Birdrace im Kreis Herford: Engeraner Gruppe entdeckt 102 Arten Mit dem Spektiv auf Vogeljagd

Enger (WB). Mitten in der Nacht hat sich Thomas Weigel am Samstag aus den Federn bewegt. Nicht etwa, um eine Großraumdisco zu besuchen. Der Biologiestudent ist gemeinsam mit Teamkollegen von »Enger am Spektiv« I und II auf Vogeljagd gegangen.

Von Daniela Dembert

Gegen 2.15 Uhr sind die Gruppen aufgebrochen, um beim diesjährigen Birdrace so viele Vogelarten wie möglich zu erspähen und zu hören. Der ornithologische Wettbewerb wurde zum 14. Mal bundesweit ausgetragen. Insgesamt waren 306 Teams unterwegs. Nordrhein-Westfalen ist mit Abstand das Bundesland mit den meisten Teams. 80 Gruppen haben sich angemeldet, davon allein 15 aus dem Kreis Herford.

In der Nacht gingen die Engeraner Teams auf die Suche nach Eulen und Käuzen, in den frühen Morgenstunden haben sie das Singvogelerwachen in einem Wald bei Vlotho miterlebt. »Auf diese Weise konnten wir schon früh viele Arten, darunter typische Waldvögel erleben«, sagt Thomas Weigel. Bis zur Mittagspause standen 86 Arten auf den Listen beider Teams. »Insgesamt sind wir auf 102 gekommen. Für uns war das ein rundum perfekter Tag. Die Beobachtungsbedingungen waren super und der Umgang der Teams bei gelegentlichen Treffen immer freundschaftlich«, schwärmt der Engeraner. Die gemeinsame Freude am Beobachten in freier Natur schweiße zusammen, so dass sich die Teams auch gegenseitig auf tolle Entdeckungen hinwiesen.

Schauspiel der Natur

»In Löhne gibt es eine Ausgleichsfläche für die ehemalige Blutwiese. Trotz der momentanen Trockenheit stand diese unter Wasser, und wir hatten das außergewöhnliche Glück, vier Temminckstrandläufer, die nur auf der Durchreise hier anzutreffen sind und auch Bruchwasserläufer beobachten zu können«, berichtet Thomas Weigel.

Ein besonders erhebendes Schauspiel der Natur hätte seine Mannschaft aber mit einem Vogel gehabt, der in der Region durchaus häufig anzutreffen ist: »Eine ganz zahme Rauchschwalbe saß nur wenige Meter von uns entfernt. Das Sonnenlicht ließ ihr Gefieder in verschiedenen Blau-Nuancen schillern. Momente, in denen man diese Ästhetik der Natur gemeinsam genießen darf, sind tolle Erlebnisse, auch wenn sie nicht als spektakuläre Entdeckung einzuordnen sind«, findet der Birdracer.

Hochburg des Birdrace

Der Kreis Herford ist eine Hochburg des Birdrace. Landschaften wie das Enger Bruch bieten der Vogelwelt eine Vielzahl unterschiedlicher Habitate. »Es gibt viele Renaturierungsflächen und alten Waldbestand im Kreis. Es wird einiges getan für den Naturschutz und unsere Bilanz ist grundsätzlich positiv. Allerdings haben wir nur eine einzige Feldlerche erspähen können. Leider schwindet ihr Lebensraum bedingt durch die landwirtschaftliche Nutzung. Die Feldlerche bevorzugt Gräser, braucht blühende Wiesen«, räumt der 25-Jährige ein.

Bundesweit sind in den verschiedenen Landschaften insgesamt 304 Arten gezählt worden. So viele, wie noch nie zuvor. Der Wettbewerb erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit und steigender Teilnehmerzahlen. Dabei ist der sportliche Wettstreit eher zweitrangig. »Es zählt das gemeinsame Erlebnis der Natur«, weiß Thomas Weigel aus eigener Erfahrung.

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