Anklageschrift mangelhaft: Albaner kommen frei Drogenprozess geplatzt

Enger/Bielefeld (WB). Er war zu Ende, noch bevor er richtig angefangen hatte: Der Drogenprozess, in dem auch ein Engeraner angeklagt war, ist geplatzt. Das Landgericht Detmold hat am zweiten Verhandlungstag das Verfahren eingestellt, weil die Anklageschrift nicht präzise genug verfasst worden war.

Von Ulrich Pfaff
Prozess am Landgericht Bielefeld.
Prozess am Landgericht Bielefeld. Foto: dpa

Wie berichtet, war der 20-jährige, in Bielefeld lebende Albaner angeklagt, Mitglied einer Bande zu sein, die vor allem in Bielefeld, Paderborn und im Kreis Lippe Drogenhandel in beachtlichem Ausmaß betrieben haben soll.

Drogenboss aus Enger

Insgesamt acht Angeklagte, alle Albaner, sollen als mittlere und untere Ebenen der Bande mit einem 27-Jährigen aus Enger als Boss Kokain und Marihuana verkauft haben.

Der Bielefelder wurde den »Unterverteilern« der Bande zugerechnet und soll die Drogen zur Weitergabe an Straßenverkäufer erhalten haben. Schon zum Prozessauftakt vor eineinhalb Wochen hatten die Verteidiger – insgesamt 15 – etliche Anträge gegen die Große Jugendkammer des Detmolder Landgerichts gestellt. Einer davon zeigte die Richtung, die das Verfahren jetzt genommen hat: In der Anklageschrift würden den einzelnen Angeklagten keine konkreten Taten zugewiesen. Dies genüge nicht den Anforderungen, daher solle das Verfahren eingestellt werden.

Anklageschrift soll teilweise dürftig sein

Während die Kammer zum Prozessauftakt diesen Antrag noch ablehnte mit der Begründung, man sehe einzelne Taten als ausreichend konkret dargestellt, kam jetzt die Kehrtwende. Sogar der Staatsanwalt räumte ein, die Anklageschrift sei teilweise dürftig. Richterin Anke Grudda teilte mit, das Gericht habe Bedenken, weiter zu verhandeln: Die zu erwartende umfangreiche Beweisaufnahme mache wenig Sinn, wenn sich das Risiko abzeichne, dass der Bundesgerichtshof später in einer Revision das Detmolder Urteil wegen Verfahrensfehlern aufhebe. Letztlich entschied die Kammer, das Verfahren gegen die acht Angeklagten einzustellen. Was jedoch nicht bedeutet, dass die Männer aus dem Schneider wären: Die Staatsanwaltschaft wird erneut Anklage erheben wegen der Drogengeschäfte, muss aber dann deutlich genauer einzelne Taten den mutmaßlichen Dealern und Bandenmitgliedern zuordnen. Bis das geschehen ist, sind die Albaner freie Männer: Die Haftbefehle mussten aufgehoben werden.

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