20 Jahre GTE – Organisator Günter Niermann betont Potenzial der Älteren Worauf sich Senioren vorbereiten müssen

Enger (WB). Senioren haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert: Die Zeit nach dem Renteneintritt wird immer länger. Das schafft neue Möglichkeiten, wie Günter Niermann vom Generationentreff Enger (GTE) analysiert.

Von Jan Gruhn
Günter Niermann (2. von rechts) vom Generationentreff moniert, dass die Gesellschaft mit Blick auf Senioren immer noch zu sehr vom Defizit-Modell ausgehe. Dabei könnte die ältere Generation durchaus noch viele wertvolle Beiträge leisten.
Günter Niermann (2. von rechts) vom Generationentreff moniert, dass die Gesellschaft mit Blick auf Senioren immer noch zu sehr vom Defizit-Modell ausgehe. Dabei könnte die ältere Generation durchaus noch viele wertvolle Beiträge leisten. Foto: Jan Gruhn

Und Niermann – selbst mittlerweile 73 Jahre alt – sollte wissen, wovon er spricht. Denn schon lange Zeit ist er organisatorischer Kopf des GTE, der exakt am 1. April sein 20-jähriges Bestehen gefeiert hat. Entstanden aus einem Modellprojekt des Landes zwischen 1998 und 2000 sieht Niermann den Treff heute als Kommunikationsplattform für eine am Gemeinwesen orientierte Seniorenarbeit.

»Man geht immer noch zu stark vom Defizit-Modell aus«

Doch was bedeutet es heute eigentlich, Senior zu sein? »Man geht immer noch zu stark vom Defizit-Modell aus«, meint Niermann. »Also davon, was ältere Menschen nicht mehr können.« Stattdessen solle die Gesellschaft lieber darauf schauen, wo Senioren ihre Fähigkeiten noch gewinnbringend einsetzen könnten. Als Lesepaten in Grundschulen und Kindergärten zum Beispiel, wie es in Enger passiert.

Die Ausgangslage ist gut: Deutschland wird älter, doch die Rentner waren noch nie so fit. Das birgt laut Niermann großes Potenzial für das Ehrenamt. »Egal, was man gelernt hat: Dort kann man seine Fähigkeiten einsetzen«, sagt er. Hinzu komme, dass sich auch der Charakter des Ehrenamtes verändert habe. »Früher ging es dabei vor allem um karitative Zwecke.« Heute gehe es darum, sich nach dem Ende der Erwerbstätigkeit selbst zu verwirklichen. Und das Schöne daran: »Es bleibt alles freiwillig.«

»Es bleibt alles freiwillig«

Im Mittelpunkt steht die Zeit – in der heutigen Gesellschaft ein hohes Gut. »Es ist natürlich ein Luxus des Seniorenlebens, Zeit zu haben«, sagt Niermann. Wer diesen Schatz mit anderen teile, der bekomme auch viel zurück. Dass die Bevölkerung immer älter wird, erzeugt aber auch Konflikte.

Je älter die Menschen, desto mehr Geld fließt ins Gesundheitswesen ab. Die Jungen müssen arbeiten und für die Rente der Alten aufkommen. »Scharfmacher wird es immer geben«, meint Niermann. Zumindest im GTE seien alle Angebote offen für Jung und Alt, das Miteinander funktioniere.

Bei allen Vorteilen des Rentner-Daseins: Niermann betont, dass man sich auf das Alter vorbereiten müsse – und macht es an einem Beispiel deutlich. »Als ich meine Lehre bei Miele angefangen habe, ging dort ein Mann in Rente.« Trotzdem kam er danach noch jeden Tag mit seinem Mittagessen zur Arbeitsstelle, zum Plauschen eben. Dann habe man ihm mitgeteilt, dass das aus arbeitsrechtlicher Sicht nicht erlaubt sei. Er musste zu Hause bleiben. »Vier Wochen später stand die Todesanzeige in der Zeitung.«

Enkel sind irgendwann erwachsen

Im Gegensatz dazu habe Niermanns Mutter gestanden: »Man musste sie erst anrufen, damit man sie zuhause treffen konnte. Sie war ständig unterwegs«, sagt Niermann. »Wir müssen uns aufs Alter vorbereiten«, sagt der 73-Jährige. »Der Mann bei Miele hat es nicht getan.« Von Bald-Rentnern höre er ständig: »Dann habe ich ja meinen Garten.« Oder: »Da sind dann meine Enkel.«

Aber im Winter sei im Garten wenig los – und die Enkel seien auch irgendwann groß. Wer sich rechtzeitig eine neue Aufgabe suche, könne das Leben als Senior genießen, meint Niermann. der nach eigenen Angaben 50 bis 60 Stunden pro Woche im GTE »rumrödelt«.

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