Engeraner genießen zipfelförmige Brötchen beim »ältesten Kinderfest Deutschlands« Hunderte feiern Timpkenfest

Enger (WB/dd). Sie sind süß, weich und heiß begehrt: die Weißmehlbrötchen, Timpken genannt. Alle Hände voll zu tun hatten am Samstag die Provisoren, die das Backwerk aus riesigen Weidenkörben in die Beutel der Gottesdienstbesucher verteilten.

Elli Flörkemeier lässt sich von Polizeihauptkommissar Dieter Lorenz eine ordentliche Portion Timpken einpacken, die sie mit Ehemann Heinz und den Enkeln genießen möchte.
Elli Flörkemeier lässt sich von Polizeihauptkommissar Dieter Lorenz eine ordentliche Portion Timpken einpacken, die sie mit Ehemann Heinz und den Enkeln genießen möchte. Foto: Dembert

Zu Hunderten waren diese gekommen, um in der Stiftskirche das Timpkenfest zu feiern. »Pur oder nur mit Butter drauf« schmecken sie Bürgermeister Thomas Meyer am besten. Auch als »Wittekindspende« bekannt, geht diese Tradition zurück auf den Sachsenherzog Widukind, der die Schenkung einst anlässlich seines Todestages als fortwährende Erinnerung angeordnet haben soll.

»Es ist das älteste Kinderfest Deutschlands«, erzählte Pastorin Almut Braun während des Gottesdienstes. Widukind habe sich gewünscht, man möge ihm nicht nur als Feldherrn gedenken, sondern auch als Freund der Kinder, so Braun.

Kinder lauschen der Morgenland-Geschichte

An diesem Tag möge jeder das Backwerk auch an andere verteilen. »Selbst beschenkt werden und die Freude darüber an andere weitergeben«, sei die Devise. Weil der Sachsenherzog am 6. Januar verstorben sein soll, fällt das Fest zusammen mit dem Dreikönigstag.

In kindgerechten Worten vermittelte die Pastorin Bedeutung und Wert selbst der Kleinsten unter uns. »Lachen, Fröhlichkeit, Licht und Wärme können wir alle weitergeben«, ermunterte Braun die Gottesdienstbesucher, unter denen sich zahlreiche Kinder befanden, die gespannt die dargestellte Geschichte der Weisen aus dem Morgenland verfolgten.

Nach dem Gottesdienst lässt Lenia sich vor den Toren der Stiftskirche einen der süßen »Zipfel« schmecken. Seit sie zurück denken kann, besucht die Siebenjährige mit ihrer Familie das Timpkenfest. Ob es schmeckt? Da kann die Grundschülerin nur mit vollen Backen nicken.

Polizeihauptkommissar verteilt die Timpken

Elli Flörkemeier lässt sich von Polizeihauptkommissar Dieter Lorenz den Baumwollbeutel mit Brötchenstücken füllen. Das Timpkenfest hat einen festen Eintrag in ihrem Kalender . »Früher sind wir mit den Kindern gekommen, heute mit unseren Enkeln«, erzählt die Engeranerin. Auch sie möchte Freude weitergeben und fischt aus ihrer Handtasche einen weiteren Stoffbeutel, den sie einer Frau schenkt, die nichts zum Einpacken der Timpken bei sich hat. »Dann können sie die doch mit ihrer Familie gemeinsam essen«, sagt Flörkemeier.

Der im Anschluss an den Gottesdienst stattfindende Vortrag wird noch einmal kurz unterbrochen: Küster Mirco Hartwig vermeldet dem Bürgermeister, er habe das Geläut ordnungsgemäß beendet. Dafür gibt es vom Verwaltungschef, auch diese Tradition sei wohl gepflegt, eine Münze.

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