Heimatverein Enger stellt neuen Kalender vor – 13 Bilder aus dem Ortskern
»Wo Großmutter einkaufte«

Enger (WB). »Die haben die Milch mit dem Pferdefuhrwerk herumgefahren und mit einer Kelle direkt in die Kannen der Kunden gefüllt«, erzählt Gerd Giesselmann mit Blick auf die Schwarz-weiß-Aufnahme des Lieferwagens der Milchhandlung Wilhelm Schröder. Das Foto schmückt das September-Kalenderblatt.

Mittwoch, 02.10.2019, 14:00 Uhr
Hans-Helmut Prüser (von links), Jochen Liebold, Gerd Giesselmann, Werner Brakensiek, Claudia Schütte und Detlef Schultz zeigen einige Motive des druckfrischen Nostalgiekalenders mit Bildern aus der Widukindstadt anno dazumal. Foto: Daniela Dembert

»Wo Großmutter einkaufte« lautet der Titel des neuen Kalenders, den der Heimatverein für das Jahr 2020 herausgebracht hat. 13 Bilder aus dem Ortskern der Widukindstadt zieren die Monatsblätter und gewähren einen Blick auf den Handel zwischen 1920 und 1960. »Ohne das Archiv von Werner Brakensiek wäre das natürlich nicht möglich gewesen«, betont Giesselmann.

Früher-Heute-Vergleich

Einige Motive lassen den Früher-Heute-Vergleich zu. Eine Fotografie – dem Firmenschriftzug nach zu urteilen aus den 50er oder 60er Jahren – zeigt die heute noch am selben Ort befindliche Bäckerei Strack. Dieses Bild zeige sehr schön Kontinuität und Veränderung zugleich, findet der Vorsitzende des Heimatvereins. »Dürfte auch für junge Leute interessant sein, die die Bäckerei im heutigen Zustand kennen«, meint Werner Brakensiek.

Auf diesem Bild ist der Lebensmittelladen von »Brünger in der Wörde« zu sehen. Hinter dem Tresen steht Anneliese Sende.

Auf diesem Bild ist der Lebensmittelladen von »Brünger in der Wörde« zu sehen. Hinter dem Tresen steht Anneliese Sende. Foto: Repro/Dembert

Aber weil ja bekanntlich nichts so beständig ist wie die Veränderung, birgt der Kalender viele Bilder, die ganze Geschichten erzählen.

Das Januar-Motiv zeigt den Gemischtwarenladen Tiemann. »Wenn man als Kind in einen Laden ging, um sich für einen Groschen Schlickereien zu kaufen, sprach man die Frau hinter dem Tresen mit ›Tante‹ an«, blickt Brakensiek zurück. »Tante Tiemann« ist auf dem Bild auch persönlich zu sehen.

Wichtig bei der Motivwahl sind laut Giesselmann drei Kriterien gewesen: »Gebäude, Personen und Waren«, um einen nachvollziehbaren Eindruck der einstigen Engeraner Einkaufswelt zu geben.

»Fettbücklinge, Stück 20 Pfennig«

So sind denn auch auf dem Bild des Kolonialwarengeschäfts von Reinhold Gerdener in der Burgstraße neben zwei Mitarbeiterinnen einige Tagesangebote zu sehen. »Fettbücklinge, Stück 20 Pfennig« ist dort zu lesen. »Man darf nicht vergessen, die kirchlichen Vorgaben fanden früher viel mehr Beachtung. Da war völlig klar, dass jeden Freitag Fisch auf den Tisch kam«, gibt Gerd Giesselmann zu bedenken.

Auch sei die dörfliche Einkaufswelt früher weniger vom Fachhandel, als viel mehr von Läden wie »Heidemann« geprägt gewesen, wo es »einfach alles« gab. Schließlich habe niemand erst in die nächste größere Stadt fahren wollen, um sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken.

Von Registrierkasse bis Waage

Manche Bilder zeigen Außen-, andere Innenansichten. »In den Läden sieht man sehr schön die damals charakteristische Werbung, die Waage und manchmal auch eine Registrierkasse«, sagt Giesselmann.

Wie bei »Brünger in der Wörde« sei sehr häufig der Ladenbetrieb mit einem kleinen Ausschank einher gegangen, wissen die Heimatfreunde zu berichten.

Kalender ab jetzt erhältlich

Der Kalender ist ab sofort erhältlich in der Buchhandlung Liebold sowie bei Bürobedarf Schultz in der Burgstraße und im Haus der Bücher in der Steinstraße in Enger.

Mit diesem Pferdegespann hat Familie Schröder Milch ausgeliefert. Sie wurde mit einer Kelle direkt in die Kannen der Kunden geschöpft.

Mit diesem Pferdegespann hat Familie Schröder Milch ausgeliefert. Sie wurde mit einer Kelle direkt in die Kannen der Kunden geschöpft. Foto: Repro/Dembert

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