Mit Smartphone ins Engeraner Gerbereimuseum – Schüler entwickeln Rallye für Besucher
Kleiner Kraftakt: Eichenrinde wird zersägt

Enger (WB). Auf geht’s ins Gerberei-Museum und das Smartphone darf mit! Denn wo Geschichte bisher ganz analog entdeckt und erlebt werden konnte, ist das museumspädagogische Konzept jetzt um eine spannende Facette erweitert worden.

Montag, 04.02.2019, 12:04 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 12:10 Uhr
Gordon (8) und André Schomäcker probieren aus, wie anstrengend es tatsächlich ist, drei Minuten lang Eichenrinde für die Lohe zu zerkleinern. So erleben sie, wie viel Körpereinsatz die Menschen damals in dem Beruf aufbringen mussten. Foto: Daniela Dembert

Kinder der offenen Ganztagsbetreuung der Grundschulen Oldinghausen/Pödinghausen und Belke-Steinbeck/Besenkamp haben gemeinsam mit den Kulturpädagoginnen Regine Höweler und Sabine Rott eine Rallye entwickelt, die via Smartphone-App durchlaufen werden kann. Fördergelder kommen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms »Kultur macht stark«.

Museale Arbeit durch Kinderaugen betrachten

Wie haben Gerber früher eigentlich gelebt, wie sah die Arbeitskleidung aus, was kam auf den Teller und wie angesehen war dieser Beruf? Vielen Fragen, die sie selbst interessierten, sind die Teilnehmerkinder nachgegangen.

»Für uns ist das eine einmalige Chance, museale Arbeit durch Kinderaugen zu betrachten. Das zeigt uns, wo die Interessen der jungen Besucher liegen«, sagt Karsten Glied, Vorsitzender des Museumsvereins und führt aus: »Als ehrenamtlicher Museumsbetreiber war die pädagogische Arbeit bisher unsere schwache Seite.«

Kooperation ist Glücksfall

Die Kooperation mit den Grundschulen und den Kulturpädagoginnen sei ein nachhaltiger Glücksfall für das Museum, denn die App mit der Rallye steht auch künftig den Besuchern der Gerberei zur Verfügung.

Die Schüler haben sich in der sechsmonatigen Projektdauer zu Experten entwickelt, die ihr Wissen gern und selbstsicher an andere Kinder und auch an Erwachsene vermitteln.

Schon bald starten die nächsten Gruppen der Grundschulen Westerenger und Enger-Mitte ihre Projektreihe zu der Frage: »Wie würdet ihr anderen Kindern das Museum vorstellen?« »Es kann sein, dass sich diese Gruppen etwas ganz anderes ausdenken, beispielsweise einen Film drehen wollen«, sagt Sabine Rott.

Mehrere Stationen

Am Wochenende stellten die jungen Akteure des ersten Durchlaufs ihre erarbeiteten Ergebnisse vor. Alles, was die Schüler zu den verschiedenen Themenbereichen rund ums Leder und das Gerberhandwerk herausgefunden haben, trugen sie den Besuchern in Kleingruppen vor. »Das machen die Kinder heute persönlich. Ansonsten sind diese Texte in der App nachzulesen«, berichtet Rott.

An mehreren Stationen mussten dann die Museumsgäste ran. Getreidekaffee wurde verköstigt und der Geschmack musste via Spracheingabe ins Smartphone umschrieben werden, bevor es zur nächsten Station ging. Wenn die Eltern sich plötzlich – verkleidet in Gerberkluft – fotografieren lassen müssen, um die Station ordnungsgemäß abzuarbeiten, wird schon mal geschmunzelt. Ins Schwitzen kommen dann alle Beteiligten beim Zerkleinern der früher für die Gerb-Lohe benötigten Eichenrinde.

Entstanden ist eine kindgerechte und abwechslungsreiche Interaktionsreise durch das Museum, auf der es vieles auszuprobieren gibt.

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