Aljoscha Adam aus Enger wandert 600 Kilometer für Dokumentarfilm über Chile Grenzerfahrung in unberührter Natur

Enger (WB). Knapp 600 Kilometer Fußweg in vier Monaten: Hinter Aljoscha Adam liegt ein wahrer Kraftakt. Zusammen mit drei Mitstreitern machte sich der 24-Jährige im Dezember auf den Weg von Chile nach Argentinien. Ihr Ziel: Eine Filmreportage über den »Greater Patagonian Trail«.

Von Christina Bode
Unbeschreiblich schöne Natur: Aljoscha Adam filmt in Futaleufu, einem See in Chile.
Unbeschreiblich schöne Natur: Aljoscha Adam filmt in Futaleufu, einem See in Chile. Foto: Unboundet-Crew

Hitze, wenig zu essen, eine Menge Gepäck und ein großes Ziel: Im Dezember machten sich Aljoscha Adam aus Enger, Garrett Martin aus den USA, Robyn McLellan aus Großbritannien und Anthony Brogno aus den USA auf den Weg, um einen Dokumentarfilm über den »Greater Patagonian Trail« zu drehen. Anfang Mai sind sie nach Washington zurückgekehrt. Im Gepäck hatten sie nicht nur jede Menge Filmmaterial, sondern auch Erinnerungen an viele Erlebnisse.

Trail ist mehr als 3000 Kilometer lang

»Der gesamte Trail ist mehr als 3000 Kilometer lang. Wir sind bestimmte Sektionen gelaufen und haben auch einige mit unseren Packrafts (Rucksackboote) befahren«, berichtet Aljoscha Adam. Nach den ersten beiden Sektionen im Norden in der Nähe von Santiago musste die Gruppe in den Süden fahren, da zu dieser Zeit in Chile schlimme Brände ausgebrochen sind. Alle Nationalparks und somit auch Teile des Trails waren nicht begehbar.

Die ersten Wochen seien sehr anstrengend gewesen, da sich das Quartett an die Hitze und extreme Trockenheit, sowie die schweren Trekking-Rucksäcke (25 bis 30 Kilo) gewöhnen musste. »Für Sektion eins haben wir uns dann auch mit dem Essen verplant und mussten nach einigen Tagen umkehren«, berichtet der 24-Jährige. Er erklärt, dass der Trail teilweise fernab jeglicher Zivilisation verlaufe und man oft tagelang niemanden sehe. »Wasser gibt es dort häufig in kristallklaren Flüssen. Wir haben ein Wasserfiltersystem benutzt, um es trinken zu können«, berichtet er.

Schon zu Beginn der Tour gab es weitere Schwierigkeiten: »Wir versuchten, über einen Bergpass zu dem auf der anderen Seite gelegenen Dorf zu kommen. Leider gab es dort keinen Weg, der Pass führte durch einen dichten Wald, entlang einem sehr steilen Kliff. Irgendwann mussten wir uns zugestehen, dass es zu gefährlich wurde. Wir begannen, an dem Kliff herunter zu rutschen. Also sind wir zurück gegangen und haben einen längeren Weg zurück zum Dorf genommen, der sehr anstrengend wurde, da wir keine Nahrung mehr hatten«, erinnert sich Adam.

Mentale Belastung ist Herausforderung

Für die nächste Sektion waren die vier dann besser vorbereitet. »Das schwerste ist nicht der physische Aspekt, sondern der mentale«, sagt der Engeraner. Sobald man anfange, in negative Gedanken zu verfallen, werde es schwer, den Tag durchzuhalten. Doch die Anstrengung lohnte sich: Schon zu Anfang der Tour haben die Vier schöne Natur erlebt: Kristallklare Seen (Laguna Dial) und wunderschöne Vulkane. »Sehr eindrucksvoll waren die Menschen, die dort sehr naturverbunden leben«, erzählt Adam.

Die Sektion zwölf stellte sich als erste große Prüfung heraus. »Wir sind mit großen Erwartungen gestartet, da sie laut GPS nur um die 40 Kilometer lang ist. Nach zwei Tagen mussten wir feststellen, dass der Weg in einen Dschungel führt und nicht sonderlich stark bewandert ist.« Die Gruppe ging also in diesen Wald.

»Nach einiger Zeit befanden wir uns in dichtem Urwald und mussten uns den Weg durch den Wald schlagen und zwei Nächte dort bleiben.« Als beeindruckend habe sich auch die Sektion 13 herausgestellt. »Noch nie hatte ich so etwas gesehen: Weite Vulkanlandschaften, Geysire und wüstenähnliche Berge. Das war dann endlich eine Belohnung und definitiv ein Highlight des Trips«, sagt Aljoscha Adam.

Viele Gespräche mit Einheimischen

Da die Feuer im Norden mittlerweile in den Griff bekommen worden waren, fuhr die Gruppe wieder in den Norden. In drei Sektionen haben sie Gespräche mit Einheimischen geführt. »Drei Familien haben uns in ihrer Großzügigkeit Asados zubereitet – das heißt, Schafe oder Ziegen geschlachtet und es für uns präpariert.«

Im Patagonia Nationalpark endete der Trip, wo die Filmcrew Interviews mit Naturschützern führen konnte und viel über ökonomische Probleme Chiles erfuhr. Aktuell sind die Vier in Washington dabei, das Material zu sichten und ein Drehbuch zu schreiben. Der Fokus des Film werde hauptsächlich auf der Crew liegen. Ein weiterer Aspekt zeigt den Naturschutz und die Probleme, die in Chile damit verbunden sind, auf.

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