Bosnier haben in der deutschen Möbelindustrie nicht den besten Ruf Hat Prevent ein Rezept für Alno?

Pfullendorf/Enger (WB). Eines kann man dem Hausgeräte-Hersteller Whirlpool (Bauknecht, Kitchen Aid, Privileg) nicht vorwerfen: Dass er nicht lange zu der Beteiligung an der Alno AG gestanden hat. Doch offenbar ist es der US-Konzern leid, nur Verluste ausgleichen zu müssen. Er hat die Anteile verkauft.

Von Bernhard Hertlein
Alno in Enger.
Alno in Enger.

Der Käufer aber, das bosnische Unternehmen Tahoe, gibt Rätsel auf. Auch Insider der Küchenbranche, deren Nummer 1 Alno gewesen ist, bevor Nobilia (Verl) die Führung übernommen hat, schwanken. Ist das die lang versprochene Wende? Oder werden die Probleme bald noch größer?

Tahoe, das zur Prevent-Gruppe gehört, hat nach dem Kauf der Whirlpool-Aktien jetzt direkt Zugriff auf 16.73 Prozent. Weitere 16,52 Prozent, darunter die Anteilsscheine des Vorstandsvorsitzenden Max Müller, sind nach der Stimmbindungsvereinbarung mit Tahoe im gleichen Boot. Für die restlichen zwei Drittel, die größtenteils Kleinaktionären gehören, bieten Tahoe und eine verbündete Investmentgesellschaft namens Brillant 0,50 Euro je Aktie. Der Preis liegt nur geringfügig über dem aktuellen Börsenkurs. Unterm Strich ist Alno der hinter Tahoe stehenden Prevent-Gruppe und der bosnischen Familie Nijaz Hastor damit gerade mal 37,7 Millionen Euro wert – ziemlich wenig für ein Unternehmen mit 90 Jahren Küchentradition, dessen 2100 Mitarbeiter zuletzt noch einen Umsatz von 520 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Allerdings ging es mit Alno seit dem Börsengang 1995 bergab. Das Unternehmen erwirtschaftet auch 2016 rote Zahlen und ist hoch verschuldet.

Prevent ist weitverzweigt und in mehreren Branchen engagiert. In diesem Sommer machten die Bosnier durch einen Zuliefererstopp von sich reden, der immerhin die Produktion von Volkswagen zeitweise stillgelegt hat.

Prevent ist auch in der Möbelbranche engagiert. In Ostwestfalen kennt man die Bosnier als den Konzern, der im August 2015 die Mehrheit an dem kriselnden Polstermöbelhersteller Gepade in Delbrück erworben hat. Schon im Oktober  war Gepade zum zweiten Mal insolvent . Aus dem Plan, mit Gepade, dem Polstermöbelhersteller Machalke in Hochstadt und dem Schwarzwälder Essmöbel-Hersteller  Wössner einen Verbund zu formen, wurde nichts.

Zumindest Wössner hat inzwischen die Produktion in Sulz am Neckar aufgegeben und auf den Balkan verlagert. Dass Ähnliches Alno und damit auch den 450 (Vorjahr: 460) Beschäftigten im Wellmann-Werk im ostwestfälischen Enger drohen könnte, glaubt niemand. Zu weitgehend ist in der Küchenindustrie und damit auch bei Alno die Produktion automatisiert, als dass eine Verlagerung Geld sparen würde. Das klärt aber nicht die Zweifel, ob Prevent wirklich in Alno investieren und wie lange der Konzern rote Zahlen hinnehmen wird.

Südlich vom Kreis Paderborn, in Brilon, betrachtet man die Entwicklung gelassen. Die dortige frühere Alno-Tochter Impuls gehört inzwischen zum Steinhoff-Konzern, der weltweiten Nummer 2 der Möbelbranche nach Ikea.

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