Hobbyzüchter Matthias Steger bringt »Schnucki« zum Unterricht an der Realschule Enger mit
Wenn ein Schaf in die Schule kommt

Enger (WB). Vorsichtig betritt »Schnucki« den Klassenraum und schaut sich um. Ein Schaf im Unterricht – da staunen die Mädchen und Jungen aus der 6b der Realschule Enger. Ganz vorsichtig treten die Kinder an das Tier und streicheln ihm sanft das hellbraune Fell.

Mittwoch, 02.10.2019, 07:00 Uhr
Vorsichtig streichelt Johanna Kassing (vorne rechts) das Schaf »Schnucki«. Matthias Steger (mit Tochter Johanna, vorne Mitte) hat es mit in den Unterricht an der Realschule Enger gebracht, damit die Schüler das Tier einmal »hautnah« erleben können. Da das Nolana-Schaf eine Handaufzucht ist, hat es keine Berührungsängste mit den Kindern. Matthias Steger hat zu Hause in Spenge immer zwischen zehn und fünfzehn Schafe im Stall. »Schnucki« aber ist etwas Besonderes. Foto: Kathrin Weege

Möglich gemacht hat den außergewöhnlichen Besuch Matthias Steger aus Lenzinghausen. Er züchtet hobbymäßig Schafe. Über seine Tochter Johanna (10), die selber die Realschule besucht, entstand der Kontakt.

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Hühner im grünen Innenhof der Realschule, ein Schaf im Unterricht: Lernen aus erster Hand – darauf setzt die Schule und vor allem Lehrer Meinolf Sandmeyer. Zunächst klingt es außergewöhnlich, doch für die Schüler ist es ein besonderes Erlebnis, wenn sie Tiere, denen sie sonst – wenn überhaupt – aus der Ferne begegnen, in der Schule hautnah erleben. Dass davon mehr hängen bleibt, als wenn man nur ein Buch über Schaf und Huhn liest, ist sicher – und vielleicht bleibt sogar ein bewussterer Umgang mit Fleisch hängen. Kathrin Weege

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Die Schüler wissen bereits, dass Schafe eigentlich eher scheu sind. Mit »Schnucki« aber ist das anders. »Sie ist an den Menschen gewöhnt, kennt es, mit einem Halsband an der Leine spazieren zu gehen«, verrät der 41-Jährige. Denn das Nolana-Schaf – eine Rasse, die nicht geschoren werden muss, sondern ihr Fell von alleine verliert – ist eine Handaufzucht. Die Mutter hatte »Schnucki« nicht angenommen. Matthias Steger erzählt: »Wir haben damals – es ist inzwischen drei Jahre her – den Familienrat einberufen und überlegt, was wir tun sollen. Schnell war klar, wie füttern das Lamm mit der Flasche groß.«

Acht Wochen im Haus gelebt

Die ersten acht Wochen lebte »Schnucki« mit im Haus, musste gut alle 45 Minuten gefüttert werden. »Wir Kinder haben dabei geholfen«, erinnert sich Johanna Steger. Das Tollste sei das Füttern der Milch gewesen.

Das Schaf folgte seinen Menschen auf Schritt und Tritt. »Sogar bis auf die Toilette«, sagt der Familienvater von sechs Kindern und muss schmunzeln. Mit der Zeit aber wurde »Schnucki« frech und wild. Sie wurde schließlich in die Herde draußen integriert. »Spazieren gehen an der Leine kann man bis heute mit dem Schaf«, sagt der Hobbyzüchter, dessen Tiere vor allem als Rasenmäher auf seiner großen Obstbaumwiese direkt am Haus dienen.

Respektvoller Umgang mit Tieren

Den Schülern will er den respektvollen Umgang mit dem Tier vermitteln. Das sei ihm auch bei seinen Kindern immer wichtig gewesen. Außerdem wollte er, dass sie wissen, wo das Fleisch herkommt und wie viel Verantwortung es bedeutet, sich um ein Lebewesen kümmern zu müssen.

Eine Schülerin wollte wissen: »Ist es bei Schafen wie bei Meerschweinchen? Sie mögen nicht alleine im Stall sein?« Steger erklärte ihr, dass Schafe Herdentiere sind und mindestens zwei Artgenossen brauchen.

Schaf »Schnucki« – eine Handaufzucht – schaut sich den Klassenraum an.

Schaf »Schnucki« – eine Handaufzucht – schaut sich den Klassenraum an. Foto: Weege

Was ein Schaf frisst, das zählten die Kinder gemeinsam auf: Gras, Heu, Möhren und es trinkt Milch. Steger muss lachen und korrigiert: »Milch trinkt es nur als junges Tier, später nimmt es Wasser zu sich.«

Meinolf Sandmeyer, Lehrer für Biologie und Erdkunde an der Realschule, ist Unterricht mit Erfahrungen aus erster Hand wichtig. »Ich möchte nicht, dass die Schüler im Internet über Schafe nachlesen, sie sollen sie erleben. So bleibt auch viel mehr hängen«, ist er überzeugt.

Hühner im Innenhof

Das Schaf ist nicht das einzige Tier an der Schule. »Wir haben aktuell zwei Hühner, die frei im Innenhof leben. Sie sind eine Leihgabe von Eltern für zwei Wochen«, so der Lehrer. Dem Federvieh scheint’s an der Schule zu gefallen. Zuverlässig legen die beiden Hennen täglich je ein Ei: ein braunes und ein grünes.

Schaf »Schnucki« aber war am Dienstag das Highlight – und das gleich für fünf fünfte und sechste Schulklassen.

Schnell weg – es regnet! Derzeit leben zwei Hühner im Innenhof der Realschule.

Schnell weg – es regnet! Derzeit leben zwei Hühner im Innenhof der Realschule. Foto: Weege

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