Mehr Barrierefreiheit: Rollatornutzer und Rollstuhlfahrer benennen Knackpunkte »Historisches Pflaster größtes Problem«

Enger (WB). Zu hohe Bordsteinkanten, unwegsame Wechsel zwischen Bodenbelägen, unzureichende Beschilderung. Im Bild einer gewachsenen Stadt finden sich viele Barrieren und kleinere Hürden die die reibungslose Fortbewegung einschränken.

Von Daniela Dembert
Am Übergang zum Fußweg in der Maiwiese könnte Hand angelegt werden. Die Steigung ist dort recht steil und der Übergang zwischen Asphalt und Parkweg bietet Stolperfallen. Das haben die Bürger bei einem Stadtrundgang festgestellt.
Am Übergang zum Fußweg in der Maiwiese könnte Hand angelegt werden. Die Steigung ist dort recht steil und der Übergang zwischen Asphalt und Parkweg bietet Stolperfallen. Das haben die Bürger bei einem Stadtrundgang festgestellt.

Die Stadtverwaltung hatte interessierte Bürger am vergangenen Samstag zu einem Stadtrundgang eingeladen, bei dem ausgelotet werden sollte, wo Verbesserungsmöglichkeiten bestehen. Etwa 60 Mitglieder von Parteien, Vereinen und Initiativen sowie Privatpersonen waren der Einladung gefolgt. »Barrierefreiheit ist in einer Stadt mit historischem Kern, deren Atmosphäre erhalten bleiben soll, nicht umsetzbar. Wir schauen nach Möglichkeiten zur barrierearmen Gestaltung«, erklärte Johannes Korte von Complan, einem Unternehmen zur Kommunalberatung in Fragen der Stadtentwicklung mit Zweigsitz in Bielefeld.

Zwei Routen zur Auswahl

Zwei Routen standen für die Teilnehmer zur Auswahl, die unter anderem entlang der Bahnhofstraße, durch die Maiwiese, entlang des Bahndamms und durch den Kirchrundling führten. Auch Rollstuhlfahrer und Rollatorennutzer beteiligten sich an der Begehung. Zusätzlich wurden Rollstuhl und Rollator als Testobjekte für nicht Betroffene mitgeführt.

Barrierefreiheit bedeutet nicht nur eine ebene Gehwegführung. »Optimale Kreuzungsanlagen müssen vielen Ansprüchen gerecht werden«, räumt Johannes Korte an der Kreuzung Bahnhofstraße/Brandstraße ein. Es gehe auch um taktile Leitstreifen für Sehbehinderte, längere Ampelphasen und Inseln, die auch für Zwillingskinderwagen und Fahrräder ausreichend bemessen sind. Barrierearmut sei nicht nur für behinderte Menschen ein Thema. Dem Stadtrundgang vorangegangen war eine Begehung der Experten von Complan aufgrund derer ein Katalog mit empfohlenen Maßnahmen ausgearbeitet wird.

Eingeschränkte Lebensqualität

Von Bürgerseite wurde weiterführend auf Probleme hingewiesen und Anregungen geäußert. »Ich möchte der Stadtverwaltung für diese Begehung danken«, sagte Maria Sielmann. Die 93-Jährige ist in der Engeraner Innenstadt häufig mit ihrem Rollator unterwegs und sieht das größte Problem in der Pflasterung. »Man bleibt schnell mit den Rädern zwischen den Steinen stecken und droht dann vornüber zu kippen«, erklärt die Oldinghauserin. Wichtig sei, auch für folgende Generationen älterer und eingeschränkter Menschen, das Thema bei Zeiten anzupacken. Für sie bedeute die Barrierearmut eingeschränkte Lebensqualität. »Ich lege großen Wert darauf, meine Besorgungen allein zu machen«, sagt Maria Sielmann. Ähnlich sieht es Josephine Otto. »Ich sehe vor allem Probleme beim Einsteigen in Busse wegen der Höhenunterschiede zum Bordstein. Öffentliche Verkehrsmittel sind für Rollstuhlfahrer wichtige Fortbewegungsmitte«, sagt Otto.

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