Mittelalter-Thementag: Widukind-Museum räumt mit angeblich dunkler Epoche auf Bleiplatten landeten im Misthaufen

Enger (WB). Das Widukind-Museum in Enger hat den Mittelalter-Thementag mit dem Schwerpunkt »Buch – Druck – Schrift – Papier« ins Leben gerufen und damit schon bis zur Mittagszeit gut 70 Besucher begeistert. Erwachsene und Kinder haben Einblicke in mittelalterliche Schriften und die Buchmalerei gewinnen können.

Von Korinna Klute
Brigitte Birkenstock bestaunt ihr frisch gedrucktes Abbild von Enger, Wolfgang Althoff rät: Das Werk nicht sofort anfassen.
Brigitte Birkenstock bestaunt ihr frisch gedrucktes Abbild von Enger, Wolfgang Althoff rät: Das Werk nicht sofort anfassen. Foto: Korinna Klute

»Die Idee zum Mittelalter-Thementag entstand im letzten Jahr. Beim Museumsfest hatten wir die Druckpresse noch im Dachgeschoss ausgestellt. Allerdings war es auf Grund der Wärme nicht der beste Ausstellungsplatz, so dass wir uns entschlossen haben, die Druckpresse nochmals auszustellen«, erklärte Regine Krull als Leiterin des Museums.

Insgesamt gibt es vier Stationen, die die Handwerkskunst des Schreibens, Verzierens, Druckens und Bindens zeigen. »Unsere Besucher sind auch eingeladen, beispielsweise bei der Druckpresse selbst Hand anzulegen«, freute sich Krull über das große Interesse am Thementag.

»Das glatteste Leder stammt von Hunden«

Brigitte Birkenstock entschied sich für eine Druckplatte, die das mittelalterliche Enger zeigt. »Das ist doch schon recht viel Aufwand für eine Seite«, stellte sie nach Papier einlegen, Rahmen verschließen, Druckplatte mit Farbe versehen und dem eigentlichen Druck mit Hilfe des Dängels fest. Wolfgang Althoff erklärte, dass die Farbe eigentlich nicht mit einer Rolle, sondern mit dem Farbballen aufgebracht wurde.

»Dieser Farbballen ist mit Leder umspannt. Das glatteste Leder stammt von Hunden« wusste er den Mittelalter-Interessierten zu berichten, die teils doch über das Hundeleder erstaunt waren. »Teilweise wird es immer noch in Italien verwendet«, führte der Soester weiter aus, während er den Druck von Birkenstock unter die Lupe nahm und für gut befand.

Hubert Leonhard zeigte den Interessierten die Kunst der Kalligrafie, von der karolingischen Minuskel bis hin zur heutigen Schrift ist alles in seinem Repertoire. Während er Namensschilder schrieb, war je nach Federart- und stärke das typische Kratzen mehr oder weniger zu hören. »Das nehme ich schon gar nicht mehr wahr«, schmunzelte Leonhard, der für den Mittelaltertag eigens aus Karlsruhe angereist war.

Die Kunst des Buchbindens

Durch die Vorarbeit im so genannten Scriptorium ist der Rahmen für die Bildmalerei vorgegeben. »Wo welcher Buchstabe ausgeschmückt wird und wo noch Platz für Verzierungen ist, gibt mir der Schreiber vor«, verriet Dagmar Marion Laubenstein. Sie erklärte den Besuchern, dass Farbpigmente unterschiedlich gewonnen werden konnten.

»Grundlage können sowohl tierische als auch pflanzliche Stoffe sein, aber auch mineralische und chemische. So legten die Menschen damals Bleiplatten in den Misthaufen und durch den Kontakt entstand das Bleiweiß. Das war zwar hochgiftig, wurde aber dennoch abgekratzt und weiterverwendet. »In alten Büchern sieht man noch, dass das Mittelalter eigentlich eine sehr bunte Zeit war«, erzählte Laubenstein den begeisterten Museumsbesuchern.

Martina Begemann aus Lemgo zeigte den Besuchern noch die Kunst des Buchbindens. »Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, neben der Fadenbindung gibt es noch die neuere Klebebindung. Je nach Anlass und späterem Verwendungszweck eignet sich die eine oder die andere Bindung mehr« erläuterte die gelernte Buchbinderin, die nicht nur für die Bindung, sondern auch für Buchkassetten oder -schuber verantwortlich ist.

Am Sonntag, 19. März, findet im Widukind-Museum die »Nachtschicht« für Familien statt.

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