Foto-Ausstellung im Haus der Kulturen zeigt Wege zur Integration auf Fluss des Lebens dokumentiert

Enger (WB). Mit runzliger Stirn nehmen zwei Frauen ein Formular in Augenschein, Kinder tanzen ausgelassen, ein großes Stück Stoff wird einem jungen Mädchen über die Schultern gelegt. Zwei Dutzend großformatige Fotografien zieren derzeit das Haus der Kulturen. Die Bilder zeigen Portraits und Alltagssituationen von sieben »Tandems«, zusammengesetzt aus Engeranern und geflüchteten Menschen, die sich in der Begegnungsstätte gefunden haben. Die Fotografien sind Grundlage der Ausstellung »Angekommen! Wege zur Integration - Willkommen in Enger«, die auf Anstoß des Diplom-Fotografen Reimar Ott entstanden ist. Sie werden begleitet von kurzen Texten über die beteiligten Personen, verfasst von der Journalistin und Mitwirkenden der Initiative »Willkommen«, Martina Chudzicki.

Von Daniela Dembert
Fotograf Reimar Ott (von links), Britta Oertmann und Martina Chudzicki haben das Projekt »Angekommen!« ins Leben gerufen.
Fotograf Reimar Ott (von links), Britta Oertmann und Martina Chudzicki haben das Projekt »Angekommen!« ins Leben gerufen. Foto: Daniela Dembert

Die entstandenen Momentaufnahmen vielfältiger Integrationsarbeit auf ehrenamtlicher Basis sind Zeugnisse eines positiven, bejahenden Umgangs mit einer für alle Beteiligten neuen Lebenssituation. Darüber hinaus dokumentiert die begleitend erschienene Broschüre eindrücklich, auf welch unterschiedliche Weise Eingliederung erfolgen kann: sei es durch Musik, Mitgliedschaft in einem Verein oder durch Religion. Erwähnung finden auch die Schwierigkeiten, mit denen sich Ehrenamtliche konfrontiert sehen.

Menschliches dokumentiert

»Er ist ein beobachtender Fotograf, der versucht, den Fluss des Lebens zu dokumentieren«, sagte Professor Roman Bezjak in seiner Einführung zur Ausstellung über seinen ehemaligen Studenten Reimar Ott. Interessant an den Bildern sei, dass »hier zusammenwächst, was nicht unbedingt zusammengehört«.

»Dieses Projekt ist die Dokumentation von etwas sehr Menschlichem und zeigt, dass Engagement keine Einbahnstraße ist. Die Ehrenamtlichen betonen immer wieder, wie viel sie zurückbekommen« meinte Bürgermeister Thomas Meyer. Gut ein Jahr nach seiner Eröffnung sei das Haus der Kulturen aus Enger kaum noch wegzudenken. Die Angebote seien vielfältig und die dort geleistete Haupt- und ehrenamtliche Arbeit trage zu einem guten Miteinander aller in der Widukindstadt bei.

Fotograf bezeugt Respekt

Der Leiter des Dezernats für Städtebauförderung der Bezirksregierung, Uwe Rafflenbeul blickte zurück auf 2015, als »man morgens noch nicht wusste, wo die für den Tag angekündigten Ankömmlinge abends schlafen werden«. Landrat Jürgen Müller betonte, Heimat sei kein statischer Begriff, sondern unterliege einem Wandel, auf den sich einzulassen lohnenswert sei. Fotograf Reimar Ott erklärte: »Mein tiefer Respekt gilt den Ehrenamtlern«.

Während des Kirschblütenfests kann die Ausstellung im Haus der Kulturen am Freitag von 15 bis 19 sowie am Samstag und Sonntag von 13 bis 19 Uhr besucht werden.

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