Gerd Grashaußer liest und musiziert im Gerbereimuseum Wenn der »Grabsänger« erzählt

Enger (WB). »Der Grabsänger«. Klingt traurig, ist es irgendwie auch. Allerdings ist der Fakt, dass Gerd Grashaußer in seiner Kindheit als Sänger bei Beerdigungen sein Taschengeld aufbesserte, eines der erfreulichen Details seiner Biografie, die der Autor im Gerbereimuseum vorgestellt hat.

Von Daniela Dembert
Gerd Grashaußer tourt als Kinderliedermacher durch die Lande. Auch bei der Lesung seiner Biografie »Der Grabsänger« im Engeraner Gerbereimuseum durften musikalische Einlagen nicht fehlen. Sie kamen beim Publikum sehr gut an.
Gerd Grashaußer tourt als Kinderliedermacher durch die Lande. Auch bei der Lesung seiner Biografie »Der Grabsänger« im Engeraner Gerbereimuseum durften musikalische Einlagen nicht fehlen. Sie kamen beim Publikum sehr gut an. Foto: Daniela Dembert

Seit mehr als 30 Jahren ist der Nürnberger als Kindermusiker unterwegs. Hunderte von Songs, Kompositionen und Projekte zur Musikvermittlung unterschiedlicher Genres sowie pädagogische Programme zur Sprach-, Rechen- und Bewegungsförderung gehen auf sein Konto. Als »Geraldino« hat er unzählige CDs und mehrere Liederbücher veröffentlicht, tourt außerdem mit seinen Programmen für Kinder und Fortbildungen für Pädagogen durch ganz Deutschland, Österreich, die Schweiz und gastiert an deutschen Schulen im Ausland.

Karton als Laufstall-Ersatz

In seiner musikalischen Lesung hat der 58-Jährige jedoch nur am Rand von seiner Berufung zum Kindermusiker gesprochen. Seine Biographie erzählt von der Zeit davor. In der fränkischen Ortschaft Dietersdorf wuchs er in sehr bescheidenen Arbeiterverhältnissen auf. Rüde und ohne Sentimentalität beschreibt der gelernte Erzieher das Heranwachsen irgendwo zwischen Hinterhof und Fußballplatz. In seiner kleinen Welt im großen Fernseherkarton, der als Laufstall-Ersatz diente, spielte der kleine Gerd oft stundenlang so selbstvergessen, dass auch seine Mutter ihn nicht selten vergaß.

Die blutige Jagd auf Ratten und Wiesel, die den Bestand an Kaninchenbabys und Hühnerküken minimierten, beschreibt der ehemalige Bahn-Beamte ebenso alltäglich wie das Spielen der Dorfkinder am kloakigen Wassergraben. »Einmal habe ich darin ein echtes Kuhauge gefunden, das ich so lange in der Hosentasche mit mir herum trug, bis es schlimmer stank als der Bach«, erzählt der Autor. Die schlimmen Erinnerungen an den Mord an seinem Onkel hätten ihn jahrelang verfolgt, gestand der 58-Jährige und resümiert: »Es war schon befreiend, das Buch zu schreiben.«

Skurrile Begebenheiten

Heiterer wird’s für den Zuhörer bei den Schilderungen der Konfirmationsfeier, die in ein zügelloses Gelage der Verwandtschaft ausartete oder bei der Beschreibung der ersten Teenieparty mit heimlichem Rauchen, Klammerblues und Zungenkuss. Der Nürnberger berichtet nüchtern, jedoch nie urteilend und trotzdem persönlich und bewegend. Grashaußer sieht das große Ganze, verrennt sich nicht in Gut-und-Böse-Kategorisierungen. Sein Buch steckt voller skurriler Begebenheiten und absurd schrulliger Typen.

Zwischendurch griff der Liedermacher zur Klampfe und spickte seine Lesung mit kapitelbezogenen Songs wie »Rote Lippen soll man küssen«, »Marzipan«, einer NDW-Textung auf »Lady in black« und einem Lied über Omas Dackel mit Haartoupet im Sportcoupé in St. Tropez. Mit seinem Buch sei er innerhalb der Familie nicht unbedingt auf Wohlwollen gestoßen, verriet Grashaußer. Woran das liegt? »Ich glaube, jeder möchte ein bestimmtes Bild von sich an die Öffentlichkeit vermitteln. Nicht immer entspricht die Realität dem, was man sich gewünscht hätte«, meinte der Autor.

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