Hauptangeklagter flog auf, als er Marihuana am Widukindgymnasium verkaufte
Ex-Schüler gestehen Drogenhandel

Herford/Spenge/Enger (WB). Wegen Handelns mit Marihuana und Ecstasy in insgesamt 31 Fällen haben sich am Donnerstag drei ehemalige Schüler aus Enger und Spenge vor dem Jugendschöffengericht in Herford verantworten müssen.

Freitag, 06.09.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 10:20 Uhr
Beim Verkauf von Marihuana am Widukindgymnasium in Enger flog der Hauptangeklagte vor zwei Jahren auf. Foto: Ruth Matthes

»Da alle drei geständig sind, mit relativ geringen Mengen gehandelt haben, keine Drogen mehr konsumieren und offensichtlich nicht am Anfang einer Dealerkarriere stehen«, wie Richterin Dr. Tanja Schwöppe-Funk feststellte, kamen sie mit vergleichsweise geringen Auflagen davon.

Handel an mehreren Orten

Die härtesten Konsequenzen muss der Spenger U. (Namen geändert) tragen, der an allen 31 Taten beteiligt war. Dem 20-Jährigen wurde vorgeworfen, im August und September 2017 28 Mal jeweils geringe Mengen von Marihuana verkauft zu haben. Sein Mitangeklagter R. (heute 18) hatte sie zuvor besorgt. Den Erlös teilten sie sich.

Die Orte des Geschehens lagen in Enger und Spenge, darunter das Gymnasium, das U. damals besuchte, die Sporthalle Enger und der ZOB Spenge. Zu diesen Marihuana-Verkäufen kamen drei Fälle, in denen U. Ecstasy-Pillen an den Angeklagten M. (19) aus Spenge weitergegeben hatte, der diese – jeweils 20 bis 25 Stück – unter anderem auf dem Sportplatz Enger verkaufte.

Direktor informierte die Polizei

W. erklärte, er habe mit 15 oder 16 Jahren mit dem Kiffen begonnen und sei in den Drogenhandel gerutscht, weil er seinen eigenen Konsum damit finanzieren wollte. Er gab zu, damals drei bis vier Gramm Marihuana wöchentlich konsumiert zu haben.

Aufgeflogen war sein Treiben, nachdem der Direktor des Widukindgymnasiums die Polizei gerufen hatte, weil er den Verdacht schöpfte, U. handele auf dem Schulgelände mit Drogen. Die Beamten stellten bei ihm Marihuana sicher und sein Handy. Die Chatverläufe führten die Polizei unter anderem zu den beiden weiteren Angeklagten. U. flog sofort von der Schule.

Umdenken in Perspektivwerkstatt

Das Gericht glaubte ihm, dass er heute mit Drogen nichts mehr zu tun habe. Er hat seit einem Jahr eine feste Stelle im Einzelhandel und steht vor dem Beginn einer Lehre zum Speditionskaufmann. »Dies alles spricht für Sie«, so Dr. Schwöppe-Funk, »nicht jedoch die Tatsache, dass Sie im Juli 2017 schon einmal wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz an einer Verhandlung teilnehmen mussten.«

Das Verfahren wurde damals gegen die Auflage, an einer Perspektivwerkstatt der Drogenberatung teilzunehmen, eingestellt. U. erklärte, die spätere Werkstatt habe ihn dann zum Umdenken angeregt. Er wurde schließlich zu einer Geldstrafe von 800 Euro und einer Woche Arrest verurteilt. Die Richterin hoffte, »das ist heilsam«.

Sein Mittäter R. (18) aus Enger, der mittlerweile eine Ausbildung absolviert, erhielt eine Geldstrafe von 1200. Der Besuch einer Perspektivwerkstatt sowie 100 gemeinnützige Arbeitsstunden sollen M., der kurz vorm Studium steht, klarmachen, dass es keine Kleinigkeit ist, anderen Einstiegsdrogen wie Ecstasy zu verkaufen.

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