Dampfautos machen am Kleinbahnmuseum Halt – Rangierdiplom auf der Diesellok
Nostalgie auf Rädern

Enger (WB). Sehr leise, fast wie Elektroautos, sind die alten Schätze. Und kaum hat man sie auf der Straße erspäht, verschwinden sie eingehüllt in eine dichte, weiße Wolke.

Sonntag, 05.05.2019, 23:04 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 11:54 Uhr
Die Ehrenamtlichen des Kleinbahnmuseums haben am Sonntag die rote HK10, die Diesellok, die einst für die Herforder Kleinbahn im Einsatz war, aus der Fahrzeughalle geholt. Besucher konnten das Rangierlok-Diplom absolvieren und die Bahn selber zum Fahren bringen Foto: Daniela Dembert

»Die Stanley Steamer sind im Hinblick auf ihre Antriebstechnik schon wirklich etwas Besonderes«, sagt Gerd Althoff, Vorsitzender des Kleinbahnmuseumsvereins mit Blick auf die Dampfautos, die am Samstagnachmittag in der Widukindstadt Station gemacht haben. Mehrere Wagen der Baujahre 1906 bis 1927 sind auf ihrer Rundfahrt, die am Meller Automobilmuseum gestartet war, auf ein Schlückchen Wasser am Engeraner Kleinbahnmuseum eingekehrt.

Ein Stanley Steamer.

Ein Stanley Steamer. Foto: Daniela Dembert

Die Fahrzeuge stammen aus Großbritannien, Belgien und den Niederlanden und gehören in der Automobilwelt zu den echten Raritäten. Dicke Wasserdampfwolken ziehen die Nostalgiemobile hinter sich her. Gerade mit Blick auf die Debatten um Stickoxide sind die Vehikel einfach eine saubere Sache, meint Althoff und bedauert: »Leider hat sich diese Technik damals nicht durchgesetzt.«

An mangelnder Leistung der Steamer kann es nicht gelegen haben. »Die haben so 180 Stundenkilometer gemacht. Allerdings waren die Straßen damals noch nicht für solche Geschwindigkeiten ausgelegt und der Fahrkomfort ließ aufgrund mangelnder Stoßdämpfung dann doch sehr zu wünschen übrig«, erzählt Althoff.

Tankstopps für neues Wasser

»Die Rekordgeschwindigkeit eines dieser Dampfautos lag 1906 bei 205 Stundenkilometern«, kann Heiner Rössler vom Automuseum Melle den Superlativ genau beziffern. Nachteil der Straßendampfer: sie brauchen lange Zeit, um aufzuheizen. »So etwa eine Stunde«, schätzt Gerd Althoff, braucht ein Steamer, um auf die Temperatur zu kommen, mit der er genug Dampfdruck erzeugt. »Deshalb wird der Wasserkessel von ganz vielen Brennern erhitzt und einer bleibt nach dem Start des Fahrzeugs immer in Betrieb, um den Kessel auf Temperatur zu halten, bis der Wagen final abgestellt wird.«

Während die Dampfautos im vergangenen Jahrhundert vornehmlich mit Petroleum befeuert wurden, ist es heute ein Gemisch aus Diesel und Benzin, mit dem der Brenner gefüttert wird. Regelmäßige Tankstops waren angesagt, um Wasser nachzufüllen. Spätere Modelle waren mit Kondensatoren zur Dampfrückgewinnung ausgestattet, um größere Reichweiten zu erzielen.

Unterweisung im Führerhaus

Der Sonntag stand dann wieder im Zeichen des Schienenverkehrs. Große und kleine Besucher kamen zahlreich, um unter Anleitung von Maschinenbau-Ingenieur Maik Drechsel das Rangierlok-Diplom zu erlangen. Für diesen Tag haben die Ehrenamtlichen des Museums die rote HK10, die Diesellok, die einst für die Herforder Kleinbahn im Einsatz war, aus der Fahrzeughalle geholt.

Wer mochte, konnte sich im Führerhäuschen eine Unterweisung in Beschleunigen, Bremsen und Fahrtrichtungswechsel geben lassen und selbst Hand anlegen. »Wichtig ist: erst die Fahrtrichtung einstellen, dann die Bremse lösen«, weiß Luca zu berichten. Der Siebenjährige hat aufgepasst und bekam von Hans Schwerdter sein Rangierlok-Diplom ausgestellt.

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