Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe spricht vor Evangelischem Männerkreis
»E-Technik auch für Busse interessant«

Enger (WB/dd). Wenn Dr. Sigrid Evelyn Nikutta vom Wunsch nach einem parkplatzfreien Berlin spricht, klingt das für den Engeraner, der gewohnt ist, für Besorgungen mit dem Auto bis vor die Ladentür zu fahren, befremdlich. Beim Männerkreis der Evangelischen Kirchengemeinde hat die in Enger aufgewachsene Managerin jetzt von ihren Zukunftsvisionen als Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) berichtet.

Donnerstag, 07.02.2019, 11:06 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 11:20 Uhr
Horst Stothfang (von links) hatte Dr. Sigrid Evelyn Nikutta in den evangelischen Männerkreis eingeladen, zu dem auch Bernd Kohring und Ludwig Hoppe gehören. Foto: Daniela Dembert

»In Berlin arbeiten wir hart daran, keine Parkplätze mehr zu haben«, sagte sie schmunzelnd. Für Individualverkehr sei eigentlich kein Platz. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) habe Vorrang. »Die Stadt wächst jährlich um 60.000 Einwohner«, erklärte die 49-Jährige. Das stelle enorme Anforderungen an die Entwicklung des Wohnungsmarkts und der gesamten Infrastruktur. »Wir haben zu wenig Kindergartenplätze, zu wenig Wohnraum und Busse und Straßenbahnen sind ständig überfüllt, obwohl Busse im Zehnminutentakt und Bahnen sogar noch häufiger fahren«, umriss Nikuttta grundlegende Probleme.

Erfolgreiche Managerin

Vor allem in Westberlin gibt es Nachrüstbedarf im Straßenbahnnetz, denn während man zu DDR-Zeiten im Osten des geteilten Berlins auf das erschwingliche Massenfortbewegungsmittel gesetzt hatte, stand im Westen der Individualverkehr im Fokus.

Dr. Nikutta ist eine erfolgreiche Managerin. 2010 wurde die promovierte Psychologin als erstes weibliches Vorstandsmitglied in der Betriebsgeschichte der BVG vom Aufsichtsrat zur Vorstandsvorsitzenden gewählt und hatte zuvor mehrere leitende Positionen im Unternehmen Deutsche Bahn durchlaufen. Die BVG beschäftigen 15.000 Mitarbeiter und haben mit 3000 Fahrzeugen im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Fahrgäste befördert, Tendenz steigend.

Tanken noch ein Problem

Neben Netzausbau und Taktung steht derzeit die Frage nach umweltfreundlichen Fahrzeugen im Vordergrund. »Ein Linienbus legt bei uns circa 400 Kilometer täglich zurück. Elektrobusse haben eine Reichweite von 150 Kilometern. Wenn wir plötzlich Wartezeiten von 20 Minuten haben, weil die Fahrzeuge aufgeladen werden müssen, kommt die ganze Stadt ins Rotieren und die Stimmung kippt ganz schnell«, so Nikutta. Deshalb werde über verschiedenste Möglichkeiten des Aufladens, beispielsweise während des Wartens an Ampeln, nachgedacht.

Großes Thema in Sachen Hauptstadtverkehr ist der Service. Eine Smartphone-App hilft nicht nur, Verbindungen von Bussen und Bahnen zu finden, sie zeigt auch in der Nähe befindliche Taxis und Car-Sharing an und dient zum Ticketerwerb. Während in OWL die Verbindungen gern an der Ortsgrenze enden und Fahrten von einer Stadt zur anderen weniger eng getaktet sind, ist in der stetig wachsenden Großstadt Berlin auch das Umland einbezogen. »Bei der Wachstumsrate dieser Stadt ziehen natürlich auch viele Menschen nach Brandenburg, die dann nach Berlin pendeln. Auch hier müssen wir gute Verbindungen vorhalten«, sagt Nikutta.

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