26-Jähriger aus Enger wegen Betrugs und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor Gericht
Angeklagter auf Video nicht zu erkennen

Enger/Bad Oeynhausen (WB). Er soll mit einem Auto, das nicht zugelassen war und Kennzeichen eines anderen, baugleichen Fahrzeugs hatte, dreimal an unterschiedlichen Tankstellen in Bad Oeynhausen getankt haben, ohne zu bezahlen. Außerdem soll er ohne Führerschein gefahren sein: Dafür musste sich am Donnerstag am vierten Verhandlungstag ein 26-jähriger Mann aus Enger vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen verantworten.

Freitag, 05.04.2019, 04:30 Uhr
Einen Führerschein wird der Angeklagte sobald nicht in Händen halten. Mehrfach wurde er beim Fahren ohne erwischt. Foto: dpa

Von Beginn des Prozesses an streitet der junge Mann die Taten ab. Nun sollte ein anthropologisches Gutachten zu Klärung beitragen. Mehr als eine Stunde lang trug die Sachverständige Kerstin Kreutz ihre Untersuchungen vor. Sie hatte Bilder vom Tanken an den drei Tankstellen miteinander verglichen und diese dann Bildern vom Angeklagten gegenüber gestellt. Sie hatte unter anderem die Größe des Autos mit der Person in Relation gesetzt, Merkmale wir Körperhaltung und -stellung verglichen. »Das Bildmaterial ist problematisch. Ein Beweiswert in der Offensichtlichkeit fehlt«, führte Kreutz aus. Am Ende kam sie zu dem Schluss, dass sie zwar nicht ausschließen könne, dass der Mann, der auf der Videoüberwachung zu sehen ist, der Angeklagte sei. Aber es gebe auch nur eine Tendenz zur Wahrscheinlichkeit.

Kennzeichenmissbrauch

In diesem Moment hoffte der Verteidiger des 26-Jährigen auf einen Freispruch. Doch den sah die Staatsanwältin nicht. »Selbst wenn der Betrug und das Fahren ohne Fahrerlaubnis raus sind«, sagte sie, »ist der Kennzeichenmissbrauch weiter in der Welt.« Damit meinte sie, dass der Angeklagte den Wagen entweder selbst zur Tankstelle gefahren oder er zugelassen habe, dass jemand anderes ihn fahre. Und das mit falschen Kennzeichen und ohne dass der Wagen eine gültige Haftpflichtversicherung gehabt habe.

Dem entgegnete der Anwalt, dass der Engeraner den Wagen bereits vor der Tat verkauft habe. »Ein Zeuge hat das auch bestätigt«, meinte er. Die Staatsanwältin zweifelte das an und zum deutlichen Unmut des Verteidigers wurde ein weiterer Verhandlungs-Termin für den 25. April anberaumt.

Sozialstunden erbeten

Einen Führerschein hat der Engeraner bereits seit 2014 nicht mehr. »Ich bin in der Probezeit ein paar Mal geblitzt worden«, erklärte er am Donnerstag den Verlust des »Lappens«. Allein zweimal habe er damals jeweils drei Punkte kassiert. Der Führerschein wurde eingezogen.

In den folgenden Jahren ist er dann dreimal beim Fahren ohne Führerschein erwischt und deswegen zu Geldstrafen verurteilt worden. Seine monatlichen Raten in Höhe von 50 Euro zahlt der 26-Jährige aktuell allerdings nicht, wie die Staatsanwältin feststellte. Der Engeraner hatte eine Ausbildung abgebrochen, sich anschließend mit Jobs über Wasser gehalten. Heute macht der verheiratete Vater eines sechs Monate alten Kindes eine Umschulung zum Maschinen- und Anlageführer. Monatliches Einkommen: 1000 Euro. Seine Geldstrafen möchte er in Sozialstunden umwandeln. 630 Stunden hat er laut Richter Dr. David Cornelius insgesamt abzuleisten. 548 davon sind noch offen. »Bewerbungen«, so der Angeklagte, würden derzeit laufen.

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