500 Besucher kommen zum Timpkenfest in die Stiftskirche Enger Widukinds Geschenk an alle Kinder

Enger (WB). Eigentlich ist der 6. Januar als Dreikönigstag bekannt. In Enger aber feiert man an diesem Tag noch etwas anderes: zum Gedenken an den Sachsenherzog Widukind, der am 6. Januar gestorben sein soll, sind alle Engeraner zum Timpkenfest in die Stiftskirche eingeladen.

Von Christina Bode
Melanie Tiemann ist mit ihren Kindern Fiete (8), Svea (neun Monate) und Tammo (6) aus Bünde gekommen, um von Landrat Jürgen Müller und Bürgermeister Thomas Meyer die Timpken vor der Stiftskirche in Empfang zu nehmen.
Melanie Tiemann ist mit ihren Kindern Fiete (8), Svea (neun Monate) und Tammo (6) aus Bünde gekommen, um von Landrat Jürgen Müller und Bürgermeister Thomas Meyer die Timpken vor der Stiftskirche in Empfang zu nehmen. Foto: Bode

Dennoch spielten die Heiligen drei Könige eine zentrale Rolle in dem Festgottesdienst, den Pastor Stephan Horstkotte zusammen mit dem Kindergottesdienst-Team aus Westerenger vorbereitet hatte. Die Sternsinger, die zum ersten Mal aus der evangelischen und katholischen Gemeinde kamen, zogen zusammen mit Horstkotte und dem katholischen Pfarrer Carsten Adolfs ein. Sie waren bereits am Sonntag in der Stadt unterwegs. Horstkotte konnte berichten, dass bei der Sammlung knapp 5000 Euro zusammengekommen sind.

In einem kleinen Einspiel wurde ein Teil der Weihnachtsgeschichte zusammen mit den Gottesdienstbesuchern nachgespielt. Die drei Weisen aus dem Morgenland wurden dabei von – so Horstkotte – den „drei weisesten Männern der Widukindstadt – Landrat Jürgen Müller, Bürgermeister Thomas Meyer und Pastor Eckardt Koch“ gespielt.

6000 Timpken

Zum Ausklang der Weihnachtszeit sangen alle Gottesdienstbesucher noch einmal „O du fröhliche“, bevor die Provisoren – weltliche und geistliche Würdenträger, wie Pastoren, Politiker oder Angehörige der Stadtverwaltung – vor den Kirchentüren die 6000 Timpken an die knapp 500 Gottesdienstbesucher verteilten. Der Legende nach habe Widukind zu seinem Gedächtnis ein Fest für alle Kinder veranstalten wollen, erklärte Horstkotte. „Am 6. Januar sollen deshalb alle Kinder in Widukinds Stadt beschenkt werden“, sagte er.

Drei der zahlreich erschienenen Kinder waren Fiete, Tammo und Svea Tiemann aus Bünde. „Ich bin schon als Kind immer zum Timpkenfest gekommen“, erzählte ihre Mutter Melanie Tiemann, die in Enger aufgewachsen ist. Da der achtjährige Fiete im Sachunterricht gerade die Widukindstadt Enger durchnimmt, wollte er gerne die Kirche einmal von innen sehen. „Da bot sich das Timpkenfest natürlich an“, sagte seine Mutter, die sich noch daran erinnert, die süßen Brötchen als Kind immer direkt gegessen zu haben. Und auch der neun Monate alten Tochter Svea schmeckte das Gebäck schon hervorragend.

Vortrag über Erinnerung an Widukind

Bevor es nach dem Gottesdienst ein gemeinsames Mittagessen gab, hielt Historiker Roland Linde aus Detmold einen Vortrag darüber, wie man sich im Mittelalter an Widukind erinnerte und wie sich in Erzählungen Fabuliererei, Umdeutungen und Fakten vermischen. Lindes Vortrag wurde kurz unterbrochen von Mirco Hartwig. Der Küster der Stiftskirche vermeldete dem Bürgermeister, er habe das Geläut zum Timpkenfest ordnungsgemäß durchgeführt und nun beendet. Dafür gab es vom Verwaltungschef traditionsgemäß eine Münze.

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