh

Enger (WB/dd). Der Gürtel im Hosenbund, die Schuhe an den Füßen, die edle Aktentasche – diese ledernen Alltagsgegenstände sind ganz selbstverständlich. Jedoch weiß kaum jemand, wie viele Arbeitsschritte ihre Herstellung umfasst. Wer den Weg „Vom Leder zum Schuh“ kennenlernen möchte, kann sich jetzt auf selbigen machen und eine Tour durch drei museale Einrichtungen der Region unternehmen.

Montag, 02.03.2020, 09:00 Uhr
Haben gemeinsam einen Infoflyer gestaltet: Erhard Oerder (von links) und Harald Ghelleri vom Heimatverein Blomberg, Silke Rolf, Bernd Kohring, Wulfhild Kohring und Heidi Bartsch vom Gerberei-Verein Enger, Kulturpädagogin Sabine Rott und Puschenfabrikinhaber Klaus Süllwald. Foto: Daniela Dembert

Das Gerberei-Museum Enger kooperiert mit der historischen Schuhmacherwerkstatt in Blomberg und der Süllwald-Schuh GmbH in Bad Salzuflen. Ein gemeinsamer Infoflyer ist jetzt erstmalig in einer Auflage von 5.000 Exemplaren erschienen. „Es gibt viele verschiedene Themen, die man an den drei Standorten beleuchten kann und auch viele Berührungspunkte, die zusammen einen sehr umfassenden Einblick in die Facetten der Schuhherstellung liefern“, erklärt Sabine Rott, die als Kulturpädagogin bereits mit allen drei Einrichtungen zusammengearbeitet hat und die Initialzündung zu dieser Vernetzung der Stätten für historische Bildung hatte.

Vom Holzschuh zum Puschen

Gerber- und Schuhmacherhandwerk waren von jeher zwei eigenständige Zünfte. „Nur in Blomberg war das anders“, berichtet Rott. Die Stadt im Lippischen war einst eine Hochburg der Schuhproduktion, zählte bis zu 138 Schuhmacherwerkstätten und produzierte auch für den Export. Der Heimatverein der Stadt hat sich des Themas angenommen und hat in der Stadtbücherei eine historische Schuhmacherwerkstatt eingerichtet. Deren Ausstellung wurde im vergangenen Jahr von Schülern um den Bereich "Gerberhandwerk" erweitert.

Die Bad Salzufler Firma Süllwald ist eine von einst 40 Betrieben, die seit den 1920er Jahren Puschen herstellten. Dieser Industriezweig entwickelte sich eher zufällig, weiß Klaus Süllwald: „Die weltbekannte heimische Firma Hoffmann’s Stärke bekam ihre Materialien in schützendem Filzfließ geliefert. Dieser Filz wurde als Abfallprodukt entsorgt bis jemand auf die Idee kam, ihn als Innenfutter für Holzpantinen zu verwenden.“ Als der klobige Holzschuh nicht mehr zeitgemäß war, sollte er durch Schuhwerk aus dickem, robustem Filz abgelöst werden. Die Puschenproduktion hielt in Bad Salzuflen Einzug. Auch Engers Museum bietet einen authentischen Einblick in eine Handwerksstätte.

Alter Maschinenpark noch vorhanden

In der alten Gerberei der Familie Sasse ist der für die Produktion benötigte Maschinenpark noch vorhanden. „An jedem der drei Standorte gibt es Spannendes zu entdecken“, betont Sabine Rott. In Projekten habe sich gezeigt, dass Kinder, die zuvor keinen Bezug zum Alltagsgegenstand Schuh hatten, diesen ganz anders wertgeschätzt hätten, nachdem sie die vielen Produktionsschritte kennengelernt hätten.

Historische Lohgerberei

Zwar sind aktuell keine standortübergreifenden Projekte in Planung, denn die Engeraner Gerberei steht kurz vor der Sanierung des abgängigen historischen Teils der Lohgerberei, aber das Netzwerk besteht und alle drei Museen können einzeln oder auf einer Rundtour besucht werden. Die Infoflyer mit Kontaktdaten sind bei den drei Museen und an vielen öffentlichen Orten erhältlich und werden an Senioreneinrichtungen und Schulen geschickt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7303933?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514624%2F
Schleusener rettet Nürnberg vor dem Abstieg - Oral: «brutal»
Das Team des 1. FC Nürnberg jubelt über den erlösenden Treffer zum 3:1.
Nachrichten-Ticker